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Der in Dresden geborene Germanist Eberhard Haufe ist tot

Der in Dresden geborene Germanist Eberhard Haufe ist tot

Was ist ein kurzes Leben, auch wenn es 82 Jahre währte, gegen den unendlichen Tod. Das Zurückgelassene, das Bleibende, ist entscheidend. Am 26. März starb der Germanist und Herausgeber Prof. Dr. Dr. h.

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Eberhard Haufe, 2011.

Quelle: privat

c. Eberhard Haufe in Weimar. In Dresden wurde er am 7. Februar 1931 geboren, in Großröhrsdorf wuchs er auf. Er gehörte zu jener stillen Spezis Wissenschaftler, die vom breiten Publikum selten wahrgenommen werden, aber wertvolle, unverzichtbare Kärrnerarbeit leisten. In diesem Nachruf, geschrieben für den Tag, können nur wenige, wichtige Arbeiten erwähnt werden. Einen umfassenden Überblick seines Wirkens kann sich verschaffen, wer den zu seinem 80. Geburtstag erschienenen Band "Eberhard Haufe - Schriften zur deutschen Literatur" (Wiesbaden 2011), zur Hand nimmt. Eberhard Haufe war nicht spezialisiert auf eine Epoche der deutschen Literatur. Sein Spektrum reichte vom Mittelalter über die Frühe Neuzeit, die Klassik und Romantik, bis ins 20. Jahrhundert.

Eines seiner voluminösesten Werke ist die zweibändige Anthologie "Wir vergehen wie Rauch von starken Winden. Deutsche Gedichte des 17. Jahrhunderts" (Berlin 1985). Im Nachwort schreibt Haufe: "Was sie (diese Dichter) zur Rettung und Erhaltung der 'deutschen Hauptsache' (Schottelius) in chaotischer Zeit in einem zerrissenen Vaterland beitrugen, bleibt Verdienst und Mahnung bis in die Gegenwart." Solche Sätze schreibt man nicht ohne Hintergedanken.

1958 wurde Eberhard Haufe von der Leipziger Karl-Marx-Universität verwiesen, weil er mit Studenten in Westberlin eine Theateraufführung und eine Ausstellung besuchte, nicht zuletzt, weil er nicht in die ideologische Richtung passte. So ging Haufe nach Weimar und arbeitete mit an der Schiller-Nationalausgabe und an der Hamburger Goethe-Ausgabe. An der Friedrich-Schiller-Universität Jena promovierte er 1964 über die "Bedeutung der antiken Mythologie in den Textbüchern der Hamburger Oper 1678-1738."

Seinen Tribut an das 20. Jahrhundert entrichtete er hauptsächlich an Johannes Bobrowski mit der Edition von dessen gesammelten Werken in vier Bänden (Berlin 1987) und einem Ergänzungsband mit den Erläuterungen zu dessen Gedichten (Berlin 1998). Die Herausgabe von Bobrowskis Briefen scheiterte an vielerlei misslichen Umständen und blieb für ihn ein Schmerzenskind. Erfolg erzielte Eberhard Haufe mit einem schmalen Band in der Gustav Kiepenheuer Bücherei Nr.15 "Carl Gustav Jochmann: Die unzeitige Wahrheit" (Leipzig und Weimar 1976). Jochmann, einer der großen unbekannten und vergessenen Denker der deutschen Geistesgeschichte, wurde durch Eberhard Haufe für uns entdeckt, hoch aktuell und subversiv. Ein Satz Jochmanns war es vor allem, der traf: "Wo die Wahrheit bekämpft werden muss, da hat sie schon gesiegt." Das Buch erlebte drei Auflagen, die letzte erschien 1990. In mein Exemplar schrieb er: "Was im unvergeßbaren Spätherbst von 1989 meinen letzten Segen erhielt, das lege ich Dir, lieber Freund, in dankbarer Verbundenheit in die Hände."

Die Trauerfeier fand am 5. April in Weimar statt. Wulf Kirsten hielt die Gedenkrede. Manche mögen der Meinung sein, nach der langen, mit viel Geduld ertragenen Krankheit war Eberhard Haufes Heimgang eine Erlösung für ihn. Ich glaube das nicht. Er kämpfte, trotz seiner zarten Besaitung, gegen zwei Schlaganfälle, gegen Gehbehinderung und später gegen Sprachunfähigkeit. Mit klarem Verstand hielt er mit allen Fasern seines Seins am Leben fest. Dieses Nichtaufgeben ist beispielhaft.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.04.2013

Werner Kohlert

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