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Der gebürtige Dresdner Mateusz Moleda dirigiert die erste Wagner-Inszenierung in Peru

Der gebürtige Dresdner Mateusz Moleda dirigiert die erste Wagner-Inszenierung in Peru

Der 1986 in Dresden geborene Dirigent Mateusz Moleda leitet den "Tannhäuser" am Teatro Municipal de Lima. Es wird die erste Wagner-Inszenierung in der Geschichte Perus überhaupt sein.

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Der 1986 in Dresden geborene Mateusz Moleda ist Dirigent des "Debüts" für eine Wagner-Oper in Peru.

Quelle: PR

Am 17. August ist Premiere, es folgen vier weitere Aufführungen. Mit dabei ist auch die in Dresden lebende Sopranistin Kirsten Blanck als Elisabeth. Mateusz Moleda, 2013 zum Principal Guest Conductor beim Orquesta Ciudad de los Reyes ernannt, wird außerdem 2014 bis 2017 in Lima Wagners "Ring des Nibelungen" dirigieren. Per E-Mail ließ er sich interviewen.

Frage: Sie dirigieren am Teatro Municipal de Lima eine Inszenierung von Wagners "Tannhäuser". Wie sind Sie zu diesem Projekt gekommen?

Mateusz Moleda: Auf einer zwei Jahre zurückliegenden Konzertreise durch Südamerika hat man mich darauf aufmerksam gemacht, dass noch nie in der Geschichte von Peru eine Wagner-Oper aufgeführt wurde, und mich gefragt, ob ich mich bereiterklären würde, bei einer Produktion im Jubiläumsjahr 2013 die musikalische Leitung zu übernehmen.

Warum wurde der "Tannhäuser" ausgewählt?

Am Auswahlprozess war ich selbstverständlich beteiligt. Tannhäuser ist weltweit die am meisten gespielte Wagner-Oper, und sie wurde in Dresden unter der Leitung des damals 32-jährigen Komponisten uraufgeführt. Da ich gebürtiger Dresdner bin, wollte ich einen aus meiner Sicht besonders wichtigen Teil der musikhistorischen Geschichte meiner Heimatstadt in die Welt tragen. Darüber hinaus wollte ich möglichst vielen Menschen in Peru die Möglichkeit geben, an dem Projekt selbst aktiv teilzunehmen. "Tannhäuser" verlangt eine große Besetzung, einen 80 Stimmen starken Chor, zahlreiche Statisten und Bühnenmusiker, ohne die ohnehin reiche, für Wagner typische Instrumentierung zu erwähnen.

Ist Wagner in Peru überhaupt bekannt?

Wagner ist den Menschen in Peru und Südamerika sehr wohl bekannt, auch wenn seine Musik eher selten aufgeführt wird. Dies liegt mit Sicherheit an der großen Besetzung, die seine Werke verlangen.

Welches Repertoire wird am Teatro Municipal de Lima sonst gegeben?

Das Teatro Municipal de Lima hat kein eigenes Ensemble, Opern werden dort nach dem Stagionesystem aufgeführt. Es gibt somit pro Jahr zwei bis drei Neuinszenierungen, die nach der jeweiligen Serie der Aufführungen wieder abgesetzt werden.

Wer inszeniert den "Tannhäuser" ?

Carlos Madge. Er hat schon zahlreiche Opern in Peru inszeniert und kann somit auf einen großen Erfahrungsschatz verweisen. Er hat mir vor geraumer Zeit sein Konzept vorgestellt, und wir haben daran zusammen mit dem Bühnenbildner José Sialer intensiv unter musikalischen Aspekten gearbeitet.

Denken Sie, dass man "Tannhäuser" in Peru anders inszenieren muss als bspw. im wagnergesättigten Europa?

Die Menschen, mit denen ich in Lima am "Tannhäuser" arbeiten werde, sind sich ebenso wie ich der Verantwortung bewusst, die sie haben, die erste Inszenierung einer Wagner-Oper in der Geschichte ihres Landes auf die Bühne zu bringen. Aus der bisherigen Zusammenarbeit ist für mich ersichtlich, dass es nicht zu einer "Skandal-Inszenierung" wie dieses Jahr in Düsseldorf an der Deutschen Oper am Rhein kommen wird. Im übrigen singt Daniel Frank, der dort in der Titelrolle zu hören war, auch in Lima den Tannhäuser.

Was für ein Publikum wird in Lima die fünf Aufführungen besuchen? Können sich das nur Wohlhabende anschauen?

Nein, ganz im Gegenteil. Die Ticketpreise beginnen bei umgerechnet 10 Euro für eine Einzelkarte im dritten Rang und enden bei 400 Euro für eine der zentralen Logen, in der vier Zuhörer Platz finden.

Wie ist die kulturelle Situation in der peruanischen Hauptstadt? Gibt es staatlich geförderte Einrichtungen?

Die kulturelle Situation in Lima ist gänzlich anders als unsere europäische. Der peruanische Staat fördert einige wenige kulturelle Institutionen und Projekte, die aber ohne private Sponsorengelder nicht bestehen könnten. So ist es auch beim "Tannhäuser". Deshalb freue ich mich, dass eine Vielzahl peruanischer Unternehmen unser Projekt fördert. Auch der deutsche Botschafter in Lima, Herr Joachim Christoph Schmillen, unterstützt tatkräftig unsere Produktion in finanzieller und ideeller Hinsicht, ebenso wie die deutsche Industrie- und Außenhandelskammer in Lima.

Gibt es in Peru etwas Ähnliches wie El Sistema in Venezuela?

El Sistema wurde in Peru nach dem Vorbild Venezuelas vor einigen Jahren überaus erfolgreich eingeführt. Es gibt insgesamt vier Jugendorchester, die für den "Tannhäuser" ihre talentiertesten Instrumentalisten für die Bühnenmusik delegiert haben. Auf diese Begegnung freue ich mich ganz besonders.

Das südamerikanische Publikum ist als sehr spontan bekannt, wie, denken Sie, wird es auf Wagners "Tannhäuser" reagieren?

Die Tannhäuser-Produktion wurde von peruanischen Medien landesweit bereits als das kulturelle Ereignis des Jahrzehnts bezeichnet. Ich selbst bin von der Vorfreude der Menschen in Peru überwältigt, fast täglich erreichen mich Zuschriften per E-Mail, über meine Facebook-Seite und meinen Twitter-Account, in denen mir gedankt wird, dass ich das Projekt in Angriff genommen habe. Ich hoffe, dass das Publikum nicht minder enthusiastisch und positiv auf die Aufführungen reagieren wird.

Welche Solisten haben Sie engagiert?

Die Titelrolle wird von dem oben bereits erwähnten Schweden Daniel Frank sowie von Paul McNamara aus Irland gesungen, der in der vergangenen Saison den Tannhäuser am Staatstheater Kassel gesungen hat. Die deutsche, in Dresden lebende Sopranistin Kirsten Blanck singt die Elisabeth, in der vergangenen Saison war sie als Brünnhilde in der "Götterdämmerung" an der Nationale Reisopera in Enschede zu hören. Den Part der Venus übernimmt die US-Amerikanerin Fredrika Brillembourg, die zur Zeit die Knusperhexe in Humperdincks "Hänsel und Gretel" an der Komischen Oper Berlin singt. Den weltweit bekannten schwedischen Bariton Fredrik Zetterström hören wir in seinem Rollendebüt als Wolfram von Eschenbach, Engagements im Wagner-Fach führten ihn in der vergangenen Saison an die Nationaloper in Riga und die Königliche Oper Stockholm, wo er den Wotan im "Rheingold" gesungen hat. Die Rolle des Herrmann Landgraf von Thüringen wird von Renatus Mészár gesungen, der in dieser bereits am Staatstheater Stuttgart zu hören war.

Welches Orchester spielt, und was für ein Chor wird singen?

Besonders freue ich mich auf die Zusammenarbeit mit dem Orquesta Ciudad de los Reyes, das zu den führenden Orchestern Südamerikas gehört und von dem ich Anfang des Jahres zum Principal Guest Conductor ernannt wurde, eine unglaubliche Ehre für mich. Der Chor formiert sich aus Sängern, die teilweise in anderen Gesangsensembles und Chören singen. Die Vorsingen hierfür hat vor Ort mein Kollege José Quezada Macchiavello geleitet. Für die 80 zu besetzenden Plätze haben sich fast 400 Sänger beworben, ich denke, dass dies nicht nur das dortige Interesse an der Produktion, sondern auch an Wagners Musik ganz deutlich zeigt.

Haben Sie eine besondere Konzeption für Ihr Wagner-Dirigat?

Gesungen wird in Deutsch mit spanischen Übertiteln. Über den Zeitraum der vergangenen eineinhalb Jahre habe ich mich nicht nur mit der Partitur, sondern auch mit dem von Wagner selbst verfassten Libretto intensiv auseinandergesetzt und auch nach den die Opernhandlung begleitenden Ritualen geforscht. Letztendlich habe ich mich für eine Mischung der beiden Fassungen entschieden: Zur Aufführung kommt die Dresdner Fassung, mit einer Ausnahme: Die 2. Szene des 1. Akts entnehme ich der Pariser Fassung. Der "Tannhäuser" ist einerseits eine unglaublich jugendliche Musik, die unfassbar viel Lebensfreude ausstrahlt und der es auch nicht an knisternder Erotik fehlt. Dem entgegen steht die durch Wagner so einzigartig musikalisch umgesetzte religiöse Tiefgründigkeit und der tiefe Schmerz eines Suchenden. Diese beiden konträren Welten versuche ich in meiner musikalischen Konzeption so differenziert wie möglich darzustellen.

Ihre Eltern waren beide Opernsänger an der Dresdner Staatsoper, welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit? Erinnern Sie sich an ein besonderes musikalisches Erlebnis aus Ihrer Kindheit?

Ich erinnere mich sehr gut, denn ich habe nahezu meine gesamte Kindheit auf Probebühnen verbracht und war während der Vorstellungen entweder in der Obhut des Inspizienten oder saß in der Seitenbühnenloge. Ich denke, dass bereits damals die Weichen für meinen zukünftigen Weg als Dirigent gestellt wurden. Ein ganz besonderes Erlebnis für mich war es, ein einziges Mal mit meinen Eltern zusammen in einer Oper aufgetreten zu sein: 1990 an der Staatsoper Prag in Puccinis "Madama Butterfly". Meine Mutter sang die Rolle Cio-cio-san, mein Vater den Pinkerton, und ich spielte das Kind der beiden.

Zehren Sie als Dirigent heute von diesen künstlerischen Erinnerungen?

Vollkommen. Und ich bin meinen Eltern unendlich für alles dankbar, was sie mir mit auf den Weg gegeben haben. Bis heute stütze ich mich in der musikalischen Erarbeitung einer Oper auf ihren Erfahrungsschatz und ihre Kenntnis von Partien, beide haben Titel- und Hauptrollen in über 20 Opern gesungen. Wenn wir uns sehen, haben wir immer unfassbar viel zu diskutieren.

Ist Dresden Ihre musikalische Heimat?

Ohne Frage. Hier bin ich groß geworden und hoffe auch, dass ich sehr bald die Möglichkeit haben werde, einmal für das Publikum meiner Heimatstadt zu dirigieren. Das liegt mir sehr am Herzen und würde mir unglaublich viel bedeuten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.07.2013

Kerstin Leiße

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