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Derevo im Dreiklang zum Jahresende: Uraufführung, Solo-Premiere und Wiederaufnahme in Hellerau

Derevo im Dreiklang zum Jahresende: Uraufführung, Solo-Premiere und Wiederaufnahme in Hellerau

Das Tanztheater Derevo gehört jetzt seit bald zwanzig Jahren fest zu Dresden. Fast ein Jahrzehnt davon sind die Mimen aus St. Petersburg am Festspielhaus Hellerau ansässig.

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Anton Adassinsky in seinem Element als anspielungsreiche Bühnenfigur zwischen Clown, Tänzer und Pantomime.

Quelle: Natalya Krymskaya

Dort steht in den bevorstehenden Wochen bis zum Jahresende zum nun schon siebenten Mal ein wahrer Derevo-Reigen bevor.

Gestern haben Anton Adassinsky und einige seiner Mitstreiter erste Einblicke in die bald schon komplett zu sehenden Projekte gegeben. "Die fünfte Sonne" heißt eine Uraufführung, die am 20. Dezember herauskommen soll. Und weil niemand so recht an die Fehlinterpretation des Maya-Kalendariums glauben will, sind für die Folgetage am 21. und 22. Dezember auch schon weitere Vorstellungen angesetzt.

Für den Theatermacher, der erst in diesem Jahr stolzen Vater von Zwillingen geworden ist, steht die Zeit ohnehin niemals still. Er hat jetzt schon versprochen, sobald die beiden Knaben laufen können, würden sie auf der Bühne zu sehen sein. Von Weltuntergangsstimmung kann also keine Rede sein. Doch Adassinsky ist sich bewusst, dass derlei Legenden schon immer auf großes Interesse und leidenschaftliche Diskussionen gestoßen sind. Da lag es auf der Hand, den Maya-Codex in der ganz eigenen Derevo-Handschrift zu interpretieren. Sein Ansatz ist jedoch nicht das Ende der Welt, sondern der Beginn von etwas Neuem. "Die fünfte Sonne" wird als assoziationsreiches Stück darauf blicken, was nach dem vermeintlichen Weltuntergang stattfinden wird. Die Sonne ist weg. Was tun?

Bei der allerersten Probe auf der großen Bühne des Festspielhauses fällt auf, dass die (Theater-)Welt in Schwarz und Weiß geteilt ist. Da mag man an die Bilder von Kasimir Malewitsch denken oder an die düster gestimmten Filme von Andrei Tarkowski. Aber dann fällt ein Stück knalliges Rot auf, mitten im Gesicht des fast nackten Adassinsky eine gewaltige Nase. Ist er wieder Clown?

Dasselbe Rot auch in dicken und dünnen Seilen, mit denen die karge Szene belebt wird. Steht dieses Rot nicht für Leben, für Liebe? Bei Anton Adassinsky steht es für Sonne, für Licht. Und Clownerie, sagt dieser Meister des Anspielungsreichtums, Clownerie könne ja auch sehr böse sein. Dennoch verspricht er, dass alles gut endet.

Das Opfer, das dafür gebracht werden muss, wird von Pavel Semtchenko verkörpert, einem Maler, der den Bühnenraum schuf und darin auch mitwirken soll. Für andere Spielideen - eine mit sich selbst beschäftigte Papierfigur, die momentan an einen Schneemann erinnern könnte - sei durchaus noch Entwicklungsspielraum bis zur Premiere. Verändern werden sich bis dahin auch das Umfeld und die Foyers des Hauses. Dort sind Ausstellungen sowie eine Installation "Inseln der Erinnerung" geplant. Das Publikum wird sich auf ein überraschendes Gesamtkunstwerk freuen dürfen. Und auf die Musik von Nikolai Gusev, der gemeinsam mit dem Dresdner Elektronik-Klangkünstler Jacob Korn für die akustische Atmosphäre sorgen wird.

Noch bevor es ins zwanzigste Dresden-Jahr von Derevo geht, wird deren künstlerischer Leiter Anton Adassinsky am 28. Dezember einen dreiteiligen Soloabend namens "Sake, Mond und Pferd" präsentieren. Diese Performance beinhalte "unwiederholbare Improvisationen - weil ich sie nicht exakt wiederholen kann", so der Akteur. Ob Sake nur die Wahrnehmung des Mondes beeinflusst oder den Mond tatsächlich verändert?

Als Wiederaufnahme schließlich hat Derevo die beim Publikum beliebte und inzwischen auch preisgekrönte Produktion "Harlekin" für den 29. und 30. Dezember angekündigt, einem Maskenspiel mit mindestens doppeltem Boden.

Mit diesem darstellerisch sehr unterschiedlichen Dreiklang dürfte eins der erfolgreichsten Jahre für das Tanztheater Derevo zu Ende gehen. Nicht zuletzt für Anton Adassinsky als Filmhelden. Aktuell wusste er von mehreren Nominierungen des Anfang 2012 herausgekommenen "Faust"-Films von Alexander Sokurow zu berichten. Unter anderen sei er für seinen diabolischen Wucherer in Russland als bester Darsteller im Gespräch. Am 20. Dezember weiß man mehr, dann werden die Preise vergeben.

Doch es gibt auch 2013 noch wei- tere Gründe, den Weltuntergang ein wenig hinauszuschieben. "La divina commedia" wird wieder gezeigt und geht auf internationale Tournee, das 1988 in Leningrad gegründete Bäumchen (russ. Derevo) ist längst zu einem starken Baum ausgewachsen und treibt ganz gewiss weitere Blüten.

Michael Ernst

www.derevo.org

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.12.2012

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