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Der eine macht Ping - der andere Pong: Tobias Künzel und Heinz Rudolf Kunze im Alten Schlachthof Dresden

Der eine macht Ping - der andere Pong: Tobias Künzel und Heinz Rudolf Kunze im Alten Schlachthof Dresden

Sie huldigen ihrer eigenen Stärken, gehen charmant miteinander um und ringen sich gegenseitig die schönsten Überraschungen ab. Wer bislang davon ausging, dass die "Prinzenrolle" sich selbst erfunden hat und Kunze, der bekennende Schwerenöter, nichts weiter zu bieten habe, als die passenden Charaktere mit Leben zu füllen, der muss diesen Glauben vergessen.

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Maik Pfützner: Mitarbeiter der Stadtreinigung Für Maik Pfützner von der Stadtreinigung, sind kalte Temperaturen kein Grund zu Hause zu bleiben, denn der Müll, den die Dresdner tagtäglich produzieren, muss auch im Winter abtransportiert werden. 200 bis 300 Papierkörbe entleert Pfützner am Tag in sein Sammelfahrzeug. Die Kälte macht ihm dabei einige Probleme. "Der Müll gefriert in den Tonnen fest, so dass man meistens kräftig rütteln und schlagen muss, um den Abfall zu lösen", sagt Pfützner. Die g

Quelle: Dietrich Flechtner

Beide sind sich sehr ähnlich und dadurch verflixt nah. Denn hinter dem bürstigen Schnauzbart verbirgt sich ein humorvolles Herz, und hinter dem mit dem Glätteisen behandelten Tobias Künzel schlummert noch immer ein begnadeter Schlagzeuger und Entertainer, abseits einer Combo, die gern mal den "Mann im Mond" betrachtet.

Der blaublütige Tobias Künzel mit verkaufsfördernden Thomanerwurzeln, der sich zu Promotionzwecken gern mit der Brille Kunzes schmückt, lebt zwischen Paul Millns, Fury in the Slaughterhouse und dem Vater deutscher Gesangslyrik ein zweites Ich. Tobias Künzel legt sein Fundament zwar nicht ganz frei, was schade ist, gewährt aber unbekannte Einsichten. Denn in dieses Freestilekonzert, das die beiden großen "K" anboten, hätten sich sicherlich auch Aufforderungen wie "Komm doch mit" ganz gut gemacht, die Textzeilen vervollständigt, wären sie unmittelbare Einladung zu einem "Ritt auf dem Sofa". Das mag an dieser Stelle recht dick aufgetragen wirken, aber es hätte tatsächlich gut gepasst, weil Kunze und Künzel kaum ein Blatt vor den Mund nahmen und gut temperiert von ihrer gemeinsamen Arbeit berichteten.

Der Niedersachse stellte gern klar, dass er mehr kann als traurige Liebeslieder, in denen er den verpassten Gelegenheiten hinterhertrauert. All diejenigen, die zu einer Kunze-Platte noch nach einem Strick verlangen - ein Witz, der an HRK nicht vorbeigegangen ist, lernten einen anderen Kunze kennen. Kein bisschen schrullig, nicht überzogen eigen, sondern einen, der gern einen provokanten Text einstreut, sich in die Karten schauen lässt, und der es erträgt, wenn Künzel seine Texte singt.

Letzterer hat selbstredend auch ein zweites Gesicht, eines fernab der Prinzen, eines, das nach einem Schlagzeug schreit. Genau das sind die Forderungen beispielsweise von Amor & the Kids, mit denen Tobias Künzel Anfang der 90er Jahre unterwegs war und zwischen Jena und Dresden manches schräge Konzert inszenierte. Mit den Prinzen waren diese Ausflüge vorbei.

Seit gut zehn Jahren schmieden Kunze und Künzel Pläne für ihre gemeinsame Tournee, zu der es bis heute noch keinen Tonträger gibt. Die einzelnen Songs sind allenfalls nach dem Konzert als USB-Stick-Version zu erwerben, ein Mitschnitt des ersten Auftritts in Rostock. Erst im Februar werden die Plattensammler eine entsprechenden CD in die Hände bekommen. Ein Zeichen dafür, dass beide die gemeinsame Sache zwar ernst nehmen, sich aber kaum ausgemalt haben, welchen Zuspruch sie damit ernten.

Der Alte Schlachthof jedenfalls war gut ausverkauft, und bis in die letzten Reihen sangen die Gäste die bekannten Lieder wie eben den bereits erwähnten "Mann im Mond" mit, gestanden sich ein "Alles nur geklaut" und begaben sich mit auf die Suche nach "Mabel". So weit der eine und der unspektakulärste von drei Teilen, in die das überraschend aufschlussreiche Konzert unterteilt war.

Denn was Kunze und Künzel gemeinsam auf die Bühne stellten, war weitaus hörenswerter. Das kommt wohl daher, weil es noch unbekannt war und die neuen Songs dazu taugten, beide zu beschreiben. Künzel, der mit den Prinzen der lustige Junge ist, konnte "Melancholie" zum Schwingen bringen, und Kunze hatte die Antwort auf den Lippen - aus seinem Mund war das die "Euphorie", zwei Songs, nahezu identischer Text, zwei Stimmungen, die das Bild beider gekonnt auf den Kopf stellten. Und damit kam immer wieder die Frage auf: Wer hat welche Idee gehabt, wer hat welchen Text geschrieben, und wer hat die Musik dazu verfasst? Fragen, die kaum zu beantworten waren, die beide manchmal in ihr Gespräch mit aufnahmen und die vieles in unterschiedlichem Licht erscheinen ließen.

Nicht nur dieses Miteinander gelang ihnen, sie spielten auch mit der Historie, dem, was beide erlebten und keiner noch einmal braucht. "Ich will den kalten Krieg zurück" fordern beide ein und erzählen sich damit ihre Jugend und im Saal jedem eine andere Geschichte. Das waren Kunze und Künzel auch.

Die dritte Säule waren die Musiker an ihrer Seite. Am Bass stand Peter Pichel, der bereits an anderer Stelle HRK unterstützte, und Christof Stein-Schneider an der Gitarre. Alle drei kommen aus Hannover und damit sind der Gemeinsamkeiten fast schon genug, denn Christof Stein-Schneider war Gitarrist bei Fury in the Slaughterhouse, ist so aus einem völlig anderen musikalischen Lager. KuK hielt dieser feine Unterschied allerdings nicht davon ab, einen der Fury-Klassiker erneut zu vertonen, etwas gebremster, aber durchaus hörenswert: "Won't forget these days". Für die schönste Begegnung des Abends sorgte Paul Millns. Ein fragil am Piano agierender Musiker, der ein derartig großes Herz in seine Stücke packte, dass einem der Atem stockte.

All das waren KuK, unbekannt, neu und überraschend. Sie haben mit ihren Begleitern eine Bühne gesucht und das passende Publikum gefunden - getroffen am gefühlvoller werdenden Puls der Zeit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2013

Stephan Wiegand

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