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Der Tenor Robert Dean Smith Gast beim "Lied in Dresden"

Der Tenor Robert Dean Smith Gast beim "Lied in Dresden"

Vor zwei Jahren, bei seinem bislang leider letzten Auftritt in der Semperoper, bescheinigte die Kritik dem amerikanischen Tenor Robert Dean Smith, er sei ein "glanzvoller" Lohengrin, "strahlend in Stimme und Erscheinung", ein "Gralsritter ohne Fehl und Tadel".

Dresden. Die internationale Karriere als Wagnertenor begann spätestens 1997 mit dem Debüt als Walter von Stolzing in "Die Meistersinger von Nürnberg" in Bayreuth. Lohengrin, Siegmund und Tristan folgten. Als Stolzing war der Sänger auch in Dresden zu erleben. Doch auf den Tenor im Wagnerfach kann man ihn nicht allein festlegen. In Dresden etwa war er als Bacchus in "Ariadne auf Naxos" oder als Apollo in "Daphne" von Richard Strauss zu erleben.

Smith begann seine Laufbahn als Bariton und hielt es für unerlässlich, sich der Liedkunst zu widmen. Inzwischen, so der Sänger in einem Interview, komme es seltener vor, dass er als Wagnersänger eingeladen werde, Liederabende zu geben. Zum Glück war das jetzt in Dresden anders, wo er sich in der Reihe "Das Lied in Dresden" als Interpret dieser sensiblen Kunst des Gesangs vorstellte. Dass die Veranstalter mit dieser Entscheidung goldrichtig lagen, bewies zum einen die hochkonzentrierte Stimmung im ausgesprochen gut gefüllten Konzertsaal der Hochschule für Musik und am Ende der langanhaltende, so herzliche wie begeisterte Applaus.

Der Dresdner Liederabend des Tenors mit dem Pianisten Jan Philip Schulze beginnt mit fünf Liedern von Robert Schumann. Auf das munter dahineilende "Aufträge" folgt ein getrageneres Lied aus den hebräischen Gesängen, und nach "Myrten und Rosen" zum Gedicht von Heinrich Heine bieten Sänger und Pianist mit den Liedern "Stille Liebe" und "Stille Tränen", zu Texten von Justinus Kerner, höchst sensibel abgestimmte Interpretationen.

Selten hört man Lieder aus Richard Wagners Zyklus zu den Gedichten der Mathilde von Wesendonck von einem Tenor gesungen. Als hätte Smith die innige auf Wort und Klang bezogene Kunst des Liedgesanges verinnerlicht, hört man "Schmerzen" und "Träume" mit der anklingenden Tristan-Thematik in zurückhaltender Klarheit. Dabei, und das werden die weiteren Lieder des Abends in immer stärkerem Maße erlebbar machen, spielt die ungekünstelte Natürlichkeit des Gesangs eine wesentliche Rolle.

Bei zwei Liedern von Arnold Schönberg ist zum einen die romantische Rückbesinnung zu vernehmen, zum anderen der tastende Aufbruch des Komponisten in die anbrechende Moderne, hier aber noch in den Grenzen der Tonalität. Exemplarisch ist hier die besondere Bedeutung des Pianisten zu erleben, dessen Spiel in jedem der Stücke weniger zur Begleitung als viel mehr zur aktiv musizierenden Mitgestaltung wird.

Nach der Pause dann eine grandiose Hommage an Richard Strauss mit einer Auswahl jener Lieder, die man zu kennen meint, und die man doch in der Interpretation beider Künstler an diesem Abend gerne wieder erlebt. Da spürt man die Erfahrungen des Opernsängers, der es vermag, einen Spannungsbogen aufzubauen, wenn er mit "Ich trage meine Minne" beginnt, dann mit "Befreit" zunächst in regelrechtem Übermut, dann aber in der Abschiedsstimmung der dritten Variante des besungenen Liebesglücks, der melancholischen Todesahnung von jeder Art des Pessimismus freie Klänge gibt. Zum Abschluss überraschen Smith und Schulze mit hierzulande kaum bekannten Liedern der italienischen Komponisten Stefano Donaudy, Vincenzo de Crescenzo und Francesco Tosti, südliches Flair, melodische Melancholie.

Als Zugabe erweist sich der Tenor mit dem Gebet des Rienzi aus Wagners gleichnamiger Oper noch einmal als Könner, wenn es darum geht, die hier sich ankündigenden Momente des jugendlich dramatischen Gesanges feinsinnig mit den zuvor vernommenen Ansprüchen sensibler Gestaltungsmomente zu grundieren. Auf ein heiteres Strophenlied von Gaetano Donizetti mit fröhlichem "Tralalalera" im Refrain folgt abschließend "Zueignung" von Richard Strauss. Das dreimalige "habe Dank" dieses Liedes, besonders in der dynamischen Steigerung der Interpreten, dürfte sowohl der Begeisterung des Publikums als auch den Empfindungen der Künstler entsprechen.

MDR-Figaro sendet Ausschnitte des Konzerts, am Sonntag ab 21 Uhr

von Boris Gruhl

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