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Der barocke Hassebrauk in der Galerie Döbele

Kabinett-Charakter Der barocke Hassebrauk in der Galerie Döbele

Immer wieder hat die Galerie Döbele "ihren" Hassebrauk im Sinn, jetzt wartet sie mit einer programmatischen Ausstellung auf: "Der barocke Hassebrauk". Bei Döbele gelingt es, das wahrhaft gigantische Thema auf Kabinett-Charakter einzuschnüren.

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Ernst Hassebrauk: Abendliches Stilleben, um 1930, Öl auf Leinwand, 46x55 cm.

Quelle: Galerie

Dresden. Immer wieder hat die Galerie Döbele "ihren" Hassebrauk im Sinn, jetzt wartet sie mit einer programmatischen Ausstellung auf: "Der barocke Hassebrauk". Bei Döbele gelingt es, das wahrhaft gigantische Thema - das sich vom Frühbarock über Hochbarock bis zum Spätbarock und Rokoko hinzieht - auf Kabinett-Charakter einzuschnüren und dabei auf Neubarock übergreifen zu lassen, ja man kann sehen, dass dieser eminent kunsthistorisch gebildete Dresdner, der von 1905 bis 1979 lebte, sogar zu den bedeutendsten deutschen Künstlern des nun schon zweiten - und letzten - neuen Barock zählt, noch nach dem Pfälzer Impressionisten Max Slevogt. Auch in Frankreich gab es das Phänomen solchen Weiterwirkens, zu denken an Dufy und Matisse. Elmar Jansen erinnert sich an einen launischen Ausspruch Ernst Hassebrauks: "Frauen müssen bunt wie Papageien sein." Natürlich hatte der Maler da nur junge Frauen gemeint, von älteren erwartete er durchaus noble Zurückhaltung.

Auf die hohen barocken Museumsformate der Galerie Döbele, wie das eines beherrschenden Selbstbildnisses und das Küchenstück einer toten Pute im Federkleid, musste in der Schössergasse verzichtet werden - vielmehr beschränkt sich die Galerie auf delikate Kabinettstücke, farbige und schwarz-weiße. Des Künstlers heftige Liebe zum Barock äußert sich nicht zuletzt in der Darstellung barocker Dinge, meist höfischer Couleur: Porzellane, Roben, Möbel, auch Huldigungen an Meister der Vergangenheit, Tiepolo und Rosalba Carriera, Frans Hals und Rembrandt. Hassebrauk hatte begriffen, was Winckelmann meinte: Groß werden wir nur durch das Nacheifern der Alten Meister.

Besucher der Ausstellung werden sich gern an das "Dresdner Bilderbuch" erinnern, für das Fritz Löffler den kongenialen Text geschrieben hat. Aber es war das politisch brisante Jahr 1968, und die Partei verurteilte das Buch als "zu augusteisch", zu "rückgewandt", während es Fachleute von München bis London enthusiastisch begrüßten; auch Oskar Kokoschka stimmte in das Lob ein! Und schließlich glätteten sich die Wogen. Für viele war es ein Lichtblick im grauen Alltag der DDR.

Viel hatte Ernst Hassebrauk mit dem bewunderten Adolph Menzel gemein, dem Schlesier, der im preußischen Berlin nicht erstarrte, sondern oft nach Dresden reiste, hier barocke Architekturen und Gegenstände der Rüstkammer zeichnete. Die Ausstellung zeigt aber auch, dass sich Hassebrauk hier einmal einen Jux erlaubte, Menzels "Tafelrunde" zur Karikatur machte - eingedenk der Regel "Was sich neckt, das liebt sich".

Die Galeristin, die vor zwei Jahrzehnten nach Dresden kam - aus dem Oberschwäbischen Barock -, wird Hassebrauk auch in der künftigen Filiale Mannheim treu bleiben, jener Stadt, die auch barock geprägt ist, von Kurfürst Karl Theodor, dem Begründer der dann Münchner Pinakothek und der Porzellan-Manufaktur Frankenthal, die einst nach Meißner Vorbild ins Leben gerufen wurde.

Die beschwingte Präsentation der Malereien und Zeichnungen gibt dem Ganzen den Charakter eines heiteren Reigens - man meint Hassebrauks Lieblingsmusik von Antonio Vivaldi zu vernehmen. Die Kabinett-Ausstellung erfüllt auch aufs Schönste die Forderung von Delacroix, dass die Malerei "dem Auge ein Fest" zu sein habe.

bis 15. Januar, Schössergasse 29, info@galerie-doebele.de geöffnet Dienstag bis Freitag 12 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung In Vorbereitung ist die Dissertation "Ernst Hassebrauk und die visuelle Identität Dresdens nach 1945" von Annegret Karge.

www.galerie-doebele.de

Dieter Hoffmann

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