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Der vorzügliche Pianist Lambert spielt am Freitag in der Scheune ein Solokonzert

Vom Glauben an die Nacht Der vorzügliche Pianist Lambert spielt am Freitag in der Scheune ein Solokonzert

Weshalb bevorzugt jüngere Musiker gern mal Masken aufsetzen? Nein, nicht, weil deren Eltern und Großeltern zu viel Kiss gehört hätten! Sie setzen - mutmaßlich - diese Masken auf, weil sie wissen, dass man mit ihnen erste Absätze von Artikeln in Zeitungen füllt. Wir machen da nicht mit...

Dresden. Weshalb bevorzugt jüngere Musiker gern mal Masken aufsetzen? Nein, nicht, weil deren Eltern und Großeltern zu viel Kiss gehört hätten! Sie setzen - mutmaßlich - diese Masken auf, weil sie wissen, dass man mit ihnen erste Absätze von Artikeln in Zeitungen füllt. Wir machen da nicht mit...

Lambert also. Zeigt sein Gesicht öffentlich auch nicht. Nach Panda, Fuchs und Totenschädel sitzt nunmehr eine Mensch gewordene Antilope im Saal. Und es ist wunderbar. Gibt man sich diesem Frühdreißiger aus Berlin (einst Hamburg) hin, sieht man mehr und mehr weg von der Bühne - an die Wand, die Decke, auf die eigenen Füße oder in sich hinein. Die Kopfverdeckung verkommt zum reinen Requisit. Denn Lamberts gleichsam reine Klaviermusik ist elegant, schlüssig, intim und wunderschön. Sie ist zart, facettenreich und emotional, lässt einsacken und fliegen.

21 Mal klappte das schon auf Lamberts selbst betitelter Debüt-CD von 2014, die ein gewisser Nils Frahm produzierte, wobei einige Forsche(r) gar ihn, aufgrund künstlerischer Parallelen, hinter Lambert vermuteten. Kann aber nicht sein, denn zu Interviews kommt der echte Lambert ohne seine angelegte sardische Maske. Und verteidigt sie dabei zumeist, setzt gar an zur völlig berechtigten Medienkritik, wonach es viel zu oft um Gesichter statt um Persönlichkeiten gehe. Er will Distanz zum Interpreten und damit mehr Nähe zur Musik für den Zuhörer.

Vor konsequent eigenen Stücken und weit nach dem Entdecken des urgroßmütterlichen Klaviers war Lambert passionierter Re-Worker. Wobei er Wert darauf legt, weder von Neo-Klassikern oder der Jazzpolizei vereinnahmt zu werden. Lambert also bearbeitete keine Hits, sondern schlicht Material einheimischer Künstler wie Bonaparte, Moderat, Me And My Drummer, Die Höchste Eisenbahn, Beatsteaks, Boy, Tocotronic, Ja, Panik oder der irischen Band Rue Royale. Parallel dazu erschienen berauschende Videos mit ihm, spielend auf Moos, Stein, Gebüsch, Holz, Schnee.

"Stay In The Dark" (Staatsakt) ist seine aktuelle Platte vom Vorjahr betitelt. Zwölf Stücke sind darauf enthalten, die, obwohl es in den "Niederungen" fülliger wird, weiterhin Miniaturen gleichen. Glaubt man Lamberts Worten - warum sollte man es nicht tun? - sind sie komplett bei Nacht entstanden. Man braucht auch gute Augen, um dem rabenschwarzen Cover so etwas wie Schrift zu entlocken. Im Innern der CD/LP findet sich dann das Rilke-Gedicht "Du Dunkelheit, aus der ich stamme" mit der immer aufs Neue berührenden Zeile "Ich glaube an Nächte". Neben dem zurückhaltend präparierten Klavier und einigen rückwärts laufenden Tönen sind jetzt behutsame Synthis zu hören. Sie stammen von Lambert selbst. Celli, Klarinette, Kornett, Trompeten kommen von anderen Musikern, so dass sich der Wunsch meldet, Lambert in eben dieser Besetzung im Konzert zu hören. Später vielleicht. Nun kehrt er zunächst solo nach seinem letztjährigen Auftritt beim Sound-Of-Bronkow-Festival wieder und schert so richtig ein in die "Familie", die schon zu Besuch war in dieser Stadt: Nils Frahm, Peter Broderick, Hauschka, Martin Kohlstedt, Federico Albanese, Ólafur Arnalds, Carlos Cipa. Oder gleich ein verwandter Dresdner wie Wolfgang Torkler.

Der große Italiener Ludovico Einaudi, der es noch nicht nach Dresden geschafft hat, dafür regelmäßig in Leipzig spielt und dessen ausverkaufter Auftritt am 26. Februar dort in der Messehalle stattfinden muss, dürfte für Lambert ein Objekt der Referenzbegierde sein. Wohl auch im Ansinnen, wie Einaudi künstlerisch flexibel zu arbeiten. So ist es kein Wunder, dass er für den federnden 2015er "Problem"-Film "Hedi Schneider steckt fest" von Sonja Heiss einen adäquaten Soundtrack geschrieben und eingespielt hat, der sehr präzise die Stimmung des Leinwandstoffs aufnimmt: Leicht, nie lapidar. Kitschig sowieso nicht!

Lambert, Freitag, 20 Uhr, Scheune

Andreas Körner

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