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Die Baustelle einer Illusion: Am Donnerstag beginnt der 18. "ScheuneSchaubudenSommer"

Die Baustelle einer Illusion: Am Donnerstag beginnt der 18. "ScheuneSchaubudenSommer"

Überm Scheune-Gelände flattert bunte Plastik. Absperrbänder in schwarz-gelb, rot und weiß wiegen sich im Wind wie die Tentakel einer riesigen Qualle. Es sind die ersten Anzeichen des "ScheuneSchaubudenSommers" (SBS), des "Internationalen Festivals für Theater, Vergnügen und Musik", das vom 16. bis zum 26. Juli jeden Abend um und im Neustädter Kulturzentrum stattfindet.

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Cindy Hammer (links) und Johanna Roggan bilden das Tanz-Duo Hammer & Roggan: "Zwei Körper, die sich eine Seele teilen, einen Herzschlag." Auch die sind Teil des Schaubudenprogramms an der Scheune.

Quelle: André Wirsig

Warum sich Muriel Cornejo und ihr "Assistent" und Ehemann César Olhagaray für diese, eher schlichte Variante der Platzgestaltung entschieden haben, die Frage soll sich jeder selbst beantworten, sagt Helmut Raeder, einer der beiden Künstlerischen Leiter. Am Einfachsten wäre wohl diese Antwort: Es passt zur Umgebung. Denn um das, was ab Morgenabend das Festivalgelände ist, wird gebaggert. Der Turnhallenbau an der Alaunstraße ist noch nicht ganz abgeschlossen. Weil der Platz vorne fehlt, werden hinter der Scheune erneut große Teile des Schulhofs und die alte Turnhalle der Dreikönigsschule mitbespielt. Vielleicht verweist das luftige Werk der beiden eingedresdnerten Chilenen aber einfach auch nur darauf, dass es sich beim Konzept dieser Veranstaltung um eine kreative Dauerbaustelle handelt, auf der zwar vieles geplant, einiges dann aber doch ganz anders passieren wird. Und ausdrücklich anders passieren soll.

Das ist im Sinne des "ScheuneSchaubudenSommers". Der zweite Künstlerische Leiter Heiki Ikkola erzählt, dass es neben den 39 offiziellen Künstlern und Künstlergruppen, von denen zwölf noch nie zuvor beim SBS gewesen sind, wieder einige geben wird, die spontan den Platz bevölkern. "Wunderecken" nennt es Ikkola, dem ein blauer Cutter aus der Hosentasche hervorlugt, und der ihn mahnt, schnell wieder auf die Budenbaustelle zurückzukehren. Auf einer im zukünftigen Festivalcafé herumliegenden Tafel ist ein halbfertiges Gemälde zu sehen, das die Show von Howool Baek (16.-19.7.) aus Südkorea ankündigt, für die Tanz nicht der richtige Begriff sei, findet Raeder, weil es sehr körperlich und mit einiger Verrenkung zuginge. Tanz ist definitiv der richtige Begriff für das aktuelle Schaubuden-Projekt von den Dresdner Tänzerinnen Cindy Hammer und Johanna Roggan (18.-23.), die eine "weniger ernste und lautere Version" des Stückes "XX" von Balletttänzer und Choreografen Johannes Schmidt aufführen. Ihre Abwandlung ist der Erkenntnis aus den früheren Jahren geschuldet, denn auf dem Platz herrscht unbedingter Unterhaltungswille.

Unbedingter Unterhaltungswille

Auch wenn die Shows zum Nachdenken anregen sollen, auf den ersten Blick darf es ruhig lustig sein. Oder schockieren. Dafür angereist kommt dieses Mal ein Amerikaner, oder sagen wir, eine Amerikanerin: die "Terrorist Drag Queen" Christeene (22.). "Wir machen mal was mit Geschlechtsteilen und zwar richtig!" steht im Programmheft. Raeder ergänzt das um Christeenes Motto: "Man möge sich gegenseitig mehr an den Po fassen".

Körperkontakt ist sowieso Pflicht beim Budenzauber. Es wird erfahrungsgemäß immer eng und wer sich nicht mit vielen anderen auf eine Bierbank in ein heißes Zelt drängeln will, der sollte die Veranstaltung meiden. Der verpasst dann aber auch diese wunderbare Begegnung mit dem Unbekannten. Mit der Gruppe Trukitrek (16.-18.) aus Spanien zum Beispiel, die in ihrer "Jukebox" Puppen mit Menschenköpfen tanzen und singen lassen. Oder das poetische, wortlose Theater der Ukrainer von Prekrasnye Zvety (22.-26.). Oder das an der Realität schürfende Erzähltheater des Ivoren Momo Ekissi (20.-22.), der in seinem Stück "Der Bumerang" davon erzählt, wie wichtig es ist, eine Sprache zu sprechen, um sich in einem fremden Land zu integrieren. Und natürlich verpasst er Cora Frost (16.-18.), die große Mysterien-Frau, die mal wieder mit ihrer bunten Familie anreist, inklusive ihres Traktoristen Otto und ihrer "schönen Cousine aus den endlosen brodelnden Tulpengärten Konstantinopels". Mindestens 16 Nationen sind vertreten beim 18. "ScheuneSchaubudenSommer". Nicht, dass sich die Macher den Kulturaustausch besonders fett auf die Fahne geschrieben hätten; er passiert einfach, wenn viele unterschiedliche Menschen in freundlicher Absicht aufeinandertreffen. Auch den Bauch und den Kopf jedes Einzelnen soll es durcheinanderwirbeln, wünscht sich Helmut Raeder, und bezieht sich auf die rund 22000 Besucher, die in den elf Nächten insgesamt erwartet werden. Der Dresdner sei ja dafür bekannt, dass er alles durchdenke und weniger erfühle. Auch deshalb hat César Olhagaray schon mal seinen Slogan "Alles Banane" in der Stadt versprüht. Während des SBS will er dann mit seinem Motto "Denk mal nicht!" endgültig den steifen Monitornacken der Bevölkerung lockern.

Das ist nur ein klitzekleiner Einblick in diese verwunschene Welt, die dort jeden Abend normale Leute absorbiert und ein bisschen neben sich stehend wieder ausspuckt. Aus bis zu 15 verschiedenen Aufführungen können sie wählen; es gibt Tanz, Theater, Clownerie, Musik und Dinge, die sich eben gar nicht so leicht beschreiben, sondern besser erleben lassen. So wie die Mitternachtsüberraschungen, die die letzten Besucher aus dem Scheune-Gelände in die Neustadt ziehen. Die Allerletzten gehen danach nochmal zurück in den Festivalclub und tanzen sich das Erlebte wieder aus dem Körper in den Kopf, wo das Ganze als derb-süßes, als der Nacht geweihtes, als im besten Falle magisches Erlebnis abgespeichert werden kann. So schließt auch der offizielle SBS-Text mit den Worten: "Ach, Sehnsucht, ach Glückseligkeit! Schau! Buden! Sommer! - Elf Nächte Tanzen, Staunen, Ewigkeit!"

Der 18. "ScheuneSchaubudenSommer" ab morgen bis zum 26. Juli auf dem Gelände der Scheune. Jeden Abend ab 19 Uhr öffnet der Platz, ab 20 Uhr beginnen die Vorstellungen. Am 19.7. ist Familien-Schaubudentag und der Platz bereits ab 15 Uhr geöffnet.

Der Geländezutritt kostet 2,50 Euro für Erwachsene. Der Eintritt für eine Vorstellung (ca. 20 bis 30 Minuten) kostet 5, das Dreierticket 12 Euro. Ermäßigte Karten für Kinder (abends 5 bis 12 Jahre, Familiennachmittag 2 bis 12 Jahre) kosten 2 Euro pro Vorstellung. Einige Schaubudenattraktionen sind ab 1 Euro zu sehen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.07.2015

Juliane Hanka

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