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Die 16. Cynetart in Dresden beendet - Neues, publikumsnahes Konzept

Die 16. Cynetart in Dresden beendet - Neues, publikumsnahes Konzept

Mit einer insgesamt erfreulichen Besucherbilanz endete gestern die 16. Cynetart, das internationale Dresdner Festival für computergestützte Kunst: Knapp 3000 Menschen besuchten während des einwöchigen Festivals die Veranstaltungen und die Festivalausstellung im Festspielhaus Hellerau, das wiederum als eine Art Hauptquartier für die Cynetart diente, zumal man auch im 16. Jahr konstatieren muss, dass es speziell für die genre-spezifischen Performance-Höhepunkte keinen anderen Ort in der Stadt gäbe, der auch nur annähernd so ideal mit den (Darstellungs-)Formen dieses Festivals zusammengeht.

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Durch das in mehrere Nächte ausgedehnte Club-Angebot an verschiedenen Szene-Spots im Herzen der Neustadt und einer damit obendrein verbundenen, virtuellen Zwischenebene einschließlich interaktiver Installationen konnte man das Publikum über den komplexen Kunstgenuss-Tellerrand hinaus in diesem Jahr gut erreichen und lockte ein durchschnittlich jüngeres Publikum zusätzlich nach Hellerau.

Dabei zeigte sich das erstmals derart ausgefeilte und breit aufgestellte Clubangebot, das bei der Cynetart bisher eher eine Nebenrolle spielte, als kräftigende Antwort auf die Frage der Publikumsanbindung und mit einer delikaten Auswahl: Etwa der MUTEK-Abend mit einer Live-Performance von Deadbeat und Assimilation Process im Alten Wettbüro, die OD-Labelnacht mit Charlotte Bendiks, Boska und live: Mental Overdrive oder das Konzert mit immer noch progressiv agierenden Pionieren: Wolfgang Voigt und Jörg Burger als MOHN im Festspielhaus. Struktur, Idee und Lebendigkeit sind hier offenbar die ausschlaggebenden Kriterien, nie eindimensionale Gefälligkeit oder das Armdrücken technischer Details und Leistungen.

Die kulturell-philosophisch-gesellschaftliche Mehrdimensionalität hat mehr als in jedem Jahr zuvor sämtliche Veranstaltungen der Cynetart verbunden. Dass die dabei entstehende Vielfalt der Formen, Ausdrucksmöglichkeiten und das Aufeinanderprallen höchst unterschiedlicher Rezeptionsgewohnheiten zu einer manchmal insgesamt weniger betörenden Kleinteiligkeit führt, ist akzeptabel. Und dass viele Elemente auch Spaß machen (dürfen), ist kein Tabu mehr. Auch nicht in dem gelegentlich vom weißgetünchten Todernst avantgardistischer Kunstbemühung etwas überanstrengten Festspielhaus. Freilich geht es im - vor allem in der Wettbewerbsausstellung gegenwärtigen - letztlich gesellschaftsquerenden Diskurs um Biotechnologie (etwa im 'Cynal Salon: Kunst und Wissenschaft'), Vernetzung, Datenschutz immer auch um Themen, die in ihrer uns ungewissen Zukunft ein Stück weit Angst implizieren oder in der Kunst bewusst damit arbeiten, so dass einem in der weiterführenden Beschäftigung damit nicht selten das Schmunzeln in der Gesichtsecke hängenbleibt. Aber es ist und bleibt diese gefühlt vergängliche, durch den virtuellen Spielraum aufgeblasene Vielfalt der Formen und Möglichkeiten und die daraus erwachsende Ambivalenz als die Faszination im Kern der Cynetart. Was dem Verstand zu viel wird, packt die Kunst beherzt an - zumindest ist das Potential und Messlatte der künftigen Ausgaben dieses Festivals in einer Kunststadt, die sich so gern mit dem Gestern beschäftigt. Auch darin liegt für die Cynetart eine ganz eigene Chance. Im Hellerauer Labor, einer Augmented Reality und auf der Tanzfläche gleichermaßen. Dabei geht die Tendenz in der Beschäftigung mit gesellschaftlich relevanten Themen durchgehend zum konkreteren Griff in den Alltag. Dennoch mochte man Höhepunkte wie die hoch-abstrakte Performance "Movement C" von Ulf Langheinrich unter keinen Umständen missen. Zeit, Raum und Körper verlieren sich durch repetitive Transformation in mathematisch scheinender Illusion und audio-visueller Umgebung - also schwanken zwischen absoluter Berechenbarkeit und gefühltem Chaos. Den Spielraum dazwischen gilt es zu vermessen. Immer wieder neu.

Niklas Sommer

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.11.2012

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