Volltextsuche über das Angebot:

20 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Der Philharmonische Kinderchor und der Philharmonische Chor Dresden traten in der Frauenkirche auf

Der Philharmonische Kinderchor und der Philharmonische Chor Dresden traten in der Frauenkirche auf

Ein Stückchen schöne Musik für den Hörer - das kann für die Ausführenden durchaus zur eher undankbaren Aufgabe werden. Zumal für einen Laienchor, der - weil Singen nicht sein täglich Brot ist - einige Wochen Probenarbeit investiert.

Das Ergebnis präsentiert man dann gern in mehreren Konzerten, auf dass sich die Mühe lohne. Nun gibt es die Programme in der Frauenkirche jedoch nur an je einem Termin. Hervorragend sitzen muss das Einstudierte trotzdem, auch wenn es nach sechs Minuten schon wieder vorbei ist. Respekt darum dem Philharmonischen Kinderchor und dem Philharmonischen Chor Dresden, die zum jüngsten Konzert der Dresdner Philharmonie auf punktgenaue Weise interessante, nicht alltäglich zu hörende Klänge und Farben beisteuerten.

Der Kinderchor eröffnete den Abend mit Francis Poulencs "Litanies à la vierge noire". Die dreistimmige, orgelbegleitete "Litanei an die schwarze Madonna" schuf der Franzose 1936 nach einer Pilgerfahrt zur Schwarzen Madonna von Rocamadour eigentlich für Frauenchor. Sie hier von Kinderstimmen zu hören, trübte den Eindruck in keinem Moment, sind doch die jungen Sänger geschult und selbstbewusst genug, eine solche Aufgabe für sich einzunehmen. Von der Orgelempore herab entfalteten sie unter Leitung von Chordirektor Gunter Berger und gemeinsam mit Daniel Roth an der Orgel - die Poulenc eher als klangliches Amalgam und tonlichen Stichwortgeber einsetzt - facettenreiche Klänge, die dem inhaltlichen Charakter sehr gut gerecht wurden.

Gleiches kann man vom Philharmonischen Chor sagen, der mit "Cantique de Jean Racine" ein Gesellenstück von Poulencs Landsmann Gabriel Fauré vorstellte - hier in der Bearbeitung für gemischten Chor, Harfe und Streichorchester von John Rutter. Entsprechend agierte der von Berger einstudierte Chor vom Altarplatz aus und erfreute gemeinsam mit den Philharmonikern unter Chefdirigent Michael Sanderling mit spannungsvoller Bogenführung, wacher Dynamik und einer angenehm schlichten Interpretation, die das Stück weitgehend vor der Kitsch-Werdung bewahrte. Vielleicht, dass den Herren künftig noch ein wenig mehr sängerischer Mut zu wünschen wäre -

Zwischen den Chorstücken war Poulencs Konzert g-Moll für Orgel, Streichorchester und Pauke erklungen. Es machte sich gut in diesem Raum und mit der ihre französische Herkunft nicht verleugnenden Kern-Orgel, die der Franzose Daniel Roth - hochverdienter, renommierter Vertreter seiner Zunft - entsprechend zum Gleißen brachte. Gleichwohl erhielten auch die sinnlichen Momente Gewicht, zumal Michael Sanderling sehr organisch die einzelnen Passagen des Konzerts und ebenso die Motivik von Orgel und Orchester zu verweben verstand. Winzige Verwerfungen in den hochvirtuosen Orgelpassagen blieben zu konstatieren, kratzten aber nicht an der musikalischen Hochspannung.

Solche war ungemein wichtig auch beim letzten Stück - Anton Bruckners Streichquintett F-Dur in der Fassung für Sreichorchester (deren Urheber das Programmheft trotz mehrerer Möglichkeiten verschweigt). Bruckner hat sich am Genre Kammermusik bekanntlich eher selten abgearbeitet - das F-Dur-Quintett ist darin sein bekanntestes Werk und von für die Gattung seinerzeit durchaus eigenwilligem Gestus, den es auch in größerer Besetzung spannungsvoll zu tragen gilt. Der eher zurückhaltende Kopfsatz braucht durchhörbare Struktur, das Scherzo klare Eleganz, das Adagio ungemeine Energie und Ausdruckskraft, das durchaus an einen Sinfoniesatz gemahnende Allegro nach der langen Ruhephase wiedererwachende kraftvolle Spiellust - alles gegeben bei den Philharmonikern unter Sanderling; die winzigen Wackler in den Spitzentönen der Violinen zu Beginn des letzten Satzes waren schnell ausgemärzt. Als sehr positiv entpuppte sich übrigens die Orchesteraufstellung mit den hinten nebeneinander aufgereihten Bässen und den fast mittig orientiert davor sitzenden Celli: Haben die tiefen Register in der Frauenkirche sonst immer einen eher schweren Stand, bildeten sie auf diese Weise ein sehr gut und ausgewogen hörbares Fundament.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.04.2013

Sybille Graf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr