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„Der Zusammenhalt ist wichtig“: Goitzsche Front im LVZ-Interview

With Full Force 2016 „Der Zusammenhalt ist wichtig“: Goitzsche Front im LVZ-Interview

Eine deutschlandweit erfolgreiche Band – und dann auch noch aus Bitterfeld. Gibt’s nicht? Gibt es wohl! Goitzsche Front aus treten seit einigen Jahren mit Anlauf den Gegenbeweis an. Am Samstag feierte das Quartett seine With Full Force-Premiere auf der Hauptbühne. Wir haben mit Sänger Bocki, Gitarrist Maxi und Drummer Tom über ihre Konzerterfahrung, Ost-West-Unterschiede und die Schönheit von Bitterfeld gesprochen.

Goitzsche Front aus Bitterfeld auf dem WFF 2016.

Quelle: Bastian Fischer

Leipzig. LVZ: Ihr legt in Euren Texten schon immer großen Wert auf Eure Heimat Bitterfeld. Spielt doch mal Tourismusbeauftragte: Warum sollte man Bitterfeld besuchen?

Maxi: Bitterfeld hat seit der Wende einen starken kulturellen Wandel durchlaufen. Früher galt der Ort als "Drecksloch", war mehr oder weniger ein Schandfleck in der DDR. Das war vor allem dem ehemaligen Braunkohletagebau geschuldet. Inzwischen ist Bitterfeld, gerade auch durch das Naherholungsgebiet Goitzsche ganz anders aufgestellt.

Bocki: Gerade auch durch die beiden Hochwasser 2002 und 2013 ist die Region extrem stark zusammengewachsen. Da gab es einen echten Zusammenhalt. Alle haben mitgeholfen, die Flut zu bekämpfen – jung, alt, dick, dünn, deutsch oder nicht, das war egal. Dieser Zusammenhalt hat auch uns völlig vom Hocker gerissen.

Maxi: Daraus resultiert ja auch unser Bandname. Wir verbinden mit Front nichts militaristisches, sondern einfach diese Front aus Leuten, die gemeinsam gegen die Flut eingestanden hat. Dieser Zusammenhalt spiegelt sich natürlich auch in der Band. Wir sind einfach vier Freunde, die gemeinsam Musik machen. Wir wollen mit unseren Stücken auch ein Stück was an die Menschen der Region zurück geben, ihnen Kraft spenden.

Bocki: Aber um auf deine Frage zurück zu kommen: Bitterfeld ist mittlerweile wirklich vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan geworden. Das kommt sowohl von den Leuten, die schon immer da gewohnt haben, als auch von denen, die neu dazu gezogen sind.

Maxi: Durch die kontinuierliche Arbeit ist die Region um Bitterfeld inzwischen ein wirklich schönes Naherholungsgebiet geworden. Kommt mal vorbei! (lacht)

Ihr lebt natürlich auch ein Stück weit von der Tatsache, eine Band aus dem "Osten" zu sein. Stört Euch diese Kategorisierung eigentlich mehr als 25 Jahre nach der Einheit noch?

Maxi: Naja, wir sind nun mal alle hier groß geworden. Und natürlich haben wir uns eine Zeit lang immer für unsere Herkunft rechtfertigen müssen. Aber wie schon gesagt: Die Region hat es wirklich geschafft, aus dem Dreck rauszukommen.

Bocki: Diese Ost-West-Unterscheidung ist inzwischen ja auch durch, die DDR seit Jahrzehnten Geschichte. Trotzdem steckt das sicherlich in manchen Köpfen noch drin. Wir spielen eher mit der Unterscheidung und greifen das ironisch auf. Wir sagen ja auch nicht: "Der Osten rockt und der Westen ist scheiße". Und das die Unterscheidung für viele Menschen keinerlei Rolle mehr spielt merkt man ja auch daran, dass unsere Songs im Ruhrpott oder in Bayern genau so gut funktionieren wie hier.

Maxi: Wir wollen den Leuten einfach nur die Möglichkeit geben, Party zu machen und sind eben gleichzeitig stolz darauf, von hier zu kommen.

Inzwischen habt Ihr auch ein eigenes Plattenlabel gegründet und vertreibt Eure Musik in Eigenregie. Warum habt Ihr Euch für diesen Weg entschieden?

Bocki: Wir wollten schlicht unabhängig sein in den was wir tun. Unser eigenes Ding durchziehen und auf jeden Fall voll und ganz authentisch bleiben. Zum Glück haben wir auch schon seit Jahren gute Partner im Rücken, eine gute Crew auf Tour, da fiel der Schritt entsprechend leicht.

Maxi: Viele Leute wollten uns schon immer Steine in den Weg legen. Wir wollen aber nichts auf Zwang machen, nicht auf Biegen und Brechen die Verkäufe unserer Platten hochtreiben – sondern einfach voll und ganz unser eigener Herr bleiben.

Tom: Wir sind natürlich auch ein bisschen Stolz auf das, was wir bisher erreicht haben. Wenn man selbst etwas schafft und dann sieht, es geht voran, steht man auch viel mehr dahinter. Deswegen ist der Schritt zum eigenen Label eigentlich nur der nächsten konsequente Schritt.

Ihr habt am Nachmittag zum ersten Mal hier auf dem With Full Force gespielt und das gleich auf der Hauptbühne. Was geht da in einem vor, wie habt Ihr den Auftritt erlebt?

Bocki: Das war schon ein Mega-Gefühl, wirklich unglaublich. Man begreift das zunächst gar nicht, erst hinterher wird einem klar, was da gerade passiert ist. Man kann in dem Moment gar nicht alle Emotionen unter einen Hut bringen.

Maxi: Das Publikum hat uns auch extrem gut aufgenommen. Gerade wenn man weiß, dass hier sonst eher Metal oder Punkbands vertreten sind. Aber ab dem ersten Ton haben wir gemerkt: Es funktioniert, der Druck war weg und das Adrenalin entsprechend hoch.

Bocki: Das Lampenfieber gehört ja auch irgendwo dazu. Aber hier hatten wir so eine perfekte Organisation um uns herum, es gab eigentlich überhaupt keinen Stress, da fühlt man sich richtig geborgen und kann sich komplett auf den Gig konzentrieren.

Maxi: Das ist gerade dann gut, wenn man, wie wir, hier als Außenseiter antritt, da wir ja auch noch auf deutsch singen. Und dann noch auf einem sehr Hardcore-lastigen Festival. Für uns war das aber auch eher eine zusätzliche Motivation. Wir haben uns quasi gesagt: Jetzt erst recht. Und wenn dann am Ende selbst der Metal-Fan in der Lederkutte sagt 'Mensch, die sind ja richtig gut' – das ist einfach ein geiles Gefühl.

Jetzt habt ihr beides erlebt, aber sagt mal ehrlich, was ist besser: Der kleine Club-Gig oder der Festival-Auftritt?

Bocki: Beides hat seinen Charme. Und wie schon gesagt, das Lampenfieber ist ohnehin immer da – egal ob du vor hundert oder vor 10.000 Leuten spielst.

Maxi: Aber selbst bei zehn Leuten, die wegen dir zu einem Konzert kommen ist es alles wert.

Bocki: Und die Fans haben dann auch verdient, dass wir alles geben, dass wir authentisch rüber kommen. Wenn du das schaffst, ist das immer wieder eine super Erfahrung – egal wo du spielst.

Interview: Bastian Fischer

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