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Der Maler Harald Metzkes wird 85 - das Dresdner Leonhardi-Museum ehrt ihn mit einer Ausstellung

Der Maler Harald Metzkes wird 85 - das Dresdner Leonhardi-Museum ehrt ihn mit einer Ausstellung

Für den Maler Harald Metzkes, der heute seinen 85. Geburtstag feiern kann, hat das Dresdner Leonhardi-Museum eine Retrospektive ausgerichtet. Außerdem ist ein Katalog erschienen, der gemeinsam mit der Berliner Galerie LEO.

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Harald Metzkes. Selbst im Gehäuse. 2013.

Quelle: Harald Metzkes

COPPI herausgegeben wurde, wo am Wochenende ebenfalls eine Ausstellung zu Ehren des in Bautzen geborenen, heute in Wegendorf bei Berlin lebenden Künstlers eröffnet wird. Es ist also ebenso logisch wie hilfreich, dass der knapp 90 Seiten umfassende Band deutlich über die für Dresden getroffene Auswahl hinausgeht. Er zeigt 47 weitere Gemälde, von denen einige vor nicht einmal einem Jahr in der Kunsthandlung Koenitz zu sehen waren (DNN vom 25.5. 2013). Allerdings fehlen einige neuere Bilder, und die zwölf aquarellierten Federzeichnungen aus dem Zyklus zu "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" von Laurence Sterne (1713-1768), sehr deftige, durchaus in der historischen Zeit angesiedelte Szenen, die so recht Metzkes' Vorliebe für das Theatralische zeigen.

Diese in sich geschlossene Kollektion befindet sich im Obergeschoss und erweist sich in der Ausstellungsdramaturgie als eine Art Prisma, das die von nunmehr sieben Schaffensdezennien ausgehenden Strahlen und Impulse gemeinsam in die Zeitlosigkeit zu überführen scheint. In Wahrheit ist es allerdings so, dass die geschichtliche Abfolge nur eine, wenn auch wesentliche Dimension darstellt. Wie sich auf seinem zur Palette umfunktionierten Rauchtisch keineswegs nur einfach Schicht auf Schicht, sondern immer wieder aufgebrochen und sich durchdringend, aber doch unweigerlich zur modellierten Landschaft wachsend, widerstreitende Farbstrategien ablagern und verbinden, hat der Künstler eindrucksvoll in seinem Katalogtext beschrieben. Auf seinem "Selbst im Gehäuse" vom vergangenen Jahr erscheint das unverrückbare Möbel wie die Staffelei etwas im Hintergrund, im Vordergrund die Teekanne, der Maler bei der Arbeit mit dem Aquarellpinsel im Skizzenheft. Das konzentrierte, zugleich gelöst heitere Konterfei erscheint vor einem Hintergrund, der an eine Bühne erinnert, auf der sich aus Farbnebeln eine Bildvision zu verfestigen scheint. Daneben das Selbstbildnis aus dem "Winter unseres Mißvergnügens" wie Stefan Heym die Zeit nach der Biermann-Ausbürgerung beschrieb (1977), zeigt den Künstler aufrecht stehend vor der Staffelei, vor düsterem Hintergrund, mit Armen eng am Körper, Zweifel und Trauer im Gesicht.

Der kurze Weg von der Bibliothek in den unteren Ausstellungsraum führt zu Bildern der frühen Jahre, beginnend mit der relativ kurzen Dresdner Zeit des Studiums bei Wilhelm Lachnit und Rudolf Bergander an der Hochschule für Bildende Künste (1949-53), in die Zeit der Formalismusdiskussionen also, an der sich zumal auch die Geister der Lehrer schieden - der eine, Lachnit, wurde entlassen, der andere Rektor. In Metzkes' Werk scheint beider Einfluss - neben kunsthistorisch noch bedeutenderen - bis in die 60er Jahre nachvollziehbar, die Polarisation aus dieser Sicht besonders unsinnig. Auf der einen "Seite" stehen noble, eher flächig wirkende, formstrenge, erstaunlich reife Stillleben wie das mit Hechtkopf, auf der anderen subtil beobachtete Szenen aus dem (Künstler)leben in sehr vereinfachten, das Körpervolumen modellierenden Formen (etwa "Die Bildhauerin", Akt mit Fledermaussessel, beide 1968). Im frühesten Bild der Auswahl, das die Dampferanlegestelle an der Brühlschen Terrasse zeigt, lassen sich auch Einflüsse der Neuen Sachlichkeit erkennen, die während des Meisterstudiums bei Otto Nagel an der Akademie der Künste in Berlin noch stärker hervortreten - insbesondere in der Stilisierung und den scharf umrissenen Konturen der "Wilddiebe" (1956). Metzkes ist eben auch in diesem Sinne kein Formalist, dass er sich bestimmten Sichtweisen oder Seiten des Lebens bzw. der Welt und ihrer Erscheinungen planvoll verschlösse, störende Einzelheiten aussparen würde. In der Folge sind seine mal beobachteten, mal rein fantastischen Landschaften und Szenerien oftmals reich belebt von Tier und Mensch, und es fehlen sogar auch die von diesem benutzten zeitgenössischen Vehikel nicht.

Lieblingsfigur allerdings bleibt auch hier der Harlekin. Dahinter steht wohl nicht zuletzt die Einsicht, dass die Sprache der Vernunft schwerlich auf direktem Wege Eingang findet und nur der vermeintliche Narr ungestraft das Treiben der Mächtigen entlarven darf. In der jüngsten Vision gelingt es ihm sogar, die "Lästerzunge" des Teufels aufzuspießen, aber jedenfalls vermag er es, die Menschen wenigstens kurzzeitig aus ihrem alltäglichen Trott zu befreien - zu völlig losgelöstem Tun oder als bald staunende, bald tief bewegte Besucher in Zirkus und Theater. Platte Botschaften, Zeigefinger oder einfache Rezepte sind in dieser Konstellation freilich nicht auszumachen und verlogene Idyllen schon gar nicht. Auch wenn ich so intensiv miterlebte intime Momente, wie Metzkes sie in "Ruhende" oder "Rote Strümpfe" erfasst hat, hier etwas vermisse, es ist schon recht, dass der Blick des Besuchers im Leonhardi-Museum zuerst auf eine Szene fällt, in der ein großer Raubvogel eine Schar Musiker von einem reich gedeckten Tisch vertreibt - "Vielleicht bei Shakespeare" (2012).

Es wird in diversen Veröffentlichungen immer wieder betont darauf hingewiesen, dass Metzkes sich nie dem Diktat des "Sozialistischen Realismus" unterworfen habe. Vielleicht deswegen, weil er stets nahe am Gegenstand und auf Tuchfühlung mit der Realität blieb. Was dann beinahe wie eine Entschuldigung daherkommt, ist aber in Wahrheit gar kein taugliches Kriterium, gilt es doch ebenso für hunderte andere Künstler, die in der DDR gearbeitet und gewirkt haben - nur ganz wenige hingegen sind zugleich prominent und dem umgekehrten Verdikt unterworfen, dass sie sich nämlich freiwillig oder unter Zwang einer noch dazu falschen Ideologie angedient hätten. Was man an der heute fast allgemeinen Ehrung des Künstlers Metzkes (wieder) hoffen lernen kann, ist, dass sich am Ende malerische Qualität und zwar in ihrem ureigenen Sinne durchsetzt, unabhängig von Scheuklappen, die bei Lobrednern leider fast ebenso oft zu finden sind wie bei den von vermeintlicher Objektivität besessenen Kritikern.

Bis 23. März, Leonhardi-Museum Dresden, Grundstraße 26. Di-Fr 14-18, Sa/So 10-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.01.2014

Tomas Petzold

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