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Der in Dresden geborene Stephan Richter gewinnt den Max Ophüls Preis 2016

Einer von uns Der in Dresden geborene Stephan Richter gewinnt den Max Ophüls Preis 2016

Das österreichische Jugenddrama "Einer von uns" von Stephan Richter hat den Max Ophüls Preis 2016 gewonnen. Der in Dresden geborene Regisseur erhielt in Saarbrücken den mit 36.000 Euro dotierten Preis für seinen auf einer wahren Begebenheit basierenden Spielfilm.

Regisseur Stephan Richter auf der der Preisverleihung des 37. Filmfestival Max Ophüls Preises 2016 in Saarbrücken.

Quelle: Oliver Dietze/dpa

Dresden. Das österreichische Jugenddrama "Einer von uns" von Stephan Richter hat den Max Ophüls Preis (MOP) 2016 gewonnen. Der in Dresden geborene Regisseur erhielt am Sonnabend in Saarbrücken den mit 36 000 Euro dotierten Preis für seinen auf einer wahren Begebenheit basierenden Spielfilm. Richter zeige "eindrucksvoll die Perspektivlosigkeit von Menschen, die sich tagtäglich in einem Niemandsland, zwischen prall gefüllten Supermarkt-Regalen und der trostlosen Leere drumherum wiederfinden", urteilte die Jury. dem 86 Minuten langen Streifen erzählt der 1980 in Dresden geborene Stephan Richter die Geschichte des 14-jährigen Julian (Jack Hofer), der auf einem trostlosen Supermarktparkplatz mit Kumpels rumhängt. Als er zusammen mit dem gerade aus dem Jugendgefängnis entlassenen Marko (Simon Morzé) in die bunte Warenwelt einbricht, endet das Abenteuer für ihn tödlich. Ein ähnliches Schicksal eines Jugendlichen hatte 2009 hohe Wellen in Österreich geschlagen.

Als beste Nachwuchsdarstellerin wurde Odine Johne für ihre Rolle in "Agnes" ausgezeichnet, der Hauptdarsteller des Spielfilms "Rockabilly Requiem", Ben Münchow, als durfte sich über die Ehrung als bester Nachwuchsschauspieler freuen. Den vom Saarländischen Rundfunk und vom ZDF vergebene Fritz-Raff-Drehbuchpreis erhielten die Autorinnen Paula Cvjetkovic und Bernadette Knoller für ihren Streifen "Ferien". In der Festivalwoche liefen mehr als 160 Filme in Saarbrücker Kinos, davon 65 im Wettbewerb. Insgesamt wurden 15 mit insgesamt rund 110 000 Euro dotierte Preise vergeben. Die 37. Auflage des Traditionsfestivals ging gestern zu Ende.

Die Gala zur Preisverleihung am Sonnabend war über weite Strecken von den Emotionen angesichts des Weggangs der langjährigen künstlerischen Leiterin Gabriella Bandel geprägt. Filmschaffende und Cineasten applaudierten minutenlangen im Stehen, als Bandel mit Tränen in den Augen die Bühne betrat. Bei der Rede von Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz ertönten dagegen laute Pfiffe und Buhrufe.

Kinofreunde sorgen sich um die Zukunft des Filmfests für den deutschsprachigen Nachwuchs, das seit 1980 alljährlich über die Bühne geht. Hintergrund sind die weitgehend im Dunkeln liegenden Gründe für den Abschied von Bandel nach gut 17 Jahren beim MOP, die Suche nach einem adäquaten Nachfolger und die Geldsorgen der Festivalmacher. Bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz hatte Alt-Regisseur und "Lindenstraßen"-Vater Hans W. Geißendörfer am Freitag betont, das MOP sei nicht nur ein Saarbrücker, sondern "ein deutsches Ereignis". Zusammen mit dem Regisseur, dem früheren MOP-Leiter Boris Penth, forderte er, die Stadt solle sich in einem Fachbeirat beraten lassen und die Stelle öffentlich ausschreiben. Die "Freunde des MOP" fürchten politische Kungelei: "Meine ganz große Sorge ist, dass hier jemand kommt, der Wachs in der Hand der Kommunalpolitik ist", sagte Geißendörfer.

Ob eine Ausschreibung überhaupt noch möglich wäre, ist fraglich. Die Stadt will spätestens bis Ende Februar einen Nachfolger für Bandel präsentieren. Kulturdezernent Thomas Brück verwies Befürchtungen, das MOP könne für ein Jahr ausgesetzt werden, ins Reich der Spekulationen. Der Nachfolger von Bandel dürfte es so oder so schwer haben. Eine Erhöhung des seit 13 Jahren gleichgebliebenen Jahresetats von knapp einer Million Euro ist nicht in Sicht. Britz versicherte zwar, dass die hoch verschuldete Landeshauptstadt sich weiterhin mit 330 000 Euro an dem weit über Saarbrücken und das Saarland hinaus strahlenden Kultur-Event beteiligen werde. Auch das Land will weiter knapp 100 000 Euro geben. Das MOP bleibe aber eine Veranstaltung der Stadt, sagte Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD). Eine Erhöhung ist trotz Kostensteigerungen und Inflation also nicht in Sicht.

Bleiben die Sponsoren (230 000 Euro). Und auch da dürfte es schwer werden, neue Geldgeber zu finden - zumal wenn das Festival an Renommee verlieren sollte. Unter den Nachwuchsfilmern im Saal gab es nach den Buhrufen für Britz bei der Gala viele fragende Gesichter: "Wir hatten gar nichts von den politischen Querelen mitgekriegt", sagte die Berliner Regieassistentin Susanne Braun, die zum ersten Mal auf einem Festival war. Für den deutschsprachigen Kinonachwuchs ist das MOP eine Art Familientreff, Produzenten halten Ausschau nach neuen Talenten. Zum Karrieresprungbrett wurde das Festival etwa schon z.B. für die Regisseurin Doris Dörrie.

Jörg Fischer

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