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Der große Soulmann Charles Bradley kommt noch einmal in den Beatpol

Das Leben, ein Beben Der große Soulmann Charles Bradley kommt noch einmal in den Beatpol

Was hat sich getan seit 2013, da auch Charles Bradley im Reigen anderer Künstler sein spätes Dresden-Debüt gegeben hatte? „Changes“ eben, Veränderungen! Eine neue CD des schwarzen US-Amerikaners ist erschienen, die genauso heißt.

Charles Bradley

Quelle: dpa

Dresden. Was hat sich getan seit 2013, da auch Charles Bradley im Reigen anderer Künstler sein spätes Dresden-Debüt gegeben hatte? „Changes“ eben, Veränderungen! Eine neue CD des schwarzen US-Amerikaners ist erschienen, die genauso heißt. Inzwischen waren auch Curtis Harding in der Stadt und Gregory Porter, der eine als frischer, kantiger Nachfolger eines zeitgenössischen Club-Souls, der andere als formidabler Sänger, der den Soul zum Jazze dehnt und damit große Säle füllt. Eine Wiederkehr der göttlichen Sharon Jones wird derzeit wohl vor allem durch ihre neu aufgebrochene Krankheit verhindert.

Charles Bradley aber zieht weiter durch Musikzelte und kleinere Räume, nimmt alle Einladungen an, die sich ihm bieten, schwitzt sich 80 Minuten lang seinen fiebrigen Soul aus, verteilt Komplimente und Blumen. Und erntet manch ein Staunen über Kraft und Energie, die er hat und gibt.

„Manchmal tut es gut, manchmal weh, heimzukommen.“ Klare Worte, einfache Worte, gerichtet an sein Heimatland. Nachdem sich Bradley am Beginn der Elf-Song-Platte „Changes“ sprechend vorstellt, dann fließend eine Strophe aus Irving Berlins zart pathetischer Ode „God Bless America“ anstimmt, wird es in „Good To Be Back Home“ bitterer. „Ich bin jetzt zu Hause, war in der ganzen Welt, sah eine Menge Schmerz, habe Liebe geteilt. Nun aber bin ich zurück, Amerika.“ Und alles klingt wie eine eher nachdenkliche Antwort auf James Browns „Living In America“.

Spätestens beim dritten Song allerdings ist Charles Bradley beim Urthema des Breitwand-Souls angelangt: Liebe in allen Facetten. Sehnsuchtsvoll, mit „a lot of babes“, Verlustangst und jauchzendem Himmelhoch. Bradley schreit und schmachtet, der Frauenchor schreit nicht und schmachtet trotzdem, die Bläser fetten unter, der Bass pumpt sich ein. Im Studio stand Bradley wieder die Menahan Street Band zur Seite, dazu The Budos Band, die Sha La Das, Gospel Queens und Saun & Starr. Gemeinsam schreiten sie hinaus zum Funk, zitieren anderswo im Saxophonpart „Summer Breeze“ von Seals and Crofts. Referenziell!

Essenziell in Sachen Komposition und Arrangement war für „Changes“ ein weiteres Mal der begnadete New Yorker Gitarrist Thomas Brenneck. Mit seinen 35 Jahren ist für ihn das Zusammentreffen mit all den Soulisten im Brooklyner Daptone-Studio und auf den Bühnen eine Erleuchtung. Hier arbeitete er schon mit Sharon Jones und – natürlich – Amy Winehouse, daneben mit St.Vincent und Rufus Wainwright. Ein schönes Zitat von Brenneck über den „Urknall“ des Souls gibt es: „Es muss etwas im Universum in den 1960er Jahren geschehen sein und zwar nicht nur in Amerika, sondern in der ganzen Welt. Sie explodierte einfach.“ Dass bei Charles Bradley auch die nächste junge Generation noch daran teilhaben kann, gerade auch in diesen Breiten, ist schlichtweg ein Segen.

„Changes“ als Titelstück ist ein tieftrauriges Lied für „den besten Freund, den ich je hatte, die Frau meines Lebens, die ich verloren habe, die ich gehen lassen musste. Wir haben Jahre geteilt und einen gemeinsamen Weg gefunden. Nun ist er zu Ende, mein Herz weint.“ So wie Bradley das singt, kann dieser Mensch an seiner Seite echt oder fiktiv, die Frau eine Ehefrau oder eine Freundin gewesen sein. Wahr ist, es war die Mutter! Bradley zog in den letzten Monaten ihres Lebens in ihr Haus und pflegte sie. Dass man ihren Sohn schlussendlich doch noch „entdeckt“ hat, mehr noch, wirklich wahrgenommen und geschätzt in dem, was er kann und will, hat sie noch erlebt.

„Changes“ als Song ist die enorme Adaption eines Black-Sabbath-Liedes, das im Original nun auch nicht das schlechteste ist: Ozzys Osbournes Stimme zum Klavier, mit zeittypischer Synthi-Linie leicht angezuckert. Bei Charles Bradley riecht, schmeckt, klingt es nüchtern fulminant und bleibt in der Wirkung nur Hartherzen verwehrt. Ein Hammersong! Fünfeinhalb Minuten für die Ewigkeit! Das Video dazu ist es auch.

„Changes“ als Platte folgt adäquat den großen Platten großer Soulsänger oder einfach nur Charles Bradleys 2013er Edition „Victim Of Love“ sowie seinem 2011er Debüt „No Time For Dreaming“. Bradley war damals 62. Inzwischen reiste er in den Jahren nach seiner Entdeckung für ein selbstbestimmtes Leben in der populären Musik „all over the world“. Davor gab es für ihn nur Leben pur: Straßenjunge, erst Bewunderer, dann Imitator von James Brown in einer Show, die sogar am Abend von Browns Tod einen Auftritt hatte. Bradley war Koch, Küchenchef und Gelegenheitssänger,

„Erfolg“, sagt er, ist „wunderbar, aber er macht mir auch Angst. Denn das Schlimmste ist, wenn du verrückt vor Freude bist und dir dann der Boden unter den Füßen weggezogen wird. Ich gestatte mir also nicht zu viel Freude, denn ich will nicht mehr verletzt und enttäuscht werden. Ich genieße das, was ich tue, ich treffe positive Menschen, ich warte ab, was passiert.“

Charles Bradley wieder in Dresden - diesmal müssen sich potenzielle Besucher nicht mit ernstzunehmender Konkurrenz herumquälen wie 2013 ein anderes Debüt es zweifelsohne war. Zur Erinnerung: Crosby, Stills & Nash kämpften da parallel in der „Garde“ gegen ein schweres Gewitter. Und gewannen.

Charles Bradley, Mittwoch, 21 Uhr, Beatpol

Von Andreas Körner

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