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Der Regisseur Wolfgang Engel inszeniert in Dresden "Meister und Margarita"

Der Regisseur Wolfgang Engel inszeniert in Dresden "Meister und Margarita"

Es hieße wohl Euros nach Athen tragen, zumindest den DDR-sozialisierten Dresdnern Bulgakows Roman "Der Meister und Margarita" erklären zu wollen. Am heutigen Sonnabend kommt er in einer rund dreistündigen Bühnenfassung auf die große Bühne des Dresdner Staatsschauspiels.

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Wolfgang Engel bei Proben für Meister und Margarita.

Quelle: Matthias Horn

Regisseur Wolfgang Engel, den man ebenfalls in Dresden nicht mehr vorstellen muss, ist selber gespannt, wie viel Literaturkenntnis man beim Publikum noch voraussetzen darf. Auch er redet von einem "Kultroman" und vom "russischen Faust", vom Test darauf, inwieweit das Meisterwerk auch zum Literaturkanon einer jüngeren Generation gehört. Dafür sprechen Inszenierungen der vergangenen zehn Jahre unter anderem am Wiener Burgtheater, an der Berliner Volksbühne unter der Regie von Frank Castorf oder von Sebastian Baumgarten in Düsseldorf.

Als die Mitwirkenden der Dresdner Inszenierung gemeinsam eine russische Gaststätte besuchten, berichtet Wolfgang Engel, fragte jedenfalls das Personal einschließlich der Köchin nach der Umsetzung ihnen bekannter Romandetails. So lebendig ist das Werk in Russland nach wie vor. Und im Moskauer Theater an der Taganka war 2005 die berühmte Inszenierung Juri Ljubimows von 1977 nach mehr als 1200 Vorstellungen immer noch ausverkauft.

Was macht die bleibende Faszination dieses satirisch oft konkreten und doch universellen Großwerkes aus? Es geht um die Macht der Liebe ebenso wie um die Macht des Systems und des Geldes, um Erbärmlichkeiten und Großartig- keiten, um Teuflisches und Göttliches. "Der Roman hat von Anfang bis Ende etwas mit Entlarvung zu tun", antwortet Wolfgang Engel spontan. Hier sieht er eine Parallele zu Goethes Faust. Das Gute, das der eigentlich Böses wollende Mephisto schafft, sei eben diese Enttarnung. Bei Michail Bulgakow erscheint der Magier Voland auch nicht als Inkarnation des absolut Bösen, sondern als Verführer, als treibende Kraft, als Dialektiker. Durch den Nebel der Verlogenheiten verhilft er der Wahrheit zum Durchbruch.

In der stalinistischen Sowjetunion war das eine konkrete Provokation. An Aktualität habe das Werk aber nicht ein- gebüßt, findet der Regisseur.

"Jede Macht beschädigt Menschen", zeigten insbesondere die Pilatus-Jesus-Dialoge. "Wer die Wahrheit sagt, muss weggeräumt werden!" Angst sei heute weiterhin gegenwärtig, beispielsweise bei abhängig Beschäftigten, die alles mitmachten, um ihren Job nicht zu verlieren.

Wie bringt man die verschiedenen Handlungsebenen und das umfangreiche Personarium auf die Bühne? Nach Thomas Manns "Joseph und seine Brüder" und Uwe Tellkamps "Turm" habe er jedenfalls keine Probleme mit "Verstückungen" von Romanen, wenn denn die Bühnenfassung für sich spreche, betont Engel. Die von ihm gemeinsam mit Dramaturgin Felicitas Zürcher erstellte Dresdner Fassung ist vor allem inspiriert von der Bearbeitung Heinz Czechowskis, des 2009 verstorbenen sächsischen Dichters. Dramaturgisch könne man den Meister und seine geliebte Margarita nicht erst zur Mitte des Romans einführen, sagt der Regisseur.

Sie werden deshalb in einem Prolog vorgestellt. Ihre "wahnsinnige, unbändige und wahre Liebe" bildet den Hauptstrang der Inszenierung.

Den Zuschauer erwarten verschiedenste Spielweisen von der Groteske bis zur Tragödie, verrät Wolfgang Engel schon. Jedenfalls nicht unbedingt Varieté-Ästhetik, wie sie Volands Publikumsver- und -vorführung nahe legt und wie sie Ljubimows Inszenierung bedient. Das ließe schon das Bühnenbild von Olaf Altmann nicht zu, ein in Dresden gleichfalls gut eingeführter Künstler, der für seine kargen, aber aussagekräfti- gen Bilder bekannt ist. Engel wirft nur das Stichwort "Großstadtlabyrinth" ein, mehrere Spiel-Räume jedenfalls, alles weitere werde die heutige Premiere zeigen. Das Ensemble kann sein Vielseitigkeit demonstrieren, trotz reduzierter Figurenzahl haben viele mehrere Rollen zu spielen. Ein irgendwie bemühter Dresden-Bezug ist nicht zu erwarten, der heikle Gedenktag am Montag bestimmt zwar die Reihe Dresdner Reden, aber nicht jede Inszenierung.

Premiere: Sonnabend, 19.30 Uhr, Schauspielhaus (ausverkauft, eventuelle Restkarten an der AbendkasseAufführungen: 13.2.,19.30 Uhr (nur Restkarten), 21.2., 1., 9., 16., 24.3., 5.,15.4.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.02.2012

Michael Bartsch

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