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Der Schwede Alexander Ekman choreografiert „COW“ für das Semperoper Ballett Dresden

Premiere am Sonnabend Der Schwede Alexander Ekman choreografiert „COW“ für das Semperoper Ballett Dresden

„Nein, natürlich werden am Sonnabend keine Kühe auf der Bühne der Semperoper tanzen“, so der schwedische Choreograf Alexander Ekman lächelnd im Gespräch kurz vor der Uraufführung seiner neuesten Kreation für das Semperoper Ballett. Aber Kühe spielen schon eine Rolle in diesem Stück, das ja auch „COW“ heißt.

Szene aus Alexander Ekmans Choreografie „COW“ mit dem Semperoper Ballett

Quelle: T.M.Rives

Dresden. „Nein, natürlich werden am Sonnabend keine Kühe auf der Bühne der Semperoper tanzen“, so der schwedische Choreograf Alexander Ekman mit freundlichem Lächeln im Gespräch kurz vor der Uraufführung seiner neuesten Kreation für das Semperoper Ballett. Aber Kühe spielen schon eine Rolle in diesem Stück, das ja auch „COW“ heißt. Sie sind auch nicht zu übersehen, denn das Gespräch findet am Regiepult im Zuschauerraum des Opernhauses statt. Eines dieser als elegante weiße Plastiken stilisierten Tiere schwebt schon an einem Seil vor der Bühne links über dem Orchestergraben. Auf der Seitenbühne wartet geduldig eine ganze Gruppe dieser stillen Tiere darauf, ins Spiel zu kommen.

Die Kuh in ihrer so ruhigen Lebensart, in ihrem bescheidenen Dasein, die in manchen Ländern und Kulturen sogar als heiliges Wesen verehrt wird, ist für Alexander Ekman so etwas wie ein „Symbol des Seins“. In seinem Ballett möchte er menschliches Verhalten im Alltag in Beziehungen setzen zum Verhalten so liebenswerter Lebewesen wie den Kühen.

Aus der Ruhe kommt die Kraft

„COW“, so der Choreograf, ist ein „Handlungsballett ohne Handlung“, das mag paradox klingen, aber er möchte dem Zuschauer die Möglichkeit eröffnen, eigene Assoziationen zu haben. Er möchte Erinnerungen wecken, selbst Visionen vielleicht, auch das Symbol des Tieres als Zeichen dafür verstehen, dass angesichts der Hektik und der kaum noch zu bewältigenden Schnelllebigkeit unserer Existenzen Momente der Ruhe und der Verinnerlichung das Leben leichter machen könnten.

 

Um nicht missverstanden zu werden: Alexander Ekman will uns nicht belehren, er möchte mit seinem neuen Ballett unterhalten, er möchte die Sinne ansprechen, optisch durch den Tanz, durch die Bilder, akustisch durch die Musik des Komponisten Mikael Karlsson, die in enger Zusammenarbeit mit dem Choreografen für diese Uraufführung entstanden ist und die in einer Einspielung mit dem Bundesjugendorchester zur Premiere am Sonnabend erstmals erklingen wird.

Karlsson und Ekman haben schon mehrfach zusammengearbeitet und immer ist es gelungen, Bewegung und Klang in eine kreative Beziehung zu setzen.

Tanz ist keine Artistik

Manches mag in den bisherigen Balletten von Alexander Ekman zunächst ungewöhnlich erscheinen. So bewegten sich bei seiner ersten Arbeit in Dresden mit dem Titel „Cacti“ die Tänzer wild neben den stacheligen Pflanzen. In seiner Fassung von Tschaikowskis Klassiker „Schwanensee“ setzte er die Bühne des Osloer Opernhauses als „grenzüberschreitende, spektakuläre Show“, wie die Presse begeistert urteilte, total unter Wasser. Und wenn er in einer anderen Arbeit das Balletttraining, die Synchronität oder die Pantomime kritisch und kunstvoll, auch regelrecht flapsig aufs Korn nimmt: Was zunächst absurd scheint, ist durchdacht. „Jede Pointe sitzt und man erkennt schnell, dass Ekman mit seinen Themen bis ins Detail vertraut ist“, so die Kritik zu seinem Stück „Resin“ von 2013.

Für Alexander Ekman ist klar: Man kann sich nur mit Dingen kritisch und humorvoll auseinander setzen, die man kennt und die man vor allem liebt. Und er liebt das Ballett, daher will er auf jede nur mögliche Art diese Kunst ausreizen, Tänzerinnen und Tänzer bis an die Grenzen der körperlichen Ausdrucks- und Bewegunsgmöglichkeiten führen, um dann den Moment der Ruhe ins Spiel zu bringen, zu überraschen, zum Innehalten anzuregen. Und da, so sagt er mit fröhlicher Begeisterung, könne er mit den Dresdner Tänzern regelrecht aufdrehen, die technischen Voraussetzungen dieser Kompanie seien grandios. Dennoch, es geht nicht darum, so etwas wie pure Artistik zu zeigen, die physikalischen Voraussetzungen sind die eine Seite dieser Kunst, aber sie bringen nach vielleicht kurzem Erstaunen des Publikums eigentlich nichts, wenn nicht das Können in die Kunst übergeht. Und diese Kunst beim Ballett besteht eben bei zeitgemäßem Anspruch darin, mittels des Tanzes erkennbare Situationen des Alltags in ein neues, in ein ungewöhnliches Licht zu stellen, in das „Licht der Gegenwart“, so Alexander Ekman, der natürlich gerne mit diesem Ballett auch junge Zuschauer, die ja nicht selten unter Hektik und multifunktionaler Überforderung leiden, erreichen möchte.

Die Dresdner haben eine der besten Ballettkompanien Europas

Er möchte, dass in den Aufführungen auch zu spüren ist, dass er als Choreograf ganz wesentliche Anregungen durch die Energie der Dresdner Tänzer erhalten hat, dass es ein Gewinn ist für Menschen, sich immer wieder auf Prozesse mit offenem Ausgang einzulassen, dass keine Höhe unerreichbar ist, na ja, vielleicht doch, räumt er lachend ein, „der Himmel ist die Grenze“. Aber bis dahin ist der Spielraum groß genug, um zu unterhalten, zu berühren, am Ende – frei nach Pina Bausch – sollte sich die Frage danach, wie sich die Tänzer bewegt haben, in die Frage verwandeln, wie das Publikum bewegt worden sei.

So wie er selbst, als er mit fünf Jahren spürt,e dass er die Freiheit der Bewegung brauchte, dass die Eltern spürten, das Kind solle tanzen. Der Weg als Tänzer nach erfolgreicher Ausbildung führte ihn in so bedeutende Kompanien wie das Königliche Schwedische Ballett, das Cullberg Ballett oder das Nederlands Dans Theater 2. Nach seiner Zeit als Tänzer startete er seit 2006 als Choreograf eine regelrechten Blitzkarriere, konnte sich rasch weltweit einen Namen machen. Seit 2011 ist er sogar an der berühmten Julliard Scholl in New York als Lehrender tätig. Das ist für ihn „ein Mysterium“, er liebe eben den Tanz und möchte möglichst viele Menschen an dieser Liebe teilhaben lassen.

Und jetzt setzt Alexander Ekman alle Kraft, alle Kreativität, allen Enthusiasmus daran, mit seinem Ballett „COW“ das Publikum in Dresden zu gewinnen. Diese Stadt hat er gern. Deshalb ist er auch gern wieder gekommen. Alles ist hier so nahe beieinander – die Kunst, die Kultur, die Architektur, die Landschaft – ideale Voraussetzungen, um kreativ zu arbeiten, und wenn es sein muss, auszuspannen, zur Ruhe zu kommen.

Am Ende des Gesprächs legt Alexander Ekman unbedingt großen Wert darauf, dass die Dresdner stolz sein sollten, denn mit dem Semperoper Ballett haben sie seiner Ansicht nach eine der besten Kompanien Europas. Er muss es wissen, er ist weltweit unterwegs und hat den Vergleich.

Premiere: 12.3., weitere Aufführungen: 14., 16., 17., 28.3., Semperoper

www.semperoper.de

Von Boris Gruhl

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