Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Deutscher,Schwab’ und Jude: Vor 200 Jahren wurde Berthold Auerbach geboren

Deutscher,Schwab’ und Jude: Vor 200 Jahren wurde Berthold Auerbach geboren

Februar 1812 in Nordstetten bei Korb am Neckar geborene Moses Baruch Auerbacher als Berthold Auerbach und durch seine "Schwarzwälder Dorfgeschichten", die eine neue literarische Gattung hoffähig machten und auch Tolstoi beeindruckten und beeinflussten.

Voriger Artikel
Sixtinische Madonna aus Dresdens Gemäldegalerie ziert Briefmarke
Nächster Artikel
"Europa fehlt derzeit eine Vision": Der Dirigent und Pianist Kristjan Järvi im Interview

Berthold Auerbach

Bekannt wurde der am 28. Dank der Dorfgeschichten wurde Auerbach zu einem der populärsten Schriftsteller seiner Zeit. Nach deren Erscheinen schrieb der ehemalige Radikal-liberale Burschenschaftler, Häftling auf dem Hohenasperg und Spinoza-Übersetzer, der sich für liberale Ideen und die Emanzipation der Juden einsetzte, an Ferdinand Freiligrath: "Ich bin ein Deutscher, und was anderes könnte ich nicht sein, ich bin ein Schwab', und anderes möchte ich nicht sein, ich bin ein Jude, und das hat die richtige Mischung gegeben." Im Deutschland des ausgehenden 19. Jahrhunderts sahen das nicht alle so und angesichts der antisemitischen Tendenzen konstatierte Ludwig Anzengruber das "geradezu tragische" Geschick Auerbachs: "der Mann fühlt sich einen Deutschen, zählt sich zu den Schriftstellern, die im deutschen Schrifttum etwas geleistet, genoß auch die Anerkennung nach beiden Richtungen hin, dezenienlang. Plötzlich vor seinem Ende bekommt er zu hören, daß er eigentlich denn doch gar nichts anderes sei, als ein deutschschreibender - Jude, ein Fremder". Und auch Auerbach selbst resignierte am Ende seines Lebens: "Es ist eine schwere Aufgabe, ein Deutscher und ein deutscher Schriftsteller zu sein, und noch dazu ein Jude".

Gelebt hat Auerbach, der am 8. Februar 1882 in Cannes starb, in Weimar, Leipzig, Berlin, Breslau, Wien und viele Jahre auch in Dresden. Bereits 1845 und 1846 kam er zu Kurzbesuchen in die Stadt, schloss Freundschaft mit dem Bildhauer Ernst Rietschel und dem Dichter Robert Reinick und wohnte schließlich ab 1849 zehn Jahre hier. Zunächst logierte er in der Halben Gasse, später an der Bürgerwiese, in der Lüttichaustraße und zuletzt im Haus Struvegasse 9. Die Dresdner Jahre waren produktiv, hier gab er Dramen wie "Andreas Hofer" und "Der Wahlspruch" heraus, entstanden Novellen und Erzählungen wie "Lenaus letzter Sommer", "Barfüssle", "Neues Leben" und Teile der "Schwarzwälder Dorfgeschichten". Auerbach wurde Mitglied der Künstler- und Literatenvereinigung "Dresdner Montagsgesellschaft", stand der neu gegründeten Schillerstiftung nahe, las "seiner schwäbischen Heimat entsprechend meist rustikal gekleidet" aus den Dorfgeschichten und war unter anderen mit Otto Ludwig, Fanny Lewald und dem Shakespeare-Übersetzer Graf Baudissin befreundet.

Folgenreich war auch der Besuch eines Mannes, dessen literarischen Ruhm Auerbach mit positiven Besprechungen erheblich beförderte. Am 3. 6. 1856 bedankte sich der Schweizer Erzähler Gottfried Keller für seine freundliche Aufnahme in Dresden. Auerbach druckte 1860 in seinem in Leipzig herausgegebenen "Deutschen Volkskalender" erstmals Kellers Novelle "Das Fähnlein der sieben Aufrechten", zu der er den Autor angeregt hatte und auch selbst den Titel fand. In dieser Zeit verbrachte Auerbach den ganzen Sommer in Schandau bei Dresden. "Ich bade jetzt täglich in der Elbe", heißt es in einem Brief an Keller vom Juni 1860, "ich gehe manchmal ungern ins Wasser, aber wenn ich heraus komme, bin ich erfrischt und möchte jodeln wie vor dreißig und mehr Jahren". Wenige Monate später beabsichtigte Tolstoi Auerbach in Dresden zu treffen, doch da hatte der die Stadt schon Richtung Berlin verlassen.

Jens Wonneberger

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.02.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr