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Der Nagel im Plüschherz: Assemblagen, Collagen, Objekte, Skulpturen und Zeichnungen von Jacek Weselowski in der Galerie Mitte in Dresden

Der Nagel im Plüschherz: Assemblagen, Collagen, Objekte, Skulpturen und Zeichnungen von Jacek Weselowski in der Galerie Mitte in Dresden

Das "Denk-Mal der Enge" (1988) von Jacek Wesolowski in einer Ausstellung der Galerie Mitte zeigt ein kleines Kind, das in einen engen Glaskasten gezwängt ist. Nur der Kopf schaut ein wenig heraus.

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Jacek Wesolowski: "Denk-Mal der Quälenden Gedanken", 2006.

Quelle: Flyer

Auf diese Weise werden die Objekte der Einschreinung von menschenähnlichen Substraten zu Gleichnissen von Allzumenschlichem, Allegorien menschlicher Erfahrungen, die immer auf einen Aha-Effekt zugespitzt sind. Gewissermaßen in vitrio dienen sie der Demonstration und Anschauung, ähnlich pathologischen Präparaten. Man steht vor ihnen, staunt, schmunzelt oder es graust einem vor den eigenwilligen "Problemlösungen". Manches davon verweist auf die schwachen Seiten menschlichen Lebens, anderes wieder lebt von einer archaischen Magie ("Denk-Mal der nicht erwiderten Liebe", 2004), wie der Nagel im großen Plüschherz, tausend Verwünschungen aussprechend.

Jacek Wesolowski spielt mit den Möglichkeiten des Materials, integriert neben Zivilisationsüberresten auch selbst geschaffene Köpfe und Skulpturen, wie im Relief "Krüppel" (1983) und dem daneben befindlichen Pastell. Gewalt und Krieg, Macht, Liebe und Tod sind dabei seine zentralen Themen. Für sie stehen seine einfallsreichen, ganz im Existentiellen angesiedelten Kunstwerke, die oft die Verletzlichkeit und Bedrohung des Menschen durch sich selbst anschaulich zelebriert.

Eine feine ästhetische Spur durchzieht die Präsentation, Hinterkopf-Gedanken, die den Spaß am Erzählen vom Eigenen und Anderen ausdrücken. Bandagierte Köpfe sind dabei meist ein Gleichnis auf eine psychische Störung wie in "Denk-Mal des Gewissens" (2001) oder Ausdruck intensiver Selbstschau.

Tagebuchnotaten als Schrift und Zeichnung oder auch als farbige Arbeit auf Papier bilden neben einer gleichnamigen Installation einen Schwerpunkt in Jacek Wesolowskis künstlerischer Arbeit. In Folie verpackte Tagebücher liegen als Zeugnis eines inneren Geheimnisses und in Verbindung mit einer zutiefst kritischen Orientierung auf einem kleinen Tisch in der Ausstellung, gekrönt von farbigen Figurinen auf seltsamen Metallteilen ("Denk-Mal des Staates und der Gesellschaft", 1996).

Eine Fotoserie bedient sich der noch verpackten Papierfotos von populären Denkmalen (Städte in Deutschland, Polen, Italien, Spanien) mit ihren Highlights aus unterschiedlichen Zeit- und Kunstepochen, um auf die zwiespältige Rolle des Denkmales in der Geschichte der Nationenbildung und der aktuellen Politik hinzuweisen. Eine andere Wand dokumentiert die tägliche Zeichenarbeit an Entwürfen oder Tagesnotierungen, die irgendwann vielleicht ein "ausgewachsenes Kunstwerk" werden. Darunter sind erfrischende farbige Arbeiten auf Papier mit einer besonderen Leichtigkeit und Lockerheit, die wie ein Kaleidoskop täglich sich variierender innerer Anschauungen wirken.

In den Assemblagen verdichtet der Künstler seine unterschiedlichen Fähigkeiten im Umgang mit dem Material. Malerisches, Konstruktives und Plastisches wirken zusammen, wie in "100 Zlotych" (I und II, 2012), eine Persiflage auf Bestechung und Käuflichkeit mit einer anonymen, durch textile Bandagen verdeckten Figur. Gespenstisches dagegen (mir war das etwas zu plakativ) klingt bei der Assemblage über dem Grafikschrank an: Auf einem düsteren Ölschinken mit Wald applizierte er vier Figürchen, die durch Linien in Beziehung zueinander stehen. Vanitas und falsches Heldentum dagegen sprechen sich in einem grabähnlichen Objekt mit Erde und Heldenorden auf einem grünen Oberhemd aus ("Denk-Mal des Patriotismus", 2011).

bis 1. Dezember. Galerie Mitte, Striesener Straße 49, Tel.: 0351/4590052, geöffnet: Di-Fr 15-19, Sa 10-14 Uhr

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.11.2012

Heinz Weißflog

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