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Der singende Sportler - Howard Carpendale tritt im Kulturpalast auf

Der singende Sportler - Howard Carpendale tritt im Kulturpalast auf

Superstar, Legende gar: Nein, diese Attribute weist Howard Carpendale weit von sich. Mag der leidenschaftliche Golfer auch zu den erfolgreichsten Sängern in Deutschland gehören und nach mehr als 40 Jahren im Musik-Geschäft noch immer die Säle füllen - von der selbstverliebten Überheblichkeit mancher Kollegen ist der 65-jährige gebürtige Südafrikaner weit entfernt.

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Howard Carpendale singt am Montag im Kulturpalast.

Quelle: Christian Barz

"Nimm meine Texte bitte nicht so ernst", meint der Entertainer nur augenzwinkernd mit Blick auf sein aktuelles Album "Das Alles bin ich" - vor seinem Konzert am 5. Dezember in Dresden hat Christoph Forsthoff mit Howard Carpendale gesprochen.

Frage: Ärgert Sie, dass im Zusammenhang mit Ihrem Namen bis heute das Attribut "Schlagersänger" fällt?

Carpendale: Das lese ich bei meinem Kollegen Udo Jürgens auch sehr oft - nein, es ärgert mich nicht mehr, denn es ist Unwissen. Was ist denn ein Schlager, wie definiert sich der?

Schlager haben viel mit einer vermeintlich "heilen Welt" zu tun - ein Begriff, der im Zusammenhang mit anderer Popmusik nicht verwendet wird.

Aber warum gilt das dann nicht für englischsprachige Musik? Was ein Elton John - den ich sehr schätze - oder ein Lionel Richie singen, ist zehnmal schnulziger als das, was ich singe! Man kann doch nicht sagen, ich verstehe die andere Sprache nicht, und also ist englischsprachige Musik Pop und nicht Schlager.

Wie würden Sie denn den Begriff Schlager definieren?

Schlagersänger klingen alle gleich - die phrasieren alle gleich, singen alle genau auf dem Beat, nämlich auf die Zählzeiten eins und drei, auf die 80 Prozent der Menschen klatschen. Und da fühle ich mich nicht angesprochen, denn ich achte darauf, dass jede Zeile anders klingt. Auch wenn das andere noch viel besser können als ich, schließlich bin ich kein Vollblutmusiker: Ich bin ein Sportler, der singen muss, um Geld zu verdienen (lacht).

Und das auch noch über das Renteneintrittsalter von 65 Jahren hinaus. War dieser Geburtstag für Sie eigentlich Anlass, einmal Rückschau auf Ihr Leben zu halten?

Ich hasse Rückblicke - in jeder Hinsicht! Die großen Erfolge, die ich hatte, sind schön, aber Geschichte. Für mich ist die nächste Platte die wichtigste, ich blicke nach vorn, mich interessiert nur, was kommt. Im Kopf bin ich noch ein 25- oder 30-Jähriger: Klar ist mein Körper älter, könnte auch ein bisschen schlanker sein und mehr Fitness vertragen - aber mein Kopf ist jung.

Was hält Sie jung?

Die Musikbranche wie auch meine Söhne halten mich jung und auch meine Frau: Wir lachen über bescheuerte Dinge, es gibt keine Routine - ich nenne sie meinen "girlfriend" und sie nennt mich ihren "boyfriend". Ich habe bis heute eine kindliche Seite in mir bewahrt - keine naive Seite - lache gern über mich selbst und bringe auch andere Menschen gern zum Lachen.

Sie sagen, Sie hassten Rückblicke, trotzdem hake ich noch einmal nach: Wie fällt der Rückblick auf Ihr privates Leben aus?

Ich habe einen großen Teil meines Lebens mit einem sehr kranken Menschen gelebt - ein Mensch, den ich unendlich liebe und der in eine Suchtkrankheit hineingerutscht ist.

Sie sprechen von der Alkoholsucht Ihrer Lebensgefährtin Donnice Pierce-

Ich habe in Hinsicht auf schwere Stunden in meinem Leben alles erlebt, wirklich alles - und ich bin da durch- gekommen und habe zu ihr gestanden, und so wie es im Moment aussieht, geht es ihr wieder besser. Das war der schwerste Kampf in meinem Leben - und doch möchte ich ihn nicht missen.

Gab es nie den Moment, wo Sie sich gefragt haben: Warum nehme ich das auf mich?

Nein - und ich bin sehr froh, dass ich das erlebt habe, auch wenn es mir natürlich lieber gewesen wäre, wir hätten es nicht erlebt. Aber der Sonnenuntergang ist für mich im Moment schöner, als ich es je gedacht hätte, denn wir haben etwas gemeinsam durchgestanden. Und ich habe diese Frau wieder mit ihrem Sohn vereint, was einer meiner größten Wünsche war: Dass er eine gesunde Mutter wiedersieht - und dagegen ist alles andere klein und nichtig.

Weiß man die Sonnenseiten des Lebens mehr zu schätzen, wenn man einmal die Schattenseiten kennengelernt hat?

Ich glaube nicht, dass es ein Leben gibt ohne eine Balance zwischen gut und schlecht. Ich habe mein Päckchen getragen, und es hat mich reifer, verständnisvoller und toleranter gemacht. Sicherlich vermag ich heute das andere mehr zu schätzen - andererseits: Nach einem sonnigen Tag schlafe ich genauso gut ein wie nach einem beschissenen Tag, weil ich weiß, morgen früh wache ich auf, und alles fängt wieder neu an.

Neu oder von vorn? Wenn Sie jetzt nach fünf Jahrzehnten auf der Bühne wieder auf Tournee gehen, fällt Ihnen da wirklich noch etwas Neues ein?

Carpendale: Meist gelingt das schon. Und wenn nicht, dann gibt es das gleiche Geschenk in einer neuen Verpackung (lacht). Vor jeder Tournee habe ich ein ganz klares Ziel - bei dieser Tour ist dies, ein intimes Gefühl zu schaffen, entsprechend kleiner und wärmer sind die Säle.

Aber gibt es in der Show wirklich noch Neues?

Ich werde etwa keine Witze mehr erzählen, was mir eh langsam auf den Keks geht, sondern Anekdoten. Geschichten, über die man schmunzeln kann - und für diese werde ich auch selbst ins Publikum gehen, um dieses intime Gefühl zu vermitteln. Und so werden die meisten sagen: Es war wieder ganz, ganz anders. Es ist die gleiche Kunst ist wie im Zirkus: Der Salto mortale ist immer der gleiche, aber man muss ihn anders verpacken.

Etwas wirklich Neues haben Sie hingegen auf anderem Gebiet gemacht - Sie haben erstmals gemeinsam mit Ihrem Sohn Wayne für das ARD-Familiendrama "Leben dein Leben" vor der Kamera gestanden-

Der Film ist ein Hammer geworden, gehört für mich in eine Reihe mit meinem "Abschiedskonzert" am 13. Dezember 2003, den schönsten Stunden meines Lebens überhaupt. Es hat sich gelohnt, dass wir zuvor viele Drehbücher abgelehnt haben: Denn diese Geschichte einer hasserfüllten Vater-Sohn-Beziehung, bei der sich die beiden im Laufe des Filmes annähern, empfinde ich als unendlich warm, ohne kitschig zu sein.

Hat diese gemeinsame Arbeit Ihre Beziehung vertieft?

Wayne und ich sind uns seit jeher sehr tief verbunden, in unserer ganzen Art. Wir führen Gespräche über alles Mögliche - und wenn wir uns ein halbes Jahr nicht gesehen haben, schließen wir unmittelbar wieder bei unserem letzten Treffen an. Ich habe ein unglaubliches Glück mit Wayne und dieser ganz besonderen Beziehung.

Das klingt nach einem sehr netten Vater - und doch mögen Sie gar nicht als 'nett' bezeichnet werden. Warum nicht?

Wenn Du es in deinem Leben nur schaffst, nett zu sein, hast du verdammt wenig geschafft. Außerdem ist es eine Lüge: Ich bin höflich - aber nett? Das ist ähnlich wie mit dem Wort Howie: Die Menschen um mich lachen sich tot, wenn jemand mich Howie nennt - "das letzte was du bist, ist ein Howie: Du bist in mancher Hinsicht ein Arschloch, manchmal geizig, manchmal jähzornig" - nein, es ist eine Lüge, ich bin nicht nett.

Sie mögen sich aber dennoch selbst ganz gern - oder fällt es Ihnen manchmal schwer, sich selbst zu lieben?

Es gehört dazu, sich gelegentlich einmal von außen zu betrachten und dann auch sagen zu können: Ich mag, was ich sehe. Und wenn mir etwas nicht an mir gefällt, ist es meine Aufgabe daran zu arbeiten. Meine Ex-Frau Claudia sagt mir immer mal wieder, wo ich vielleicht mal mehr an andere denken könnte, und dann gehe ich in mich und stelle fest: Sie hat vollkommen recht - und versuche gegenzusteuern.

Dresden: 5. Dezember, Kulturpalast, 20 Uhr, Karten (80,80 - 99,20 Euro): 0351/4866-666

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.12.2011

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