Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 18 ° Gewitter

Navigation:
Google+
Der Traumzauberbaum trägt Trauer: Reinhard Lakomy ist tot

Der Traumzauberbaum trägt Trauer: Reinhard Lakomy ist tot

Ein Musiker, der durch viele musikalische Welten spazierte. Jazz, Schlager, elektronische Klänge, Soundtracks für Filme, Musical, Kinder-Revuen und Kinder-Lieder.

Voriger Artikel
Depeche Mode kommen nach Dresden
Nächster Artikel
Neue Lesart: Das Semperoper Ballett Dresden zeigt "Romeo und Julia"

Reinhard Lakomy 2007 mit seinem Programm "Geschichtenlieder im Traumzauberwald" in der Bader-Scheune in Eilenburg, mit ihm auf der Bühne: die Sängerinnen Katrin Schlenstedt ("Agga Knack"), Olivia Winter ("Moosmutzel") und damals neu dabei Ines Paulke (1958-2010) als "Frau Scheuche".

Quelle: Wolfgang Zeyen

Er war ein Wanderer. Der Mann mit der berlinerisch knarzenden Stimme (obwohl er Magdeburger war), den langen, dichten weißen Haaren eines Gurus, der Nickelbrille eines Gelehrten und dem Schnauzer eines 70er-Jahre-Rockers kannte musikalisch kaum eine Grenze. Wenn eine in Sicht kam, war sie im Grunde nur dazu da, überschritten zu werden.

So wurde Reinhard Lakomy nach dem Tanzmusik-Studium in Dresden erst mal Pianist bei Klaus Lenz, gründete 1967 mit Günther Fischer ein Jazz-Quartett, spielte mit Henry Kotowski, Hansi Biebl, Herbert Dreilich in der Kurzzeit-Rockband "Alexanders" (Hit: "Hoffnung", deutsche Version von "Helplessly hoping") und gründete das Lakomy-Ensemble. Da wurde er Anfang der 70er Jahre richtig bekannt. Weil niemand sein Lied "Es war doch nicht das erste Mal" (Text: Fred Gertz) singen wollte, nahm Reinhard Lakomy, Spitzname Lacky, das Alltags-Lied selber auf - mit heiserer, alltäglicher Reibestimme. Es wurde 1972 einer der großen DDR-Hits. "Heute bin ich allein" folgte - wieder ein Chartstürmer.

Lakomy tourte mit seiner Truppe, zu der auch die damals noch völlig unbekannte Angelika Mann gehörte, spielte vier Langspielplatten ein, protestierte gegen die Biermann-Ausbürgerung, was ihm einigen Ärger eintrug, und trat 1977 freiwillig von der Bühne ab. Er wollte, nachdem er 1977 die Tänzerin Monika Ehrhardt geheiratet hatte (Tochter: Klara Johanna), andere Musik machen. So entstand das Duo Lakomy-Ehrhardt. Eine ideale Verbindung. Er komponierte. Sie textete. Erst "Geschichtenlieder mit Paule Platsch" (1978), die auch zur Revue im Friedrichstadtpalast wurden, dann "Der Traumzauberbaum" (1980) um Waldwuffel, Moosmutzel und all die anderen Gestalten, deren erste Lieder sich bis heute über vier Millionen Mal verkauft haben. Da entstand mit Melodien zwischen Romantik, Tanz und Ulk, mit Fantasie-Figuren und Märchenfabeln ein ganz eigenes Universum, das Kinder und Erwachsene verzauberte. Nicht jede der Fortsetzungs-Scheiben ("Mimmelitt, das Stadtkaninchen", "Schlapps und Schlumbo", "Der Wasserkristall", "Josefin, die Weihnachtsmaus") hatte den Erfolg vom "Traumzauberbaum", doch alle klangen sie unverkennbar nach Reinhard Lakomy.

Da konnte man ihm glatt seine Ausflüge in die elektronische Sphärenmusik Anfang der 80er ("Das geheime Leben", "Der Traum von Asgard") mit einem in Ilmenau entwickelten Synthesizer verzeihen. Lacky folgte damit einem internationalen Trend jener Jahre. Allzu viele Fans fanden sich für diese Amiga-Ausflüge nicht. Auch der Versuch, 1993 ("Die 6-Uhr-13-Bahn") noch einmal mit Liedern für Erwachsene einen Erfolg zu landen, misslang. Die Zeit für die Rückbesinnung auf DDR-Musik war noch nicht gekommen.

So kehrte Reinhard Lakomy zu seinen Kinderliedern zurück, spielte regelmäßig neue CDs ein, komponierte Kindermusicals und Ballette und tourte mit über 100 "Traumzauberbaum"-Konzerten im Jahr. Inzwischen trugen eine Schule für Behinderte und eine Schule in Groß-Gaglow sowie etliche Kitas seinen Namen. Als er Ende des Jahres für "Herr Kellerstaub rettet Weihnachten" im Studio war, fühlte er sich schwach. Alles, was er sonst so gern machte, fiel ihm schwer. Den Gang zum Arzt schob er allerdings bis Februar hinaus. Am Rosenmontag erfuhr Reinhard Lakomy die Diagnose: Lungenkrebs, inoperabel. Bis zuletzt arrangierte er den "Traumzauberbaum" um. Er sollte weiter blühen. Auch wenn seine Vater gestorben ist.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.03.2013

Norbert Wehrstedt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News
Von Redakteur Norbert Wehrstedt

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr