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Der legendäre Popsongschreiber Albert Hammond sang erstmals auch in Dresden nur eigene Lieder

Der legendäre Popsongschreiber Albert Hammond sang erstmals auch in Dresden nur eigene Lieder

In welcher Liga spielt der in Würde und Gelassenheit 70 gewordene Albert Hammond eigentlich? Als ergrauter Populärkünstler, der in losen, aber stabilen Abständen neue Kreativwerke vorstellt, taugt er nicht.

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Albert Hammond

Quelle: Dietrich Flechtner

Songs für sich selbst schrieb er nur in den späten 1960ern und kompletten 1970ern, in jenem reichlichen Jahrzehnt, das in jeder Radiohörerbiographie untrennbar mit seinem Namen verbunden bleiben wird (obwohl Hammond beteuert, er schreibe stets und alles zuerst für sich -). Da stand das H für Hammond und Hits. Da belud er seine eigene "Musikalische Luftfracht", sehr zur Freude von Peter Niedziella und den Fans da draußen im Land.

Vor mehr als 35 Jahren hat der in den USA lebende Brite mit Wurzeln in Gibraltar dann sogar das Live-Spielen eingestellt, weshalb er nie für die regelmäßigen Oldieschaffen jenes Senders RSA taugte, der nun sein erstes Einzelkonzert in Dresden präsentierte, nachdem Albert Hammond Leipzig 2013 im warmherzigen Sturm genommen hatte. Denn irgendwann vor gar nicht allzu langer Zeit hatte Hammond oder ein heller naher Bekannter die geniale Idee einer umfassenden Retrospektive. Wie wäre es, er würde all die Lieder, die er in den Charts hatte, mit denen koppeln, die andere dorthin gebracht haben? Und damit auf Tour gehen. Seine Stimme hat er drei Jahrzehnte lang geschont und trotzdem ordentlich Geld verdient, denn schließlich wird man für Komposition und Text bezahlt, nicht für Interpretation. In besonders glücklichen Momenten gab es gar zwei- oder dreimal Tantieme, dann, wenn sich mehrere Künstler für ein und denselben Song interessierten. Das stetige Schlauchen durch Tourbusse, Flugzeuge und Hotels fand jedenfalls ohne ihn statt - eine sehr noble Position.

Mehr als die Hälfte der Besucher im ausverkauften großen Saal des Alten Schlachthofs wünschte sich nach zwei Stunden wohl sehr, mit 70 nur annähernd so fit zu sein, auszusehen und sich zu bewegen wie Albert Hammond: drahtig, atemreich, im guten Sinne anwesend. In kleinen Storys zwischen 30 Liedern klopfte er sich selbst auf die Schulter, nahm sich aber auch nonchalant auf die Schippe. In einem Satz brachte er den größten AH-Effekt der neueröffneten Livekarriere auf den Punkt: "Jemand sagte nach einem Konzert zu mir, dass es ihm sehr gefallen hätte. Es wären nur zu viele Coverversionen dabei gewesen -" Genau das ist es: "I'am A Train", "Down By The River", "Freedom Come, Freedom Go" oder "It Never Rains In Southern California" verortet man sofort mit ihm, seine eher unbekannten Stücke und vor allem dieses nahezu übermächtige Hit-Paket daneben nicht unbedingt. "Ach, das ist von ihm?", murmelte es durch die Reihen. "Das aber nicht!" Doch, doch! Das auch! Hier eine Auswahl des Abends: Aus Hammonds Feder stammen "I Don't Wanna Live Without Your Love" (nicht von Chicago), "Careless Love" (nicht von Roy Orbison), "One Moment In Time" (nicht von Whitney Houston), "I Don't Wanna Loose You" (nicht von Tina Turner), "The Air That I Breathe" (nicht von den Hollies), "When I Need You" (nicht von Leo Sayer), "Nothing's Gonna Stop Us Now" (nicht von Starship), "To All The Girls I've Loved Before" (nicht von Willie Nelson und gleich gar nicht von Julio Iglesias). Zwei Stunden RSA kann der für rhythmisch übersichtliches, harmonisch nahezu perfekt anschmiegsames Pop-Gut hochbegabte Hammond also mühelos bestreiten - und singt selbst dabei nur 20 Minuten, muss sich zudem nicht auf all den Hutberg- und Waldbühnen neben Harpo und den falschen Resten von T.Rex im bösen Filme wähnen.

Albert Hammond hat trotzdem eine Chance verpasst, was durchaus von minderer Ambition zeugen könnte. Mit solider Viermannband aus Daniel Serrano Jimenez (Keyboards), Juanjo Melero (Gitarre), Txarlie Solano (Bass) und Rafael Cruz (Drums) blieb er in den "Cover"-versionen seines Materials sehr brav am jeweiligen Original, zahm fast, ausgesprochen nett - und besonders im ersten Teil - im Stadl-Modus, der von weiten Teilen des Publikums adäquat erwidert wurde. Keiner verlangt von Albert Hammond eine Death-Metal-Variante von "Little Arrows", aber der etwas weniger festgezurrte Sicherheitsgurt wäre schon machbar, war aber strikt nicht vorgesehen. Denn auch die vorliegende Doppel-CD "Songbook 2013 - Live in Wilhelmshaven" speichert all die Töne und Zwischentexte nahezu eins zu eins. Manche mögen's genauso. Die anderen haben Pech. Und bitte nicht wundern, wenn es 2015 - Albert Hammond will unbedingt wieder her - noch haargenauso ist.

Also wurde großflächig mitgesungen, gejubelt, getanzt, fassten Männer ihrer Frau an die Figur wie vielleicht seit Wochen nicht mehr, waren die dunklen Heimwege bis hin zum mit einem Strafzettel versehenen falsch geparkten Auto voller Erinnerungen an Jugendweihefeiern, klebrige Nach-Knutschflecken umgestürzter Flaschen Rosenthaler Kadarkas, selbst aufgenommene Misch-Kassetten und den Zeitpunkt, da man Albert Hammond entwachsen war und sich dem großen weiten Rest von Pop und Rock'n'Roll zugewandt hat. Oder eben nicht.

Fakt ist, der Alte Schlachthof zu Dresden wurde am Freitag zur Albert Hall. Und nicht wundern, wenn Sohn oder Enkelin die Eintrittskarte an der heimischen Pinnwand sehen und meinen, einen Albert Hammond eigentlich für sich gepachtet zu haben: der mit dem "Jr." hintendran ist und bleibt der profund musizierende Sohn und mit den Strokes auf dem rechten Weg.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.09.2014

Andreas Körner

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