Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 2 ° wolkig

Navigation:
Google+
Derwisch-Tanzmeditation und viel Musik beim fünften Dresdner Totentanz-Festival

Derwisch-Tanzmeditation und viel Musik beim fünften Dresdner Totentanz-Festival

"Wer Gott kennt, sieht Ihn in allen Dingen. / Wer in Ihm entwird, verschwindet von allen Dingen, / Und wer Ihn liebt, zieht Ihm nichts anderes vor.

" Dieser prägnante Spruch des ägyptischen Mystikers Ibn Ata'ullah, dessen Verse im Mittelalter zwischen Indien und Spanien weit bekannt waren, dürften auch den Sufi-Mystikern im Islam geläufig gewesen sein. Besonders bekannt sind die tanzenden Derwische des Sufi-Ordens, die sich in einen regelrechten Rausch drehen, um ihrem Gott näher zu kommen.

1207 wurde in Balkh der Mevlana Celaleddin Rumi geboren, der die zentralen Grundsätze des Sufismus formulierte und dessen Dichtkunst bis heute im persisch-arabischen Raum hoch geschätzt wird. Rumi entdeckte laut Überlieferung den Meditationstanz, als er spielenden Kindern zuschaute. Eine Hand ist zum Himmel hin geöffnet, die andere zur Erde. Dabei dreht man sich selbstvergessen wie verloren um sich selbst, alles zieht am Auge vorbei. Begleitet von einer Trommel, beschleunigt sich der Rhythmus wie von selbst. Das Herz als Zentrum der Liebe wird geweckt, Liebe zur Welt und zum eigenen Dasein. Aber auch zu Allah, denn wie heißt es in der geistlichen Hymne von Yunus Emre doch so schön: "Der Derwisch, geführt von Mohammed, Ali Hasan und Hüseyn, möge das vollkommene Licht der Gottesliebe in sich entzünden und des Herren immer eingedenk sein."

Ein solcher Derwisch-Tanz ist auch am 2. März in der Dreikönigskirche zum Auftakt des fünften Totentanzfestival zu betrachten, das einmal mehr Thomas Friedlaender in Zusammenarbeit mit dem Kunstdienst der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens auf die Beine gestellt hat. Im Fokus nicht zuletzt die Dresdner Totentanz-Darstellung, ein Sandsteinrelief von 1534, das einen Zug von 27 Figuren zeigt, die dem Tod folgen, der ein Stundenglas in der Hand hält und die Schalmei bläst (darunter auch der Auftraggeber, Herzog Georg von Sachsen). Der Dresdner Totentanz gehört zum Typ der so genannten monologischen Kettenreigen, das heißt, er zeigt keinen paarweisen Dialog zwischen den Toten und soeben Sterbenden, sondern eine Kette von Vertretern der menschlichen Gesellschaft. Diese Form der Darstellung ist äußerst selten. Bis etwa 1700 schmückte das Relief das Georgentor des Schlosses, seit 1991 befindet es sich in der Dreikönigskirche.

Talip Elmasulu aus der Türkei wird bei seinem Tanz Blick auf das Relief haben. Das Merasim Percussion Trio steuert die Musik bei. Merasim (dt.: Feier, Zeremonie, Ritus) ist das neue Percussions-Projekt des Deutsch-Türken Murat Coskun. Ihm gehören zudem die virtuosen Meister-Trommler aus Isfahan, Mohsen Taherzadeh und Maryam Hatef, an.

Am 9. März stehen unter dem Titel "Schönheit dieser Welt vergehet" Musik und Texte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges im Blickpunkt. Hanns-Jörn Weber liest, das aus Maria Skiba (Sopran), Thomas Friedlaender (Zink), Ulrike Titze (Violine) und Jan Katzschke (Cembalo) bestehende Ensemble Corona harmonica spielt auf.

Am 16. März heißt es "Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude", wenn der Schriftsteller Christian Lehnert aus Wittenberg und Friedlaender zu einem musikalisch-lyrischen Abend einladen. Eigens für das Totentanzprojekt entwickelt Lehnert Gedichte, die mit improvisierter zeitgenössischer Musik Friedlaenders verschmilzt.

"Mit dem Tod tanzen!" lautet das Motto des Gottesdienstes mit Pfarrerin Margrit Klatte am 18. März. Am Abend bringt der Dresdner Motettenchor u.a. Hugo Distlers "Totentanz" zu Gehör, eine Komposition, die einer Bearbeitung Distlers des mittelalterlichen Textes des Lübecker Totentanzes von 1463 entstammt, ergänzt um Spruchverse aus dem "Cherubinischen Wandersmann" von Angelus Silesius. Außerdem arbeitete Distler zwischen 1934 und 1941 an dem Projekt einer "Geistlichen Chormusik", op. 12.

Der "hohe Anspruch" wird laut Ankündigung "schon im Titel deutlich", denn er beziehe sich auf die bedeutendste Motettensammlung vor Bach, nämlich die "Geistliche Chormusik 1648" von Heinrich Schütz. Darunter befindet sich als Nr. 2 der für den letzten Tag des Kirchenjahres bestimmte "Totentanz". Katja Erfurth wird tanzen - und dem Prinzip des Reigens folgen. Zudem liest Thomas Stecher Sprüche von Angelus Silesius (1624-1677) aus dem "Cherubinischen Wandersmann" und Dialogtexte von Johannes Klöcking nach dem Lübecker Totentanz.

Ergänzend sind bis 15. April im Foyer und im Kirchenraum Gemälde, Fotos und Videoinstallationen von Wolfgang H. Scholz (Deutschland/Mexiko) zu sehen. Die Schau mit dem Titel "Labyrinth des Lebens" wird am 1. März, 20 Uhr eröffnet. Christian Ruf

Karten gibt es im Vorverkauf unter Tel. 0351/8627390, in der DNN-Geschäftsstelle und an der Abendkasse.

www.dresdner-totentanz.de

1. März bis 15. April: Ausstellung "Das Labyrinth des Lebens - Malerei, Fotografie, Installation", Eröffnung am 1. März, 20 Uhr

Freitag, 2. März, 20 Uhr: "Der Tanz der Derwische", Tanzmeditation der Sufis

Freitag, 9. März, 20 Uhr: "Schönheit dieser Welt vergehet", Musik und Texte aus der Zeit des Dreißigjährigen Krie-ges

Freitag, 16. März, 20 Uhr: "Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude", Lyrik und Musik

Sonntag, 18. März, 10 Uhr: "Mit dem Tod tanzen!", Gottesdienst mit Pfarrerin Margrit Klatte

Sonntag, 18. März, 20 Uhr: Hugo Distler: "Totentanz", Leonard Lechner: "Deutsche Sprüche vom Leben und Tod", Chormusik, Tanz, Lesung

Veranstaltungsort: Dreikönigskirche

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr