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Der Neue Sächsische Kunstverein würdigt den Dresdner Maler Rainer Zille

Ausstellung Der Neue Sächsische Kunstverein würdigt den Dresdner Maler Rainer Zille

Sieben Gemälde und etwa 30 Arbeiten auf Papier – das ist der Umfang einer dem Dresdner maler Rainer Zille gewidmeten Ausstellung im Neuen Sächsischen Kunstverein. Zilles Werk ist vielfältig und voller Geistesgehalt. Die Schau wird zu einer Nachbetrachtung auf den 2005 gestorbenen Künstler.

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Rainer Zille: Landschaft mit Maschine, 1988.

Quelle: Tomas Petzold

Dresden. Der Neue Sächsische Kunstverein schließt den kleinen Reigen der Gedenkausstellungen für den Dresdner Maler Rainer Zille (1945-2005) mit einer wiederum sehr gediegenen Auswahl von Arbeiten aus dem Nachlass, die von der Witwe des Künstlers Petra Zille besorgt wurde.

Einige der sieben, fast durchweg großformatigen Gemälde hängen bzw. stehen im Kunstraum auf der Dresdner Schützengasse gewissermaßen als tragende Eckpfeiler, die niedrige Deckenhöhe der Galerie kann ihnen nichts anhaben. Vielmehr scheinen sie den Raum zu weiten, führen sie den Blick aus der engen Umgebung ins Unendliche, ins Überirdische, bis zum sagenhaften Atlantis, einer sanften Hügellandschaft unter roter Sonne, in der sich geheimnisvolle Fundstellen andeuten (2002, Öl/Collage). Auch die flankierenden Werke an der Straßenfront bieten Motive zwischen Tag und Traum, einerseits die „Indian Night“ von 1998 (entstanden auf der USA-Reise mit Veit Hofmann), das Metronom-Erkennungszeichen mutiert zum Tipi, das geliebte Azur zum tiefsten Kobaltblau über der saftig grünen Prärie. Andererseits und gegenüber „Undine“ nur eine Ahnung wie in einem riesigen Aquarium aus Oliv, Violett und Türkis, in das eine scharfe, bleiche Mondsichel hineinschaut.

Zwischen diesen fast überdimensionalen Bildern reihen sich knapp 30 Arbeiten auf Papier, vor allem Zeichnungen, in Kohle, Tusche, Graphit, verschiedene Mischtechniken, Collagen, wenig Druckgraphik (Offsetlitho, Litho). Das sind aber alles andere als füllende Zugaben, zumal es sich bei Zilles Blätter fast nie um Vorstufen oder Miniaturen von Gemälden handelt, sondern um eigenständige Genres, für die er auch jeweils die entsprechende Diktion entwickelt hat. Zwar ist es hier, allein schon gemessen an der Zeitspanne zwischen einer den Widerstand des Papiers auskostenden Kohlezeichnung von 1977 (o.T. Zwei Schauspieler) und dem flüssig aufs Blatt gebrachten „Garten“ mit dem rätselhaften Baum-Wesen (August 2005) um eine äußerst fragmentarische Auswahl, aber sie deutet doch an, welche Funde in Zilles Hinterlassenschaft noch verborgen sein mögen.

Ein einender Aspekt scheint mir das Theatralische, mit seinen sinnbildhaften Konstellationen und Arrangements, den inneren, geheimen, symbolhaften Haltungen (nicht Handlungen), die Zille zunächst auf und hinter der Bühne aufspürte, später auf andere Akteure übertrug. Bekannt sind insbesondere seine skurrilen Maschinen, die in Zeiten des Umbruchs vergebliche oder gefährliche Kämpfe ausfochten, aber durchaus auf eine reale Faszination und ernsthafte Auseinandersetzung mit Technik und Arbeitswelten zurückgehen, wie man an dem Blatt „Landschaft mit Maschine“ (Kreide/Aquarell 1988) sehen kann. Später wuchsen ihm seltsame Gewächse, die auf ihrem angestammten Grund zu wandeln scheinen, und am Himmel erscheinen neben Sonne und/oder Mond obskure Flugobjekte. Das alles sind freilich keine freien Erfindungen, sondern von Träumen überformte Erlebnissen und Beobachtungen.

Wie zielstrebig und genau Zille dabei seine Vorstellungen umsetzen konnte, mag man am Vergleich der beiden Graphitzeichnungen „Elbbagger“ und „Schlafender Bagger“ aus dem Jahr 1987 erahnen. Geben dichte Strichlagen und Verwischungen diesen Blättern noch etwas Malerisches, werden andere weitgehend von der kargen Linie bestimmt, mit der Zille in wenigen Strichen nervig und zupackend Raum und Objekt zu definieren wusste. Dabei wird Ahnungsvolles, Bedrohliches oftmals aufgebrochen durch einen grimmigen Humor, der sogar spielerisch und sprühend geistvoll sich ausleben konnte, wenn Zille „fremdging“ und Collagen klebte oder gar einmal klempnernd zu Werke ging (wovon hier leider nichts zu sehen ist).

Die in unterschiedlichsten Konstellationen benutzte „Mischtechnik“ ist freilich nicht nur unter dem Aspekt des Spielerischen oder Experimentellen zu sehen. Wenn Zille z.B. öfter mit und auf Packpapier gearbeitet hat, ist das kein Widerspruch dazu, dass er sich für die Qualitäten feinster Zeichen-, Druck und Aquarellpapiere hell begeistern konnte, sondern gelegentlich einfach Folge eines Mangels, so als beim Aufenthalt in Columbus/Ohio infolge der Euphorie des Schaffens einmal nichts anderes verfügbar war. Bei den beiden Blättern „Qualität aus Meisterhand“ und „Schon wieder Regen“ aus dem Jahr 2001 dürfte es sich dagegen um launig verarbeitete Funde handeln, womit der Künstler auch einmal sich und seine Befindlichkeiten auf die Schippe nahm.

Von seinen Krisen und Zweifeln, von seinen gesundheitlichen Problemen und manchmal euphorisch kurzen Schaffensphasen, die sich zu Lebzeiten und mancher Ausstellung niederschlugen, erfährt man hier nichts. Die tiefe Versenkung, in die er sich etwa mit den beiden äußerst dichten, im Zentrum fast nachtschwarzen Tuschezeichnungen aus dem Jahr 2003 begab, hat keinen erkennbaren Kontext. So bleibt am Ende alles in guter, aber wohl auch etwas unverbindlicher Erinnerung, wenn man nicht begreift, dass die dürren Windmühlenrädchen über den eben erwähnten Landschaften Zeichen eines gescheiterten Kampfes oder Kämpfers sein könnten.

bis 27. Februar, Kunstraum des Neuen Sächsische Kunstvereins, Schützenplatz 1, geöffnet Di-Fr 14-18, Sa 10-14 Uhr und nach Vereinbarung

www.saechsischer-kunstverein.de

Von Tomas Petzold

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