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Deutsche Erstaufführung beim "China from inside"-Finale in Hellerau

Deutsche Erstaufführung beim "China from inside"-Finale in Hellerau

Es ist schon bemerkenswert, wie in Hellerau, vereint mit etlichen Partnern, ein Festival auf die Beine gestellt wurde, das sich für reichlich eine Woche dem fernen Land China mit bemerkenswerten Aufführungen und Begegnungen widmete.

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Das TAO Dance Theatre aus der chinesischen Hauptstadt sorgte für einen beeindruckenden Festivalabschluss in Hellerau.

Quelle: PR

Zum Abschluss gastierte am Wochenende das TAO Dance Theatre aus Beijing, und allein schon die spannungsvolle Stille im bestens besetzten Großen Saal vom Festspielhaus war ein beredtes Zeichen für die Besonderheit der Vorstellung. Ganz und gar im Sinne des Festival-Gedankens: "China from inside".

Das 2008 von Tao Ye gegründete TAO Dance Theatre hat sich dabei in keiner Weise mit leicht verdaulicher Theaterkost vorgestellt. Der Einblick in die 2009 uraufgeführte Choreografie "Weight X 3", mit dem das Ensemble auch schon in Europa zu Gast war, scheint im Bewegungsduktus vielleicht weniger ungewöhnlich. Aber dennoch überrascht es, wie in der choreografischen Entsprechung zum musikalischen Minimalismus von Steve Reich sowohl ein spielerisch-leichtes Duett in zauberhafter Zweisamkeit wie auch ein geheimnisvoll-stetig bewegtes Stocksolo zu erleben ist. Reduziert auf nur wenige Wandlungen, aber mit einer nuanciert-intensiven Körpersprache.

Der Tänzer und Choreograf ist ein Meister der Balance und Raumkomposition. Er strukturiert, komponiert, und man spürt gleichsam den Atem seiner Arbeiten. In "2" - Tao Ye hält sich bewusst zurück, wenn es um Titel und Stückbeschreibungen geht - wird das Publikum zur spröden Klangwelt von Xiao He mit einer raffiniert und zugleich fast entspannt wirkenden Choreografie konfrontiert, die 2011 beim Singapore Arts Festival uraufgeführt wurde und nun als Deutsche Erstaufführung nach Hellerau kam. Dieses Duett, getanzt von Tao Ye und Duan Ni, ist voller Rätsel, sodass man permanent zu entdecken sucht, wohin das Nicht-Geschehen wohl führen mag. Aber es führt nicht irgendwohin. Und die beiden Tänzer verändern auch kaum ihr Bewegungsvokabular, das wie in Versatzstücken immer wieder in die Abläufe eingewoben ist. Was sich verändert, sind zuweilen die Impulse, die Energien - Körper wie von einer sachten Woge gehoben und zur Ruhe gebettet, entspannte Seitenlage, Durchatmen, eine ewige Zeit-Raum-Konstellation mit bewegten Geschöpfen.

Nach dieser enorm eindringlichen Aufführung war Entspannung durchaus angebracht, und Dai Chen Lian (Beijing/Hangzhou) sorgte dafür mit seiner halbstündigen, verrückten Performance "Recipe No. 1". Für den einen vielleicht mehr, für den anderen weniger, aber es werden wohl nie alle Spaß an der gleiche Sache haben. Der Maler, Konzeptkünstler und Performer hat sich im Dalcroze-Saal ein Laboratorium mit ratternder Maschine, elektrischen Wasserkesseln, Smoke Maker, Filmprojektionen, krachenden und knarrenden Türen sowie dergleichen mehr geschaffen - und er durchjagt dieses Reich wie ein Besessener.

Wenn er dabei bedeutungsschwer seine Lichtanlage vorstellt, den Raum so vernebelt, dass keiner mehr zu sehen ist, oder geduckt durch die Film-Schattenmord-Szenerie mit einem Wasserkocher schleicht, kann das schon witzig sein. Aber nach der geplanten halben Stunde hat sich das Ganze auch erschöpft. Wer dann beim Beifall nicht gleich abgehauen ist, dürfte in die gefährliche Situation gekommen sei, dass die "Schleife" wieder zum Laufen gebracht wird.

Jene, die es an diesem letzten Abend des Festivals zudem noch schafften, im extra eingerichteten Kinosaal den erst 2012 fertiggestellten Porträtfilm "NEVER SORRY" von Alison Klayman zu sehen, werden das ganz sicher nicht bereut haben. Der jungen amerikanischen Regisseurin ist es gelungen, fernab von Schlagzeilen-Kenntnissen über Ai Weiwei unverblümt und mit Kontinuität ein Bild seiner Persönlichkeit, seines Wirkens und Daseins ganz aus der Nähe zu zeichnen. Und das musste - egal, mit welchen Erwartungen man zur Vorstellung gekommen ist - garantiert für jeden eine Entdeckung sein. Weil der Film (91 Minuten) erkennen lässt, warum Ai Weiwei das tut, was er tun will und muss. Und was ihn dazu treibt. Er selbst bezeichnet sich als einen Schachspieler, der auf die Züge des Gegners reagiere. Das erinnert an den Bildhauer Alfred Hrdlichka, der einst sagte, er provoziere nicht, er reagiere nur auf Provokationen. Wenn man den Film gesehen hat, weiß man, was Ai Weiwei mit seiner Äußerung meinte. Gabriele Gorgas

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.12.2012

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