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Der Meister zwischen Meistern - Vor 150 Jahren starb Heinrich Marschner

Der Meister zwischen Meistern - Vor 150 Jahren starb Heinrich Marschner

In einer seiner ersten Veröffentlichungen, der 1938 in Dresden erschienenen Biografie Heinrich Marschners, nannte Günter Haußwald - in den Jahren 1947 bis 1953 hoch angesehener Dresdner Operndramaturg - den Komponisten, dessen Schaffen ein wichtiges Bindeglied zwischen Carl Maria von Weber und Richard Wagner gewesen ist, zu Recht einen "Meister zwischen Meistern".

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Heinrich Marschner

Seinerzeit war es überdies noch nicht allzu lange her, dass Hans Pfitzner, wenn auch vergeblich, versucht hatte, durch Neubearbeitungen die drei bedeutendsten der zahlreichen Opern Marschners, "Der Vampyr", "Der Templer und die Jüdin" sowie "Hans Heiling", für das Repertoire der Opernhäuser zu retten.

Doch blieben Aufführungen dieser Werke nach jahrzehntelangen Erfolgen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts über die Wende zum 20. Jahrhundert hinaus eher Ausnahmen. Einzig "Hans Heiling" bewies eine gewisse Durchschlagskraft, so dass die Oper heute noch gelegentlich in den Spielplänen der Theater auftaucht. Ansonsten sind Platten- bzw. CD-Produktionen an die Stelle lebendiger Begegnungen mit dem Œuvre des Komponisten getreten. Dessen musikalische Qualitäten stehen außer Frage, wenn auch hier und da Kritik laut geworden ist, etwa kleinbürgerlich-biedermeierliche Enge, ja eine gewisse Beschränktheit seiner künstlerischen Mittel wie Liedertafelei gerügt wurde. Dennoch sind es wohl eher die Textbücher, die dramaturgischen Verhältnisse der meisten seiner Bühnenwerke, die die Abstinenz zeitgenössischer Theater heute erklären.

Carl Maria von Weber, dessen 225. Geburtstag im vergangenen Monat nicht nur in Dresden gedacht worden ist, war einer der ersten, die das Talent des jungen Marschner erkannten. Geradezu begeistert war er von dessen früher dreiaktiger Oper "Heinrich IV. und d'Aubigne", die er am 19. Juli 1820 in Dresden uraufführte. Schon im Vorjahre war Marschner einer der Gäste im Idyll des Hosterwitzer Sommerhauses Webers gewesen. Er unterstützte den verehrten Freischütz-Komponisten zugleich in seinen Bemühungen um die deutsche Oper und erließ in dieser Sache einen eigenen Aufruf zur Schaffung einer deutschen Nationaloper. Fortan partizipierte er nicht zuletzt selbst von der Kunst Webers, die ihn mächtig anzog, ja faszinierte. Weber gefiel allerdings auf Dauer seines Bewunderers diverse Charakterschwächen nicht, insbesondere seine Grobschlächtigkeit. Er war auch durchaus nicht einverstanden, als man ihm diesen durch Entscheidung höheren Orts 1824 als Musikdirektor zur Seite stellte, hatte er sich doch eher seinen Freund Johann Baptist Gänsbacher gewünscht.

In Dresden wurde Marschner durch Intendant von Könneritz begünstigt, der ihm Aufträge für Schauspielmusiken erteilte und Kontakte zu den Kreisen um Ludwig Tieck und Friedrich Kind verschaffte, sowie durch Premierminister von Einsiedel, der ihm Wege zu den Hofkonzerten bahnte.

Am 22. Februar 1825 brachte Marschner seine einaktige komische Oper "Der Holzdieb" auf ein Libretto des "Freischütz"-Dichters Friedrich Kind zur Uraufführung. Dennoch hatte er, der im Hause Amalienstraße 15 seit 1821 für fünf Jahre wohnte, bei Ensemble und Orchester aufgrund seiner Selbstherrlichkeit keine Chance, Webers Nachfolger nach dessen Tode 1826 zu werden. Stattdessen wurde Carl Gottlieb Reißiger verpflichtet. Der enttäuschte Marschner, der sich schon 1822 vergeblich um das Kreuzkantorat beworben hatte, löste seinen Vertrag, heiratete in dritter Ehe die bildschöne Hamburger Sängerin Marianne Wohlbrück, verließ Dresden und ging auf Reisen, bis sich ihm in Leipzig eine neue Stelle bot.

1844 sowie 1845 fanden in Dresden noch die Erstaufführung der Marschnerschen Erfolgsoper "Hans Heiling" und die Uraufführung seiner romantischen Oper "Kaiser Adolph von Nassau" unter Wagners Leitung statt. Dieser schätzte Marschner durchaus, wenngleich er auch nicht umhin konnte, ihn nach seiner Art zu schmähen. So urteilte er einmal über den Unbequemen, er habe sich "unrettbar in die Seichtigkeit des ungebildeten Nichthochbegabten" verloren. Dabei hat er von ihm profitiert: Frühwerke wie "Die Feen" (1833/34) und "Der fliegende Holländer" (Dresdner Uraufführung 1843) verdankten ihm stofflich und selbst musikalisch manches. Volkstümliche, dämonische Elemente, die Marschner in eigenständiger Weiterführung von Weber übernommen hatte, gab er seinerseits an Wagner weiter.

Als dieser als Dresdner Hofkapellmeister am 22. September 1848 das 300. Jubiläum seiner Kapelle mit einem Festkonzert und einem Bankett in der Dresdner "Harmonie" feierte, war Marschner unter den geladenen Ehrengästen, ja sogar unter den Festrednern.

Seit seinen Leipziger Tagen, vor allem danach in seiner langen Wirkungszeit in Hannover fand er auch als Dirigent gesteigerte Aufmerksamkeit und Anerkennung gegenüber der Dresdner Zeit, während sich indessen seine kompositorische Karriere nicht gleichermaßen weiter aufwärts bewegte. Auch wenn Marschner eher zu Webers stilistischer Nachfolge als zu späteren Neuerungen Wagners tendierte, hielt er durchaus Kontakt zu letzterem. In Hannover erklangen in seiner Ägide in den 1850ern immerhin erstmalig "Lohengrin", "Tannhäuser", "Der fliegende Holländer" und schließlich "Rienzi".

Heinrich August Marschner wurde am 16. August 1795 in Zittau geboren. Er entstammte einer aus Böhmen eingewanderten Handwerkerfamilie. Seit 1804 besuchte er das Johanneum in seiner Heimatstadt. Um den Unterricht des angesehenen Lehrers, Komponisten und Organisten August Bergt zu erhalten, ging er 1807 zeitweilig nach Bautzen. 1811 bis 1813 war er Kompositionsschüler des Musiklehrers Gottlieb Hering. Nach der Gymnasialzeit studierte er Jura an der Leipziger Universität sowie Musiktheorie bei Thomaskantor Johann Gottfried Schicht. Auf kleineren Reisen seit 1815 traf er im Folgejahr in Wien mit Beethoven zusammen, eine Begegnung, die ihn allerdings enttäuschte. Er übersiedelte anschließend nach Pressburg (heute Bratislava), wo er in fürstlichen Diensten als Musiklehrer und Kapellmeister arbeitete. Die hier entstandene Oper "Heinrich IV. und d'Aubigne" bot er, wie gesagt, 1820 Weber in Dresden zur Uraufführung an.

1827 wurde Marschner Kapellmeister am Stadtheater in Leipzig. Hier machten ihm die auf Texte seines Schwagers W. A. Wohlbrück komponierten Opern "Der Vampyr" (1828) und "Der Templer und die Jüdin" (1829) schlagartig berühmt. 1831 erfolgte dann seine Berufung als Hofkapellmeister in Hannover, ein Amt, das er 28 Jahre mit großer Hingabe versah im Dienst einer bewussten Pflege der deutschen Oper, was allerdings mit bevorzugten Aufführungen von Opern Glucks, Mozarts, Webers und anderer dem betont italienisch orientierten Geschmack des Hannoverschen Hofes durchaus nicht entsprach. So wurde der Künstler, der sich große Verdienste um das Musikleben Hannovers erworben hatte, schließlich, obwohl auf Lebenszeit angestellt, 1859 pensioniert, doch zuvor noch zum Generalmusikdirektor ernannt.

1855 schloss er nach Mariannens Tod mit der Sängerin Therese Janda seine vierte Ehe, die dem Alternden zeitweilig neue Schaffenskraft verlieh, jedoch kaum Erfolg mit seinen späten Opern. Als Marschner am 14. Dezember 1861 in Hannover starb, war er bereits nahezu vergessen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.12.2011

Dieter Härtwig

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