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Die Band Fenster vertont ihre "Dark-Sci-Fi-Comedy"

Musik mit Parallelhumor Die Band Fenster vertont ihre "Dark-Sci-Fi-Comedy"

Nach Album Nummer zwei kommt häufig Nummer drei. Diese Rechnung war Fenster, der internationalen Band, die in Berlin ihr künstlerisches Zuhause gefunden hat, wohl nicht spektakulär genug.

Fenster sind gar nicht wirklich tot, sondern spielen hier in ihrem selbstgedrehten Film "Emocean".

Quelle: PR

Dresden. Nach Album Nummer zwei kommt häufig Nummer drei. Diese Rechnung war Fenster, der internationalen Band, die in Berlin ihr künstlerisches Zuhause gefunden hat, wohl nicht spektakulär genug. Deshalb brachten sie nach "Bones" (2011) und "The Pink Caves" (2013) im September 2015 bei Morr Music ihr Drittwerk "Emocean - Original Motion Picture" heraus - einen Filmsoundtrack. Gesprochen wird der Titel wie das englische Wort für Gefühl, also "Imoschn", und darum dreht es sich wohl auch.

Der knallbunte Teaser zum Film geht so: Gerade noch sitzt die Band im Auto - sie spielen Flöte und "Emocine" als Computerspiel auf dem Gameboy (!) - da werden sie herausgesogen und in einer anderen Dimension wieder ausgespuckt. Hier sind Gefühle verboten. Dann sieht man nur noch Bruchstücke von ihrer gut einstündigen "Dark Sci-Fi-Comedy". Einen Planeten namens Auberginus entern sie jedenfalls, auf dem sich die Menschen in grauen Anzügen nur sehr langsam bewegen und eine dickflüssige, hellgrüne Flüssigkeit von der Tankstelle zapfen, die sie dann trinken, vermutlich, um ihre Gefühle unter Kontrolle zu halten. In einem Musikvideo zum Album tritt die als tot deklarierte Band im Himmel auf, es regnet Auberginen, und sie klimpern dazu auf ihren Instrumenten, als wäre es 1970 und das LSD kurz vorm Kicken. Man ahnt, der Film wird schräg. Bewegte Collagen, wie unsauber ausgeschnitten aus knallbunten Katalogen für Surrealismus.Doch da Fenster eine Band sind, geht es vor allem um die Musik zu diesen Bildern. Schon auf den ersten beiden Alben waren die New Yorkerin JJ Weihl und der Deutsch-Pole Jonathan Jarzyna und ihre wechselnden Begleiter eher ungreifbar unterwegs. Ihre Spezialität ist das Unkonkrete, das schaurig Schöne, das wie halluziniert Klingende. Psychedelische Popsongs, durch die modulierte Synthesizer wabern, das Tamburin fröhlich klackert, die E-Gitarre nur das Nötigste tut und nur gesungen wird, wenn es auch wirklich sein muss. Auf der Bühne wechseln sie gern Instrumente und Aufgaben, einen sichtbaren Anführer gibt es nicht. Seit einiger Zeit sind der Franzose Lucas Ufo und der Brite Will Samson mit von der Partie, und auch das verändert ihre Musik natürlich wieder.

Mit "Emocean" wagen sich Fenster noch einen Schritt weiter in die Uneindeutigkeit. Während man automatisch an den in ewig lauwarmen Wellen anschwappenden Synth-Pop von Jean Michel Jarre denken muss, sind da gleichzeitig jede Menge schiefe Untertöne drin. Rock'n'Roll, Stoner Rock, Disco, Gameboy oder Rokoko als fast unsichtbare Zitate, die vermutlich erst mit den merkwürdigen Bildern ihre volle Wirkung entfalten, wenn der Film also hinter den Künstlern auf der Leinwand zu sehen ist, während sie die Lieder dazu spielen.

Morgen, 20 Uhr, Fenster mit "Emocean" live im Societaetstheater. VVK: 12, AK: 15 Euro

von Juliane Hanka

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