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Der polnische Lyriker Mariusz Grzebalski ist Gast der Sommerlesung des Literaturforums Dresden

Der polnische Lyriker Mariusz Grzebalski ist Gast der Sommerlesung des Literaturforums Dresden

Es ist ein kleines Jubiläum, das das Literaturforum Dresden am 5. Juli im LeseGarten in der Prießnitzstraße 56 feiert: Zum fünften Mal lädt der Verein zu seiner literarischen Sommerlesung ein.

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Liest im Garten der Buchhandlung Lesezeichen: Mariusz Grzebalski.

Unter dem Nussbaum wird diesmal das Polnisch der Dichter zu hören sein.

Unter hoffentlich blauem Himmel fremde Sprachen und deren deutsche Übersetzung erklingen zu lassen, das hat hier Tradition. So waren die Lesungen in den vergangenen Jahren unter anderem der englischsprachigen, der altgriechischen sowie einmal auch schon der polnischen Poesie gewidmet. Vor zwei Jahren war mit Tadeusz Dabrowski ein Lyriker aus dem Nachbarland zu Gast, in diesem Jahr wird es mit Mariusz Grzebalski wieder ein Pole sein.

Grzebalski ist kein Unbekannter im deutschsprachigen Raum. Für seinen Band "Graffiti", der 2001 in der Übersetzung von Doreen Daume in der Wiener Edition Korrespondenzen erschien, bekam der Autor begeisterte Kritiken. "Sein Blick, ein horizontales Messer. Sanftmütig, aber scharf", schrieb beispielsweise die "Frankfurter Rundschau" - und meinte damit wohl auch den Ton seiner Gedichte. Ein "wagemutiges Anlaufen gegen Gewöhnungen des Sehens" bescheinigt ihm denn auch der österreichische Lyriker Alfred Kolleritsch, der für die deutschsprachige Ausgabe von Grzebalskis Poemen das Nachwort beigesteuert hat.

Man dürfe, so Kolleritsch, in diesen Gedichten nicht nach inhaltlichen Zusammenhängen suchen, denn Grzebalski sei einer, der die Wirklichkeit neu her- und zusammenstelle, und zwar "wie ein Blitzlicht in der Augenhöhle". Von einer "zerbrechlichen Dauer" in den Gedichten des polnischen Lyrikers schreibt Kolleritsch auch: "Taten der anderen werden sich in unseren / Taten spiegeln, simple Fakten werden / mehr über uns aussagen, als wir bereit wären / vor uns selbst zu enthüllen."

Grzebalski, 1969 in Lodz geboren, Studium der Philosophie und Polo- nistik in Poznan, eine Kindheit und Jugend im sozialistischen Polen verlebend, enthüllt in seinen Gedichten Fakten - auf poetische Weise und mit genauem Blick. Als er studierte, begann die alte Ökonomie wohl bereits zu bröckeln, und daneben wucherte langsam eine neue heran, Ziel unbekannt. Ein klein wenig Fatalismus erlaubt sich der Dichter denn auch: "... eines Tages stieß das lang / und insgeheim gewetzte Messer durch - / schwer zu sagen durch was. Und es gab kein Zurück."

Der Dichter Mariusz Grzebalski ist gegen jede Art ideologischer Regel oder Vereinnahmung gefeit. Seine Gedichte, die hinter die Fassaden desolater Ordnungen schauen, bezeugen es: "Junge Frauen in Gefängniskleidung, / die noch nach Stärke und Waschküche riecht. / Ihr zögerndes Gehen zwischen den Birken - / suchen sie etwas zwischen den Farnen, im feuchten Gras?"

Keine Arrangements, die Weltbühne zu sein vorgeben, sagt der Lyriker und Literaturhausleiter Hauke Hückstädt über die lyrischen Ordnungen seines polnischen Kollegen. Ein Skeptiker reinsten Wassers schreibt da konsequent sein Werk fort. Und sind sie nicht eigentlich alle Skeptiker - die polnischen Dichter, gleich ihrer Oberskeptikerin, die doch so lebensbejahende Wisława Szymborska, die 1996 den Nobelpreis für Literatur erhielt?

5.Juli 2012, 20 Uhr, Garten der Buchhandlung LeseZeichen, Prießnitzstraße 56. Mariusz Grzebalski (Polen): Lesung und Gespräch. Moderation: Patrick Beck. Literaturforum Dresden in Kooperation mit der Buchhandlung LeseZeichen. Gefördert von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Landeshauptstadt Dresden

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.07.2012

Volker Sielaff

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