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Der Schauspieler Axel Prahl spielt mit seinem Inselorchester im Freiberger Tivoli

Der Schauspieler Axel Prahl spielt mit seinem Inselorchester im Freiberger Tivoli

Sie also auch. Hanna ist fünf. Seit "Blick aufs Mehr" im Herbst letzten Jahres erschienen ist, gab es jede Menge Infizierte im Land. Wie Staffelstäbchen gingen Axel Prahls Lieder von Hand zu Ohr. Sogar Menschen, denen man es gar nicht zugetraut hätte, war eine Freude zu machen mit dieser sehr persönlichen, deutsch gesungenen Mischung aus Chanson, Rock'n'Roll, Musette und Shanty.

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Hanna singt mit. Wo zunächst zu vermuten ist, dass nur ein weiterer bekannt-beliebter Schauspieler einem Hobby frönt und sich dabei mit einer käuflichen Veröffentlichung partout nicht zurückhalten kann, lag der Fall für jene, die Prahl kennen, von vornherein anders. Denn er ist mindestens genauso beseelt von Musik wie von der Schauspielkunst. Gut, dass er als Sänger und Gitarrist keine Rolle spielen muss.

"Wunderbare Lieder", sagt Regie-Freund Andreas Dresen über die Platte, "aber diese Streicher! Nein, die Streicher!" Und lächelt. Klar, Dresen, der Knappe! Prahl wollte sich nicht in falscher Bescheidenheit wiegen. Orchester - auch live. Zu neunt sitzen und stehen sie um den kleinen, bärigen Typen herum, angeführt von Danny Dziuk an den Tasten, der Studio- wie Bühnenpräsentation akustisch in Form brachte. Das altehrwürdige, fast ausverkaufte Tivoli in Freiberg schien nicht nur der denkbar passendste Ort an diesem seltenen Schneeabend, er war es auch. Prahl geht seine erste große Tour vorsichtig an: Nur ein Konzert pro Bundesland, und bevorzugt ist der Norden dran. Später im Jahr folgt der Süden der Republik.

In Clubs ist eine Konzertlänge von 50 Minuten plus zwei Zugaben machbar und wird längst von einem wachen Publikum, das keine trügerische Rechnung "Ticketpreis durch Lauflänge" aufmacht, toleriert. Dort, wo Prahl eingestiegen ist, geht das nicht. Theater beispielsweise erwarten durchaus eine Pause zwischen Sets. Was aber, wenn man eigentlich keine Sets hat? Für Prahls Inselreise gerät der Kompromiss zur Krux. Denn im kurzen ersten Teil zerfleddert sich der 51-Jährige fast selbst, als er ein Cover-Programm aufbietet, das nur in seltenen Momenten wirklich Großartiges atmet. Er beginnt mit "Summertime" als - mutmaßlich erkältet - in dickem Schal und Jacke gewandeter Robbenvater. Seine Ansagen sind überraschend unbeholfen, Prahls Axel fährt sich runter. Als die Band dazu stößt und eine launige Café-Prag-Version von "With A Little Help From My Friends" bringt, wird es nicht unbedingt besser. Auch zwei Dziuk-Songs wirken wie Fremdkörper in einem Nummernpotpourri, das nur mit Rio Reisers "Übers Meer", Roy Blacks "Du bist nicht allein" und vor allem Gundermanns "Vater" einen feinen Zugabenblock abgegeben hätte.

Axel Prahl & Das Inselorchester setzen sich nach der Pause zurück auf Los. Dann aber richtig. Richtig stark. In sich ruhend, präsent, locker, wie befreit. Die komplette Platte erklingt, und alle ihre Vorzüge schälen sich wie Häute aus einem kaum vorhandenen Korsett. Erst hier wird deutlich, welch Meister Danny Dziuk im Arrangieren ist, wie er die Kollegen mal wie ein Salonorchester, dann wie eine Klezmer-Combo oder eine Rockband zusammenbringt, wie er den stärksten Songs der CD noch einmal neue Tupfer tupft. "Weitergehn" zum Beispiel, das ein zartfühlendes Klarinetten-Geigen-Duett geschenkt bekommt. Die neun stellen sich hinter ihren Frontmann, treiben und schützen ihn, er, der plötzlich nicht mehr kaspert, sondern sehr konzentriert ist, der viel besser s i n g t als geahnt, der seinen eigenen Zeilen eindringlichere Untertöne verpasst. Die Bitterkeit des Trennungsliedes "Wieso bist du immer noch da?" wird nachgerade gallig, "Das ist die Liebe? Dass ich nicht lache!" ist als Frage und Antwort schaurig direkt, die Wollust von "Ich bin nun mal so" fast zu riechen. "Schön, dass du da bist" wird von Prahl zwar als trauriges Stück angekündigt, verstärkt aber im Aug-zu-Aug seine berührend tiefe poetische Dimension. "Bla Bla Bla", in unserer CD-Rezension noch als verzichtbar erdolcht, bekommt live einen nachhaltigen schwarzen Anstrich.

Lebenslieder, Lebensmittel, Verkostbarkeiten - Prahl, der Ex-Straßensänger, der Gelegenheitsbenefizer für die guten Sachen im Land, Dresens Duettpartner, Kommissar am Tatort, Prahl, der Typ, der das Leben im Quadrat nimmt - morgen ist heute schon gestern. Und Hanna? Hat das Prahlrecht mit fünf eingeführt.

Axel Prahl & Das Inselorchester live in Dresden: 13. Juli, 20 Uhr, Konzertplatz Weißer Hirsch

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.01.2012

Andreas Körner

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