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Der Universitätschor sang in Loschwitz

Der Universitätschor sang in Loschwitz

Zu den Spezialitäten großer gemischter Chöre wie dem Universitätschor Dresden gehört die Polyphonie des Frühbarock eigentlich nicht. Sätze von Gabrieli, Hassler oder Schütz kommen gelegentlich und eher zur Illustrierung musikalischer Bandbreite in die Programme.

Aber Musik dieser wichtigen Epoche muss nicht nur den Spezialisten vorbehalten bleiben. Seit dem Sommer hat der Universitätschor mit Christiane Büttig eine neue Leiterin, die sich im Studium bei Hans-Christoph Rademann und im Dresdner Kammerchor intensiv mit Alter Musik befassen konnte. Sie kommt damit aus derselben Schule, wie die im Mai verstorbene Maja Sequeira, Leiterin des Chores seit 1993.

Das Weihnachtskonzert des Universitätschores mit dem programmatischen Titel "Duo Seraphim" hatte sich der Mehrchörigkeit verschrieben. Mit der Cappella Sagittariana zur Seite war dies auch stilistisch ein Experiment: die (gar nicht so kleine) Kammerbesetzung des großen Laienchores gepaart mit Dresdens renommiertem Ensemble für Musik des Frühbarock auf historischen Instrumenten. Bemerkenswert über den beachtlichen Umfang des Programms war die genaue Reaktion des Chores, den Christiane Büttig mit Leichtigkeit und akzentuiert leitete. Die Stücke bekamen dank der Größe des Chores einen klangmächtigen Zug, der durchaus einen größeren Raum als die Loschwitzer Kirche vertragen hätte.

Von Mariä Verkündigung bis zu Christi Geburt spannten sich die Stücke in einer gut durchdachten Auswahl. Und die Bandbreite des Programms lag in seiner Schwierigkeit. Vom gregorianischen Choral "A solis ortus cardine" (von der Empore gesungen) bis zum 14stimmigen Magnificat Giovanni Gabrielis oder Hans Leo Hasslers 12stimmigem "Duo Seraphim" waren die Motetten mit sicherem Vortrag und großzügiger Gestaltung versehen. Für Heinrich Schütz (Die Himmel erzählen die Ehre Gottes; Ein Kind ist uns geboren) fand Christiane Büttig eine differenzierte, klare Aussage, in der die schönen Farben des Chores in mittleren Lagen besonders gut zum Klingen gebracht waren. Heikel für den Klang war es allerdings, das Konzert im Chorton zu musizieren, da die hohe Stimmung den Stimmen gelegentlich auch Mühe bereitete. Dennoch sang der Chor ohne merklichen Verschleiß und es gab außer bei zwei, von der Cappella Sagittariana (Leitung: Norbert Schuster) lebhaft gespielten Canzonen (Gabrieli) keine Pause für die Sängerinnen und Sänger. Darin, das Programm mit weniger Großformatigem, dafür mit mehr solistischen oder instrumentalen Zäsuren zu gliedern, hätte auch die Chance gelegen, das Konzert abwechslungsreicher zu gestalten. Insgesamt war es jedoch ein interessanter Ansatz für eine Beschäftigung mit Alter Musik auf unüblicher Basis.

Hartmut Schütz

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.12.2012

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