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Dialog mit Tod und Stein

Makolies-Ausstellung Dialog mit Tod und Stein

„Memento Mori.“ Denk an den Tod. Die unterschiedlich großen Schädel-Skulpturen von Peter Makolies konfrontieren uns unverblümt mit dem Tod: Ohne Rosen, Tulpen, Nelken, ohne Lilien und Efeu; sie bleiben auch nicht halb im Verborgenen, sondern sind einzeln auf Sockel gestellt und behandelt.

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Peter Makolies, Schädel, Feldstein.

Quelle: Galerie Hieronymus

Dresden. In der Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister hängt ein Gemälde von Jan Davidsz de Heem, „Memento mori. Ein Totenkopf neben einem Blumenstrauß“. Gemalt bald nach der Mitte des 17. Jahrhunderts. Prachtvolle Blumen, einige von Insekten benagt und dem Verblühen nahe, in gläserner Vase auf einem Tisch aus Stein; und rechts am Rand des Bildes liegt auf diesem Tisch das glänzende Gehäuse einer großen, exotischen Meeresschnecke. Dahinter, und von diesem Gehäuse fast ganz verdeckt, bemerken wir erst bei genauerem Hinsehen einen ins Profil gedrehten, von Efeu umrankten Toten-Schädel.

Schneckengehäuse und Schädel liegen auf einem gemalten, knittrigen Blatt Papier mit der Signatur des Künstlers und den Worten: „Memento Mori.“ Denk an den Tod. Ein Vanitas-Stillleben also, wie sie im Barock häufig waren. Hinweis auf Vergeblichkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen: Denk an den Tod, auch in der Blüte des Lebens.

Die unterschiedlich großen Schädel-Skulpturen von Peter Makolies konfrontieren uns unverblümt mit dem Tod: Ohne Rosen, Tulpen, Nelken, ohne Lilien und Efeu; sie bleiben auch nicht halb im Verborgenen, sondern sind einzeln auf Sockel gestellt und behandelt, wie sonst Bildnis-Köpfe. Man erwartet Leben und begegnet dem Tod.

Würde man Steine wie diese in einem prähistorischen Gräberfeld finden, man könnte sie für Kultbilder halten aus fernster Vergangenheit – und aus erdgeschichtlicher Vergangenheit kommen sie ja auch her, die meisten dieser Steine, denen der Bildhauer die Form von Schädeln gegeben hat.

Begonnen hat Peter Makolies vor weit mehr als zehn Jahren, Feldsteine zu bearbeiten. Entstanden sind anfangs Köpfe. Manche wirken, als wären sie aus romanischer Zeit: König David, Schmerzensmann, Prophet und Jünger. Ein monumentales, beeindruckendes Zeugnis für seine Art, Steinen Kopfgestalt zu geben, ist jetzt im Garten vor dem Dresdner Stadtmuseum platziert, in der Wilsdruffer Straße: Der Kopf wächst gleichsam aus dem Boden heraus, so, als käme er ans Licht aus einer früheren Zeitschicht, die bisher verschüttet war.

Aber jetzt und hier sind es Totenköpfe. Die meisten, wenn auch nicht alle, entstanden aus solchen Feld- und Fundsteinen. Man kann sie befremdlich finden, heute. In vergangenen Epochen jedoch ist man mit der Endlichkeit des individuellen Lebens direkter umgegangen, weniger befangen. Denn: Könnte man sich in unseren Tagen ein Auftragsbildnis vorstellen, das auf der Rückseite einen Toten-Schädel zeigt, gleichsam als Erinnerung an die Verweslichkeit des Irdischen, an die unvermeidliche Zukunft alles Lebendigen?

Solche Bildnisse gab es durchaus: Jan Gossaert, genannt Mabuse, hat schon 1517 einen Toten-Schädel auf die Rückseite eines Porträts gemalt – dazu einen Zettel mit lateinischem Text, hier übersetzt: „Wer immer die Nähe des Todes bedenkt, verachtet leicht alles.“ Das Bildnis-Dyptichon hängt im Louvre. Der Text stammt übrigens aus einer Schrift des heiligen Hieronymus, des großen Kirchenlehrers, der in den Jahren 374–379 als Einsiedler in der Wüste Chalkis gelebt hat und zu dessen Attributen in der Kunst neben einem Kardinalshut und einem Löwen auch ein Kruzifix und ein Toten-Schädel gehören. Daran sei in der Galerie Hieronymus besonders erinnert.

Die Arbeiten, die Peter Makolies hier ausstellt, sind beinahe alle auf der Insel Usedom entstanden, in Warthe oder in Liepe, wo der Bildhauer in den Sommermonaten oft wochenlang lebt und arbeitet. Makolies kommt bei seinen Arbeiten wirklich vom Material her. Der 1936 in Königsberg in Ostpreußen Geborene hat in den Jahren 1953 bis 1956 in Dresden im Lehrbauhof Zwinger seine Ausbildung zum Steinbildhauer gemacht, hat in dieser Zeit an der Volkshochschule Zeichenkurse besucht – gemeinsam mit seinen Malerfreunden Ralf Winkler (A.R. Penck) und Peter Herrmann; und ihr Lehrer war Jürgen Böttcher (der sich als Künstler Strawalde nennt).

Von 1961 an war Peter Makolies in Dresden freiberuflich als Bildhauer tätig, auch für die Denkmalpflege. Schon 1961 und 1962 konnte er in Berlin ausstellen, an der Akademie der Künste. Schnell hat er sich einen Namen gemacht: Jeder Dresdner kennt beispielsweise die Eck-Masken am Funktionsgebäude der Semperoper, die 1984 nach ihrem Wiederaufbau eröffnet werden konnte. In den achtziger Jahren konnte er mehrfach in den Marmor-Steinbrüchen von Carrara arbeiten, und er hat auf der Biennale in Venedig ausgestellt.

Auf eines soll noch besonders hingewiesen werden: Im bisherigen Werk von Peter Makolies hat das Weibliche eine dominierende Rolle gespielt. Busen türmt sich auf Busen bei manchen von diesen mondänen, ja selbst monumentalen Marmor-Werken, die zwischen preziöser Geziertheit und antik-orientalischen Fruchtbarkeitskulten zu vermitteln scheinen. Es ist, als wäre diese Faszination des Weiblichen ganz vergessen; die Feldsteine, auch die zu Schädeln geformten, fordern anderes.

Die Eiszeit hat Steine zu uns herüber geschoben aus Skandinavien. Die sind, durch ihre weite Reise mit den Gletschern, rundlich und glatt poliert. Peter Makolies befragt sie, diese Steine, nach ihren skulpturalen Möglichkeiten; Augenblick und Ewigkeit begegnen sich, Gegenwart und fernste Vergangenheit.

bis 16. Oktober, Galerie Hieronymus, Friedrich-Wieck-Straße 11, geöffnet  Mi/Fr 13–18, Do 14–19, Sa 11–14 Uhr, Tel.: 0351/ 26 78 756

www.galerie-hieronymus.de

Harald Marx

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