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Der neue Lyrikband von Utz Rachowski beschäftigt sich mit einem Hund

Der neue Lyrikband von Utz Rachowski beschäftigt sich mit einem Hund

Dass sich Rachowski sowohl als Prosaautor wie auch als Lyriker und Essayist längst einen Namen gemacht hat, ist bekannt, besonders die Bände "Red' mir nicht von Minnigerode" und zuletzt "Beide Sommer" haben ihm seinen Platz in der deutschen Gegenwartsliteratur gesichert.

Für sein Werk wurde der 1954 in Plauen/Vogtland geborene und in Reichenbach aufgewachsene Dichter u.a. 2007 mit dem Reiner-Kunze-Preis ausgezeichnet. Seine Literatur ist aufs engste verbunden mit seiner Biographie: Fünf Gedichte und die Verbreitung verbotener Texte (Biermann, Fuchs, Pannach) brachten ihm in der DDR eine Verurteilung zu 27 Monaten Gefängnis ein. Nach seinem Freikauf durch die Bundesrepublik lebte er bis 1989 in Westberlin.

Sein neuer Band "Miss Suki" wendet sich einem Hund zu, was im Vergleich zu seinen bisherigen Themen zunächst überrascht. Der Hund ist eine Cavalier-Prince-Charles-Spaniel-Lady, er ist in Amerika zu Hause. Diese mit scheinbar leichter Hand geschriebenen Gedichte um einen Hund, die im Grunde Liebeserklärungen sind, inspirierten Rachowski, als er eine Gastprofessur am Gettysburg College in Pennsylvania bekleidete. Aber die Gedichte weisen darüber hinaus, sie feiern die Freiheit, das Leben schlechthin, die Beständigkeit der Liebe und Treue, erinnern jedoch gleichzeitig daran, wie Wasser in Wein geschüttet wird, dass wir endlich sind, auch wenn wir es oft vergessen, indem auf das Alter angespielt wird ebenso wie auf den Tod: die großen Themen der Literatur.

Aber Rachowski wäre nicht Rachowski, wenn es nicht Reminiszenzen an seine Diktatur-Erfahrungen gäbe.

"Mein Hündchen / mein kluges / mit langen Ohren // findet das Zusammenleben / mit einem Dichter // angenehm // soviel Schweigen / von beiden Seiten // zwei die zu oft / angebellt wurden".

Die Gedichte leben von dem Spannungsverhältnis, das sich aus dem Vergleich zwischen Hund und Mensch ergibt, was mitunter charmant-selbstironische Züge annimmt: Miss Suki liegt auf Platz 24 der Hunde-Intelligenzliste, das lyrische Ich tappt im dunklen, was den eigenen Platz anbelangt. Das kann man nur mit Augenzwinkern lesen und feststellen, dass sich das lyrische Ich nicht zu ernst nimmt.

Doch der Dichter weiß, dass die Oden an den Hund allein diesen Band vielleicht nicht ganz tragen. Deshalb hat er einige lange Gedichte eingebaut, die thematisch weiter gefasst sind. Neben dem "Ich hatte Nachbarn" ist "Culp's Hill, April 19, 2012" das bemerkenswerteste: Es hat Tiefe, spannt einen großen historischen Bogen und bleibt im Tonfall dennoch lakonisch. Wer Gettysburg hört, assoziiert den amerikanischen Bürgerkrieg. Im Juli 1863 standen sich hier die Truppen der Nord- und Südstaaten zur entscheidenden Schlacht gegenüber. An drei Tagen starben auf jenem Hügel 50000 Soldaten. Der Gastprofessor begeht mit seinen Studenten den für immer gezeichneten Ort des Todes. "Ich bin das Gras. Ich decke / zu. Häuft Berge bei / Gettysburg. Häuft Berge / bei Ypern und Verdun." Als sie hinunter zur Stadt laufen, fällt das Bedrückende des Ortes, die Last der Geschichte von ihnen allen ab, ohne sich gänzlich von ihr befreien zu können.

iUtz Rachowski. "Miss Suki oder Amerika ist nicht weit!". Mironde Verlag. Mit Zeichnungen von Thomas Beurich. 22,00 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.04.2013

Michael G. Fritz

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