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Die 19. Cynetart lockte 1.500 Leute nach Hellerau

Analoge Apfelfront und binäre Pläne Die 19. Cynetart lockte 1.500 Leute nach Hellerau

Der Schlusspunkt als Konzert: Damit endete die 19. Auflage der Cynetart 2015 - passenderweise mit einem Duett zwischen Piano und RaspberryPi, bedient von Gregor Schwellenbach und Sam Aaron. Titel des Dialogs in der üblichen Amtssprache "Repetitive Beats & Repetitive Conditionals".

Dresden. Der Schlusspunkt als Konzert: Damit endete die 19. Auflage der Cynetart 2015 - passenderweise mit einem Duett zwischen Piano und RaspberryPi, bedient von Gregor Schwellenbach und Sam Aaron. Titel des Dialogs in der üblichen Amtssprache "Repetitive Beats & Repetitive Conditionals". Zuvor gab es einen Abstecher in die Stadt, genauer gesagt nach Striesen in die Technischen Sammlungen. Dort tobte - bunt, jung und laut - das Medienfestival zum Deutschen Multimediapreis für Kinder und Jugendliche namens mb21, veranstaltet vom Medienkulturzentrum. Hier, im lokalen Matheparadies, feierte zwölf Uhr mittags "Body Music" als eine interaktive Performance in Choreographie von Valentina Cabro mit rund zwanzig jungen Leuten zwischen acht und 18 Jahren Premiere. Hier wäre weniger Unruhe und Tageslicht besser gewesen, so dass Arne Nowak, seit Mai 2014 Vorstandsvorsitzender der gastgebenden Trans-Media-Akademie Hellerau, nun hofft, alsbald einen weiteren Auftritt unter besseren Bedingungen realisieren zu können.

Er selbst zeigt sich am Sonntag Abend nach Festivalschluss zufrieden mit der 19. Edition der Cynetart und deren rund 1500 Besuchern an vier Tagen: "Es ist - wie in ungeraden Jahrgängen üblich - ein Projektfestival ohne Wettbewerbscharakter. Da liegt der Fokus auf dem Austausch und den Foren, also auf Klasse statt Masse."

Außerdem befände man sich in einer größeren Umstrukturierung, um im nächsten Jahrgang einerseits das große Jubiläum zu feiern, zu welchem dann - so das ehrgeizige Ziel - 10 000 Besucher auf den grünen Hügel strömen sollen. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 4500, ein Jahr zuvor 4000, allerdings jeweils in einer Woche, während es diesmal - anders als geplant - nur über vier Tage ging und auf größere Kulturbeiträge oder gar Partys verzichtet wurde. Selbst digital bleibt Luft nach oben: Der aktuell verlinkte Videokanal wird seit rund zwei Jahren nicht mehr bedient, das Netzgezwitscher endete am 5. Mai 2015 - nur das Gesichterbuch (3819 Gefaller) ist neben der jährlich neugestalteten Homepage aktuell.

Weg vom Projektdenken

"Dazu müssen wir weg vom kurzfristigen Projektdenken, hin zu längerfristigen Synergien in die Stadt hinein", erklärt Nowak. Eine zehnjährige Kooperationsvereinbarung mit einer großen Dresdner Firma aus der Branche sei schon unterzeichnet, deren Mitarbeiter nicht nur Zielgruppe, sondern auch Multiplikatoren. Auch bei der Organisation sei man bereits dieses Jahr neue Wege gegangen: Kein Kurator, sondern eine 15-köpfige Redaktion war für das Programm zuständig. Waren dieses Jahr rund 50 Künstler, Wissenschaftler oder anderen Experten aus 13 Ländern geladen, so werden nächstes Jahr zur 20. Ausgabe rund 540 Gäste aus über vierzig Ländern erwartet. Dann soll es - wie üblich Mitte November, das genaue Zeitfenster steht noch nicht fest - über sechs Tage gehen. Nowak will mit entsprechenden Angeboten die Cynetart auch für eine neue Zielgruppe öffnen: Kinder und deren Eltern. Dank der Preisgelder stehen dann auch mehr Budget zur Verfügung: 270 000 statt 200 000 Euro.

Man kann es auch einfach abschalten: Gerät samt Außenwelt

Und es wird mehr Kunst sein: Denn vom 2015er-Jahrgang bleiben nur einige Arbeiten im Hirn hängen. So bietet Jonas Lewek eine funktionstüchtige App für Smartphones unter Bezug auf die nette spanische Prokrastinationsformel "mañana, mañana" - angeblich in Lateinamerika mentalitätsbildend. Sein Programm hilft, ToDo- Listen zu manipulieren, Termine zu verschieben, sich anderweitig abzulenken und Arbeiten ganz zu lassen. Auch kann es einfach mal abschalten: Gerät samt Außenwelt. Schon auf vier farbigen Erklärtafeln visualisiert, verströmt es Urlaubsstimmung. Ganz anders Ulrich Klose, Student an der HGB Leipzig, und Tilman Hornig; Absolvent der HfBK Dresden. Sie bieten per "Warzone" eine Kombination aus aufgerissenen Computerinnenleben und televisionärem Katastrophenlivefernsehen.

Grandios schief ging der analoge Überfall der Front Deutscher Äpfel auf die Eröffnung. Die sich einst als Leipziger Antwort auf den einstigen Einzug der NPD in den Dresdner Landtag verstehende pseudolustige Performancetruppe eroberte den Saal und simulierte - in schwarzen Klamotten mit Armbinde (nur mit Apfel statt Hakenkreuz) - eine Geiselnahme, die zwei Tage später schlicht ausgefallen wäre. Denn im Saal befanden sich auch ausgewachsene Ossis, die eingeimpft bekamen: Nie echte Waffen auf Personen richten! Die siebenköpfige Gang, sichtlich ungedient, die mit modischer Hitlerei für ihre Finissage im Dresdner Rockefeller Center am Samstag werben wollten, leistete sich dann auch noch eine Art simulierter Lesung - in Inhalt und Form ebenso dilettantisch.

Andreas Herrmann

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