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Die Ausstellung "Schools of Art, Vol. III" vereint im Dresdner Oktogon elf junge Künstler aus Manchester

Die Ausstellung "Schools of Art, Vol. III" vereint im Dresdner Oktogon elf junge Künstler aus Manchester

Wer an Manchester denkt, dem fällt manches ein. United oder City, zum Beispiel. Oder eine ganze Riege grandioser Recken eines gepflegten, wenn auch sehr unterschiedlichen Beats: The Smiths, New Order, Joy Division, Oasis, I am Kloot.

Woran man bei der Halbmillionenstadt im englischen Nordwesten, der selbst ernannten Nummer zwei Englands nach London, eher nicht denkt, ist Kunst - um genau zu sein: bildende Kunst. Aber das kann sich ändern. Die gute Nachricht in diesem Kontext: Der Gang zum Reisebüro entfällt. Wer sich im wahrsten Sinn des Wortes ein Bild machen will von der jungen Künstlerszene Manchesters, sollte seine Schritte demnächst ins Oktogon in die Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK) lenken. Dort sind bei "Schools of Art, Vol. III" die Werke von elf Künstlern zu entdecken, die entweder an der Manchester School of Art der dortigen Metropolitan University ihre Ausbildung erhielten oder noch mittendrin sind.

Der erste Eindruck: Es gibt Video- und Audiokunst, vor allem im zentralen Raum des Oktogons. Doch bleibt sie, gemessen daran, wie oft sie heutzutage gerade von jungen Künstlern genutzt wird, fast bescheiden im Hintergrund. Es dominiert die klassische künstlerische Ausdrucksform: Malerei und Zeichnung.

Einer von denen, der dieser Art old school huldigt, ist Bartosz Beda. Der aus Polen stammende Künstler gehört in seiner Heimat schon seit geraumer Zeit zu einer aufstrebenden jungen Generation, die sich ihrer eigenen Qualität bewusst ist, ohne diese Erkenntnis mantraähnlich durch die Welt zu tragen. Beda ist der erste, der in den Genuss eines Stipendiums kam, mit dem im Vorjahr das bereits seit 2009 bestehenden "School of Arts"-Austauschprojekt der HfBK aufgewertet worden war.

Bei der gestrigen Presse-Vorbesichtigung der vierwöchigen Ausstellung war Beda jedenfalls von einer fast permanenten Unruhe geprägt. Immer wieder tigerte er zwischen seinen versammelten englischen und deutschen Kollegen umher. Ein Bild des Künstlers als Unruhegeist.

Dass Beda, Jahrgang 1984, schon einiges vorweisen kann, dazu reicht ein Blick in seine Ausstellungsliste. Bis 2. April zeigt er zusammen mit fünf anderen Künstlern Bilder am Broadway in New York, in der Galerie Launch F18. Im vergangenen Jahr stand Beda auf der Shortlist des New Sensations Prize der Londoner Saatchi Gallery. Wer seine Bilder anschaut, wird sich ihrer Stärke nicht nur angesichts solcher Meriten bewusst. 14 Kleinformate hängen im Oktogon nebeneinander, von aggressiv-verfremdeten Porträts bis zu schnappschussähnlichen Alltagsszenen. Dieses Serielle hat auch damit zu tun, wo er sich als Vorlage bedient: beim Fernsehen als Bildlieferant. Dem eher Fotorealistischen hat sich dagegen, zumindest teilweise, die seit einem Jahrzehnt in Manchester lebende Schweizerin Ilona Kiss verschrieben. Für ihre Bilder, die eine eisige Extrem-Landschaft in verschiedene Grundierungen von Sepia über Nachtblau bis zu einem schimmernden Grün taucht, habe sie eine Art literarisches Vorbild gehabt: den "Atlas der abgelegenen Inseln" von Judith Schalansky, eines der zweifellos schönsten Bücher der letzten Jahre. "Ich wollte mir wohl meine eigenen Inseln schaffen", resümierte die geborene Züricherin schlicht.

Für Annie Carpenter steht vor allem das Thema Arbeit im Mittelpunkt. So reflektiert sie auch über ihre eigene Produktivität mit ihren "Productivity Sticks", gedrechselten 3-D-Diagrammen. Je größer der Durchmesser der einzelnen spindelähnlichen Hölzer, desto stärker Carpenters kreativer Output. Die Spindeln wiederum verweisen auf die Industriegeschichte ihrer Heimatstadt: Manchester war einst geprägt von Textilindustrie, die ihrerseits längst einem breit aufgestellten Dienstleistungssektor weichen musste.

Magnus Quaife wiederum kombiniert seine Malerei mit installationsähnlichen Kompositionen. Eins seiner Bilder, das einen kahlen Baum zeigt, sei die Beschäftigung mit den heimischen Boulevardblättern. Seitdem die yellow press verbreite, Telefonmasten riefen Krebserkrankungen hervor, würden die Telefonanbieter die Masten als Bäume zu tarnen versuchen. "Something becomes something else", kommentierte Quaife das Ganze trocken. Aus etwas wird etwas anderes - eine generell passende Umschreibung für Kunst.

Die HfBK jedenfalls setzt ihre Reihe von Kooperationen und Ausstellungen mit anderen europäischen Hochschulen fort. Manchester und das schon angesprochene Stipendienprogramm spielen weiter eine Rolle, ließen die Kuratorin Susanne Greinke und Hochschulsprecherin Andrea Weippert wissen. Nachdem in der Vergangenheit bereits Projekte mit Kunsthochschulen in Paris und Linz - nun gefolgt von Manchester - liefen, wird der nächste Partner aller Voraussicht nach Istanbul sein. Von Manchester aus gesehen die andere Ecke Europas.

bis 21. April, Oktogon HfBK, Eingan Georg-Treu-Platz, geöffnet Di-So 11-18 Uhr

www.hfbk-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.03.2013

Torsten Klaus

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