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Der steinige Weg zum neuen Image - Thomas Godoj im Dresdner Beatpol

Der steinige Weg zum neuen Image - Thomas Godoj im Dresdner Beatpol

Wer war das doch gleich, der da mit seiner Band um Aufmerksamkeit buhlt? Thomas Godoj, den Namen jedenfalls haben all diejenigen schon mal gehört, die sich für die Superstars interessieren, welche in schöner Regelmäßigkeit seit zehn Jahren von Dieter Bohlen gekürt werden.

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"So gewollt" nennt Thomas Godoj seine aktuelle Tour.

Quelle: Andreas Weihs

Nach Sängern der ersten Staffeln wie Alexander Klaws und Elli Erl war Thomas Godoj der Sieger der fünften Staffel. Doch bei der Frage, was aus den Helden der Shows geworden ist, müssen viele passen. Ein Umstand, der weniger damit begründet werden kann, dass nach den Powerauftritten die Luft schnell ausgeht, sondern vielmehr damit, dass allein mit Blick auf die Einschaltquoten ein Retortenbaby ins rechte Licht gesetzt wird. Noch bevor das Kind laufen lernen kann, entzieht die Amme ihm die Brust und setzt es aus. So verwundert es nicht, wenn die gefeierten Stars kaum noch einmal Aufmerksamkeit ernten.

Ein Schicksal, dem sich Thomas Godoj nicht beugen wollte und immer wieder ansetzte, eine freie Bühne zu erklimmen, unentwegt Musiker um sich scharrte, mit denen er lautstark nach Anerkennung schrie. Heute hat er seine dritte Platte im Handel und mit der einstigen Inszenierung kaum noch was am Hut. Godoj suchte sich kein neues Publikum, sondern reichte denen die Hand, die er einst über die Massenmedien ansprechen konnte, die aber bereit waren, einen anderen Sound zu akzeptieren, eine Musik, die mit dem Bohlen-Mainstream nichts mehr gemeinsam hat.

"So gewollt" nennt er seine aktuelle Tour, mietet sich in kleinen Clubs wie den Beatpol ein und sucht den direkten Kontakt. Mit den ersten Takten seiner progressiv in die Saiten greifenden Band bahnte sich der Mitdreißiger den Weg von hinten durch die Menge, gab freundlich die Hand und animierte zum lustvollen Schwingen der Hüften. "... nicht alles, was wir anfassen, wird zu Gold ..." singt er dazu, und wer seine Biografie nicht vergessen hat, erkennt schnell eine Doppeldeutigkeit. Godoj blieb nichts anderes übrig, wenn er im Musikgeschäft weiter überleben wollte, als zu zeigen: 'Hier, ich kann auch anders, ich bin nicht nur der, den man schon in Millionen Euro teuren Shows eben mal vorführen und instrumentalisieren kann, sondern ich schätze meine Fans, ich reiße mir den Arsch auf, nicht nur für exorbitante Gagen. Legt eure Vorurteile beiseite, ich unterhalte euch gern bis zur totalen Erschöpfung, und das kann richtig anstrengend sein'. Wer den Beatpol kennt, der weiß, dass es hier nicht nur heiß hergehen, sondern auch richtig heiß werden kann. In der Hitze der Scheinwerfer schwitzte sich Godoj durch sein Programm und versuchte sich in einem rockigen Flair zu präsentieren, die Menschen umzupolen vom reinen Konsumverständnis zum mitfiebernden Fan. Eine Rechnung, die zumindest hier gut aufging.

Mit "Mut zur Lücke" hat er wohl den Imagewechsel vollzogen, singt sich mit deutschen Texten in die Herzen der zumeist weiblichen Fans und achtet tunlichst darauf, nicht ausschließlich in Mädchentakte zu verfallen, nicht einzulullen, sondern versucht zu packen, lässt den Gitarren viel Platz. Es ist längst nicht mehr "Das selbe Leben", das er führt, aber er kann davon ein Lied singen, genauso wie er den "Schnee von gestern" nur abschütteln kann, wenn er alle Kräfte mobilisiert. Es ist so gut nachvollziehbar, wie dankbar ein Musiker ist, wenn er nach der gewinnbringenden Prostitution zurück ins Leben tritt und das machen darf, was er will, und von der Musik leben kann, "ein Leben lang".

Auch wenn Godoj die dicken Bretter, die er sich und seiner Band vorgelegt hat, noch nicht alle bohren kann, da er sicherlich noch viel suchen muss, gehören ihm zumindest einige Dächer der Stadt. Aber er baut ganz gute Häuser mit interessanten Texten und flexibler Musik. Wenn Thomas Godoj sich die Akustikgitarre vor den Bauch schnallt und feststellt: "es hat niemand gesagt, dass es leicht wird ...", dann hört ihm sein Publikum zu und macht auch den zweiten Schritt noch mit: " ... es hat niemand gesagt, was vielleicht wird...".

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.04.2012

Stephan Wiegand

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