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Die 10. Tanzplattform Deutschland ist in Hellerau eröffnet worden

Die 10. Tanzplattform Deutschland ist in Hellerau eröffnet worden

Für Dresdens Kulturbürgermeister Ralf Lunau gibt es Anlass zum Feiern: 10. Tanzplattform im 100-jährigen Festspielhaus Hellerau in Erinnerung an die Gründung der Gartenstadt vor wenig mehr als 100 Jahren und an die Zeit des Aufbruchs hier, von 1911 bis 1914: "vier Jahre, die die Kunst veränderten".

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Zur Eröffnung hat die Company Dorky Park Constanza Macras' Choreografie "Berlin elsewhere" gezeigt,

Quelle: Stephan Floß

Das ist der Ort, um in Dresden die aktuelle Tanzszene als Spiegel der Zeit zu präsentieren, denn Dresden ist mehr als eine Barockstadt.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann spricht im Hinblick auf Hellerau vom wiedererstandenen Mekka der zeitgenössischen Künste, davon, dass zwei Diktaturen, in denen vor allem das Festspielhaus entfremdet wurde, nicht zerstören konnten, was von hier aus in die Welt ging. "Der Gleichschritt konnte den Tanz" nicht besiegen, und heute sei Hellerau eine Drehscheibe der internationalen Tanzszene. Bei aller Freude dann doch bedenkenswerte Worte im Hinblick auf die mitunter katastrophale Lage freier Künstler, insbesondere von Tänzerinnen und Tänzern. Von Förderprogrammen ist die Rede, von Erweiterungen auch, darüber, wie diese Programme greifen, dass die Kompetenz der Länder gefragt ist. Darüber wird man sprechen müssen, vielleicht am Sonntag, ab 10.30 Uhr, in Hellerau, wenn die freie Vereinigung TanzNetzDresden dazu einlädt.

Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst Sabine von Schorlemer lässt zur Eröffnung des Festivals herzlich grüßen und übermitteln, für welch glückliche Fügung sie es halte, dass Dresden als eine Wiege der modernen Tanzkultur zum Austragungsort der 10. Ausgabe der Tanzplattform Deutschland geworden sei.

Für die Eröffnung hat man Constanza Macras mit der Company Dorky Park eingeladen, das Stück heißt "Berlin elsewhere", dauert 105 Minuten und ist kein Stück über Berlin. Plattenbau und Maschendraht gibt es überall, Menschen auch, die dem entfliehen und andernorts genau da wieder ankommen. Von einer Unfreiheit in die andere, sie tanzen, rempeln, springen und stürzen, sie singen, beten, pflegen Neurosen und Ticks und machen Scherze übers eigene Unglück. Wie Hasen in der Grube agieren die Tänzerinnen und Tänzer zwischen drei bespielbar gemachten Betonblöcken unter Himmels- und Landschaftsprojektionen, unter flimmernden Videos von weltweiten Umschlagplätzen für Menschenmaterial und preisen dabei die Besonderheiten der Airports. Gezeigt werden soll die Ironie des Schicksals, wie sich Ausgegrenzte selbst ein- und abgrenzen, wie sie die äußere Internierung zur inneren machen. Leider macht Constanza Macras auch immer wieder die Klischeekiste weit auf, feuert blindwütig Schüsse in viele Richtungen, scherzt mit Holocaust und Ostalgie, Neurosen, Kindersex mit Teddybär, Oralverkehr, Stuhlgang, Waschzwang und falscher Partnerwahl bei Massenorgien. Hier wird dick aufgetragen, aufgeblasen wie das Gummischiff der Träume zwischen Plattenbau und pubertärem Beat. Die Luft ist raus, der Kunststofftraum ist platt, wird eingerollt und für den nächsten Abend weggeräumt. Da geht das Stück noch weiter, immer weiter, eben 105 Minuten lang.

Zu später Stunde dann, nach Wasser, Wein, Häppchen und vielen Hallos bei guter Festivalstimmung, im Nancy-Spero-Saal "Abdrücke" von Anna Konjetzky. Zwanzig Minuten, die einen starken Eindruck hinterlassen. Eine Frau im verspiegelten Glaskasten, ausgestellt und bloßgestellt, wir stehen davor, sie sieht uns nicht, wir sehen sie, wir hören ihren Atem, jedes Geräusch. Mal schwarz auf weiß, mal weiß auf schwarz, die Frau versucht, ihr Abbild festzuhalten, zunächst noch recht getreu dem Spiegelbild, verengt sich ihre Selbstwahrnehmung immer mehr auf Abstraktionen, Kritzeleien, Zufälle. Schließlich sind die Blätter leer. Durch kleine Schlitze schmuggelt sie die Botschaften ihres Verlöschens in die Außenwelt, bald kann man sie nicht mehr sehen, ihr Atem hat die Scheiben blind gemacht. Die Frau im Glashaus hat nicht mit dem Stein nach uns geworfen.

10. Tanzplattform Deutschland

www.hellerau.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2012

Boris Michael Gruhl

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