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"Der Nussknacker" feierte Ballett-Premiere in der Semperoper

"Der Nussknacker" feierte Ballett-Premiere in der Semperoper

Obwohl der freundlich-herbstliche Novembertag doch eher kaum weihnachtliche Gefühle aufkommen lässt, haben garantiert manche Besucher, die am frühen Samstagabend zur "Nussknacker"-Premiere in die Semperoper kommen, auch schon einen der neu eröffneten Weihnachtsmärkte besucht.

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Jirí Bubenícek, István Simon, Anna Merkulova & Ensemble.

Quelle: Costin Radu

Und dazu passt es, dass sich zu Vorstellungsbeginn auf der Bühne ein fröhlich-wuseliges Markttreiben vor der assoziierten, mit Naschwerk bekrönten Zwingerkulisse abspielt, in das - mit einer neugierigen Kinderschar im Gefolge - sogleich der Pate Drosselmeier eintaucht. Die Zuschauer im Saal sind natürlich nicht minder erwartungsfroh, und die Vorfreude auf eine verzaubernde, liebenswerte Ballettaufführung liegt quasi in der Theaterluft - jedermann erwartet sich ein Fest.

Das Schöne daran ist, und das zeigen auch Zwischenapplaus sowie der begeisterte Schlussbeifall, dass die Gäste jeglichen Alters spürbar darin nicht enttäuscht werden. Sie alle kommen später bestens aufgelegt aus dem Opernhaus - erzählen, beschreiben, fragen nach, diskutieren. Und eine Frau mittleren Alters umarmt glücklich ihren Begleiter, bedankt sich für die wunderbare Einladung. An diesem Abend gibt es tatsächlich viel zu sehen, zu hören, zu entdecken, und auch das längst bekannte Geschehen bleibt halbwegs überschaubar. Wenngleich auch die Überfülle an Personen auf der Bühne zuweilen etwas verwirrend ist. Da finden sich ab und an in der choreografischen Substanz gestalterische Defizite, und hin und wieder bewirkt am Premierenabend das forcierte musikalische Tempo - die Sächsische Staatskapelle Dresden spielt unter der musikalischen Leitung von Vello Pähn - auch "Unstimmigkeiten" zwischen Orchestergraben und Bühne. Was aber bei einem Gemeinschaftsprojekt dieser Dimension irgendwie voraussehbar und wohl auch weniger problematisch ist. Die Choreografie nach Marius Petipa teilt sich auf in Arbeiten von Aaron S. Watkin (1. Akt, 3. Bild und 2. Akt/Company) sowie Jason Beechey (1. Akt, 1. und 2. Bild, 2. Akt/Kinder). Und es ist erfreulich, was gegenüber der "Dornröschen"-Inszenierung beispielsweise ein großer Fortschritt ist, dass in dieser Aufführung weniger bedeutungsschwer geschritten und zelebriert, sondern mit Unbeschwertheit und Freude auch viel getanzt wird.

Dazu tragen jeweils beide Seiten bei, sowohl die gut motivierten Tanzstudenten und -schüler als auch die Mitglieder vom hervorragenden Ensemble des Hauses - eine neuerliche Zusammenarbeit zwischen der Palucca Hochschule für Tanz und dem Semperoper Ballett Dresden. Auf praktische und gewissermaßen ertragreiche Weise bewährt sich diese für die Mitwirkenden ebenso wie für das Publikum. Besonderen Spaß hatten die Zuschauer offensichtlich auch beim Auftreten der imposanten Mutter Gigogne (Emanuele Corsini), die wie eine Glucke unter ihrem Rock die Kükenschar der Polichinelles-Puppenfiguren (Kinder der Puck-Kindertanzklassen an der Palucca Hochschule für Tanz e.V.) beherbergt und als drollige Attraktion ins Spiel bringt.

Überhaupt birgt das wechselnde Geschehen im Land der Süßigkeiten mit den beliebten Divertissements für die Besucher reichliche Überraschungen. Und so sind sie entzückt, wenn Jon Vallejo als Chinese seine enorme Sprungkraft beweist. Oder das Männertrio im "Russischen Divertissement" mächtig gewaltig auftrumpft. Auch Jenni Schäferhoff hat als biegsame Orientalin reichlich Fans, wenngleich hier die Choreografie auch noch stärker das Sinnliche, Geheimnisvolle der Figur akzentuieren könnte.

Ausgesprochen sympathisch ist, wie - verwoben in den berühmten Blumenwalzer - Anna Merkulova als erwachsene Marie mit Istvan Simon in der Rolle des von ihr erträumten Prinzen so fließend, frei und ungekünstelt tanzt, dass man in ihr ebenso das Mädchen erahnen kann. Welches in der rasant ablaufenden Schlussszene wieder als kleine Marie (Lydia Jahn) aus ihrem Traum erwacht, mit dem Nussknacker im Arm. Ein absoluter Höhepunkt des Abends ist der Grand pas de deux von Zuckerfee und Gemahl - die zu genießende Rückkehr zu den "geordneten Strukturen" des Klassischen Tanzes. Hier offenbaren Yumiko Takeshima und Jiri Bubenicek, wie wunderbar erlösend es sein kann, wenn sich Klasse von Masse abhebt, sich der Tanz auch choreografisch auf einer Ebene bewegt, die zu überzeugen vermag. Was auf Petipa verweist. Vor allem aber der Eleganz und Noblesse dieser beiden Solisten zu danken ist.

Übrigens hat sich eine ganz besondere Assoziation an diesem Abend merkwürdig hartnäckig im Gedächtnis festgesetzt. Es ist ja nicht zu übersehen, dass Roberta Guidi di Bagno (Bühne und Kostüme) mit ihrer verwandlungsfähigen Szenerie unser aller geliebtes Dresden assoziiert. Welches bekanntlich in schönster Euphorie auch als Elb-Florenz gerühmt wird. Wenn also der Prinz seine staunende Marie auf dem Chaiselongue über die Bühne gleiten lässt wie auf einem Boot, dann erahnt man das Traumschiff quasi als "Brückenschlag" zwischen Florenz und Dresden, Arno und Elbe, Süden und Norden. Und mit der dem Ballett zugrunde liegenden Geschichte von E.T.A. Hoffmann "Nussknacker und Mausekönig" sowie im beflügelnden Klang der wunderbaren Musik von Tschaikowsky legt die fantasievolle italienische Bühnen- und Kostümbildnerin mit ihren Dresdner Partnern an den Ufern von Elb-Florenz an... Wenn das mal kein absichtsvoller Zufall ist.

Gabriele Gorgas

nächste Vorstellungen bereits ausverkauft

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2011

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