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Der Sächsische Musikrat weist mit einem Chorkonzert auf ein wachsendes Problem hin

Ansingen gegen das Schulchorsterben Der Sächsische Musikrat weist mit einem Chorkonzert auf ein wachsendes Problem hin

Seht, was an unseren Schulen kulturell möglich ist und wie sehr die jungen Sänger mitgehen! Als ein positives Zeichen, als sprichwörtlicher Leuchtturm war ein neues Projekt des Sächsischen Musikrates intendiert.

In den vergangenen Jahren ist jeder vierte Schulchor in Sachsen eingegangen.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Dresden. Seht, was an unseren Schulen kulturell möglich ist und wie sehr die jungen Sänger mitgehen! Als ein positives Zeichen, als sprichwörtlicher Leuchtturm war ein neues Projekt des Sächsischen Musikrates intendiert, das am Sonntagnachmittag in der Dresdner Lukaskirche mit einem frischen Chorkonzert seinen Höhepunkt fand. Seit Freitagabend hatten drei Schulchöre aus Chemnitz, Wilkau-Haßlau und vom Dresdner Vitzthum-Gymnasium in der Landesmusikakademie Schloss Colditz geprobt. Fast eineinhalb Stunden umfasste das erarbeitete Programm, das zwar mit einer Transkription des feierlichen Allegrettos aus Beethovens 7.Sinfonie begann, aber weitgehend von Exotik und Folklore aus aller Welt geprägt war. Insofern kam es auch der großen Zahl von dunkelhäutigen Flüchtlingen entgegen, die vom Musikrat eingeladen worden waren und die dankbar die Kirche füllten.

Was unter der Gesamtleitung und Moderation André Schmidts von der Musikhochschule Weimar zu hören war, entzieht sich jeder Bewertung. Wer vom Einsatz der jugendlichen Choristen und einiger ihrer Eltern auf den Podesten im Altarraum noch nicht überzeugt gewesen sein sollte, der konnte in der Pause auch verbal erfahren, wie sehr sie für dieses aktive Musizieren brennen und trotz des Schulstresses Zeit erübrigen. Freilich, die Sätze waren einfach gehalten, die Harmonik überschaubar, und die Volkslieder aus Irland, Afrika oder Brasilien luden als Ohrwürmer ohnehin zum Mitsingen ein. An der Intonation, gestützt durch Klavier- und Instrumentalbegleitung, gab es nichts auszusetzen. Vor allem aber sprang der Funke jener Sangesfreude auf das Publikum über, auf den es bei einem solchen Konzert entscheidend ankommt.

So gesehen ein großer Erfolg für die Chöre, den Musikrat und die mitfinanzierende Kulturstiftung Sachsen. Wäre da nicht der Besorgnis erregende Anlass dieses Projekts. Wie auch bei den „Jugend musiziert“-Wettbewerben zu beobachten, verdecken Highlights und Spitzenleistungen die wachsenden Probleme in der Breite. Der Musikrat hatte für dieses neue Projekt bewusst Chöre von Schulen eingeladen, an denen diese Kultur noch gepflegt wird und die auch ein ansprechendes Niveau erreichen. Präsident Prof. Christoph Krummacher aber stellt betrübt eine Erosion dieser zur ganzheitlichen Ausbildung gehörenden Selbstbetätigung fest. „Die seit 25 Jahren immer wieder beschworene historisch sehr gute Schulchorlandschaft in Sachsen existiert wahrscheinlich nicht mehr“, formuliert Geschäftsführer Torsten Tannenberg drastischer. Nach eigenen Schätzungen ist in den vergangenen Jahren jeder vierte Schulchor eingegangen.
Eine Folge der lange verschlafenen Personalpolitik im Schulressort. Sachsen pfeift bei der Absicherung des Schulunterrichts nach wie vor auf dem letzten Loch. Seit dem Amtsantritt von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) vor dreieinhalb Jahren müssen alle verfügbaren Personalressourcen für diese Grundversorgung eingesetzt werden. Darin sehen Musikrat und Musiklehrer die Hauptursache für das einsetzende Schulchorsterben. Für den Ergänzungsbereich bleibt schlichtweg keine Zeit. Eine Stunde darf Dörte Rossow-Tannenberg am Vitzthum-Gymnaisum pro Woche noch für die beiden ausgezeichneten Chöre abzweigen, und da geht es ihr schon besser als vielen Kollegen. Das Zeitproblem der Lehrer wird an anderen Schulen durch das Stressproblem der Schüler und die Konkurrenz anderer Ganztagsangebote überlagert.

Das Kultusministerium verweist auf die Möglichkeit, externe Chorleiter als Honorarkräfte über das Ganztagsprogramm zu finanzieren. Es verfügt allerdings über keine Zahlen, ob und wie viele Musikpädagogen bereit sind, für das geringe Honorar die umfangreiche Ensemblearbeit zu leisten. Auch die Zahl der bestehenden oder aufgelösten Chöre ist nicht bekannt. Laut begleitender Forschung durch die TU Dresden bieten durchschnittlich mehr als 90 Prozent aller Schularten musisch-künstlerische Betätigung im GTA-Programm an. Wofür die Mittel eingesetzt werden, liegt im Ermessen der Schule.

Michael Bartsch

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