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Der costa-ricanische Schriftsteller Luis Chaves liest im Dresdner Stadtmuseum

Dienstag Der costa-ricanische Schriftsteller Luis Chaves liest im Dresdner Stadtmuseum

Lateinamerika ist seit langem eine Region, wo die Dichtung blüht, man ihr zuhört und tausende Zuhörer zu den großen Poesiefestivals, etwa ins kolumbianische Medellín, strömen.

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Dichter aus Costa Rica: Luis Chaves.

Quelle: Carsten Meltendorf

Dresden. Der nikaraguanische Lyriker und Priester Ernesto Cardenal schrieb über Marilyn Monroe, über Mexiko, aber auch über die Kaffeeernte in Costa Rica. Er half selbst häufig beim Kaffeeernten, wovon ihn auch das Amt des Kulturministers nicht abhalten konnte.

Das Elementare hat in der lateinamerikanischen Dichtung seit je einen festen Platz. Man denke nur an Pablo Nerudas "Elementare Oden" oder an die Wucht der Dichtungen eines Joao Cabral de Melo Neto. Das Metaphorische freilich ebenso, wie beispielsweise das Werk des mexikanischen Nobelpreisträgers Octavio Paz belegt. Aber Paz, Cardenal, Neruda und viele andere - das sind die "großen Alten". Wie steht es aber gegenwärtig um die mittel- und südamerikanische Poesie?

Einer ihrer jüngsten Vertreter ist der 1969 geborene costa-ricanische Lyriker und Übersetzer Luis Chaves, der sich zur Zeit, als Gast des Deutschen Akademischen Austauschdienstes, in Berlin aufhält. Seine Künstlerbiografie ist ungewöhnlich: Chaves' Vater war Amateurboxer, in seiner Kindheit habe er darum im Fernsehen eine Menge Boxkämpfe mit angesehen, sagt Luis Chaves. Doch kann er selbst nicht so genau erklären, wie man als Sohn eines Boxers zur Literatur kommt. Meistens gibt es eine Person im näheren Familienkreis, die den Keim im späteren Dichter weckt. Bei Chaves war das seine Großmutter. Sie ist es auch gewesen, die ihm das Lesen beibrachte.

Bekannt wurde Chaves, der zunächst in seiner Heimat Agrarökonomie studierte, 2006 mit "Asfalto", einem Buch, das eine Art Roadmovie im Stile Jack Kerouacs ist, mit Tankstellen und Motels, viel Tristesse und wenig Hoffnung, ganz so wie auf einem Bild von Hopper. Formal interessieren den Dichter die erzählerischen Möglichkeiten des Prosagedichts. Liebe, Leben, Sehnsucht nach Erfüllung sind seine Themen, die doch immer mit einem ironischen Augenzwinkern vorgetragen werden. Und natürlich: der Sport. Nicht unbedingt das Boxen, vielmehr der Fußball. Ganze Bücher hat Chaves dieser Sportart gewidmet, unter anderem 2010 "El Mundial", das Chroniken der Spiele der damaligen Weltmeisterschaft in Südafrika enthält. Zwischen einem großen Gedicht und einem großen Fußballspiel, sagt er in einem Gespräch mit Radio Bremen, gebe es für ihn keinen Unterschied.

Chaves ist ein Magier des Alltags, dem er in seinen Gedichten mit einer lakonischen Grundhaltung und nicht ohne Witz begegnet. Hätte er statt der Dichtung die Bildende Kunst gewählt, wäre er sicher ein Zeichner geworden, der mit gekonnt gesetzten Strichen eine Spannung erzeugen kann. Mit wenigen Worten gelingt es ihm, die Dinge im Gedicht auf neue und eigene Weise "klingen" zu lassen, auch wenn er das Gegenteil behauptet: "Seit sieben Monaten ist / mein Geist leer und zieht / seine Schlüsse, soweit es geht: / ein Lied spricht von Dingen / die falsch klingen im Gedicht."

Luis Chaves ist Vater von zwei Töchtern. Im Januar 2016 endet sein "deutsches Jahr", dann wird er mit seiner Familie zurück in die costa-ricanische Hauptstadt San José gehen. Bis dahin gibt es noch Gelegenheit, einen der interessantesten Dichter Lateinamerikas kennenzulernen. Heute Abend um 20 Uhr kommt Luis Chaves, als Gast des Literaturforums Dresden, zu Lesung und Gespräch ins Dresdner Stadtmuseum. Im hochroth-Verlag sind seine Gedichtsammlungen "Das Foto" und "Hier drunter liegt was besseres" erschienen, beide als zweisprachige Ausgaben, die er heute vorstellen wird. Auch die Lesung von Luis Chaves findet zweisprachig, auf Spanisch und auf Deutsch, statt. Der Eintritt kostet sieben, ermäßigt drei Euro.

www.stadtmuseum-dresden.de

Volker Sielaff

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