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Der öffentliche Code - Mathias Richling zappelt sich in Dresden durch eine Politikersitzung

Der öffentliche Code - Mathias Richling zappelt sich in Dresden durch eine Politikersitzung

Eine der ersten Fragen Mathias Richlings im Dresdner Schauspielhaus an das Publikum lautete: "Ist Ihnen eigentlich Herr Rösler noch bekannt?" Schon setzte ein Wispern und Tuscheln in den Reihen der Zuschauer ein, begleitet von allerlei Vermutungen.

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Kabarettist Mathias Richling, wie man ihn kennt. Auch in Dresden.

Quelle: Andre Kempner

"Ja ist der Rösler etwa-?" oder "Weiß der Richling vielleicht mehr als wir?" usw. usf. Richlings Stammpublikum aber bleibt gelassen. Weiß es doch um die zahlreichen rhetorischen Kurven, durch die der aus dem schwäbischen Ländle stammende Richling sein Publikum führt. Lange schon ist der, 1953 in Waiblingen Geborene als Kabarettist auf Solopfaden unterwegs. Aus gutem Grund, denn mit seiner sowohl rhetorischen als auch darstellerischen Bühnenpräsenz hatten und haben es Satirikerkollegen ziemlich schwer, überhaupt einmal zum eigenen Wort zu kommen.

Richling ist als Solist am besten aufgehoben. Wenngleich er gut beraten wäre, in seinem Tun irgendwann einmal eine längere Siesta einzulegen. Auch das Dresdner Publikum, das noch vor wenigen Jahren gleich an zwei Tagen nacheinander das Schauspielhaus bis auf den letzten Platz füllte, scheint inzwischen reichlich richlingmüde geworden zu sein. Jetzt war nicht einmal das Parkett ganz besetzt.

Dabei hat der "Richling-Code" - so der Programmtitel - durchaus eine Menge Potential. Das scheint aber zwingend logisch, angesichts der derzeitigen verquasten Situation nicht nur in deutscher, sondern vor allem in EU-Sicht. Richling analysiert mit spitzer Zunge und beginnt damit (natürlich) beim Problem Griechenland. Dabei fällt ihm zu den Banken und Bankern der einst von Müntefering geprägte Begriff von den "Heuschrecken" wieder ein. Die Bankenkrise zeigte und zeigt, dass diese Krabbeltierchen immer noch aktiv sind. Der Kabarettist aber hält eine ganz andere Idee für realistisch. Er macht den kühnen Vorschlag: "Kaufen wir uns Griechenland, so billig bekommen wir nie wieder ein ganzes Land als Ferienhaus!"

Richlings Bühnenaufbau suggeriert einen Tisch im Bundeskanzleramt. An dem haben alle die Platz genommen, die auf der parodistischen Agenda des Kabarettisten stehen. Der Bosbach bspw. (O-Ton Richling "Bosbach weiß alles!"), natürlich der Pofalla, der "mit der Betonung auf der ersten Silbe". Der Ernst und die Lötzsch von der Partei Die Linke, die immer noch "alles zentralisieren" will, der Oberfinanzjongleur Schäuble ("Der Bürger ist unser allerletztes Sparschwein. Und das muss nun geschlachtet werden. Basta!"), die Frau von der Leyen, die mit einem charmanten Vorschlag punktet. Dass "die Reichen die Armen von der Steuer absetzen dürfen, damit wäre letztlich allen gedient!". Auch Annette Schavan spielt mit, und ihr Beitrag lautet schlicht: "Die Gentechnik wird den Menschen auf jeden Fall überleben!". Guido Westerwelle darf nicht fehlen, der im Ausland vollmundig behauptet: "Deutschland, das bin jetzt ich!" Und Dirk Niebel ist auch dabei, allerdings in einer stummen Rolle und getragen von Richlings Resümee: "Wer will den ersetzen, den kann man nur komplett austauschen!"

Zu guter Letzt taucht auch noch die Riege der Politiker auf, die längst ihren sicheren Platz sowohl in diversen Lexika, bei youtube oder gar bei Facebook erobert haben. Der dicke Helmut ("Kohl war der erste, der Politik auch politisch gemacht hat!"), der Zigarrenfreak Gerhard Schröder natürlich, der sich als Vergangenheitsorakel outet ("Ohne den Krieg hätten wir kein Wirtschaftswunder gehabt!"). Doch was wäre all das bisher Gesagte ohne unser aller Kanzlerin, der "heiligen Frau Merkel". Richling schiebt auch ihr einige wunderbare Sätze in den Mund. Zum Beispiel: "Ich habe die Krise sicher durchs Land geführt!" "Ha, ha ha!" - da muss sogar der Helmut Schmidt lachen. So sehr, dass er sich beinahe an seinem Pfeifenrauch verschluckt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.10.2011

W. Zimmermann

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