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Der Künstler Volker Mixsa ist im Alter von 72 Jahren in Dresden gestorben

Ein Zauberer in Stahl Der Künstler Volker Mixsa ist im Alter von 72 Jahren in Dresden gestorben

Wie kann man etwas über einen Menschen sagen, der gegangen ist ohne Wiederkehr, dessen Stimme noch zu hören, sein aufmerksamer, anteilnehmender Blick noch wach im Gedächtnis ist. Mit ihm zu sprechen, war etwas ganz Besonderes. Er konnte wunderbar zuhören, wusste Rat und half, wenn er es vermochte. Der Tod ist ungerecht.

Volker Mixsa im Gespräch in der Galerie Kühl.

Quelle: Archiv

Dresden. Wie kann man etwas über einen Menschen sagen, der gegangen ist ohne Wiederkehr, dessen Stimme noch zu hören, sein aufmerksamer, anteilnehmender Blick noch wach im Gedächtnis ist. Mit ihm zu sprechen, war etwas ganz Besonderes. Er konnte wunderbar zuhören, wusste Rat und half, wenn er es vermochte. Der Tod ist ungerecht. Er nimmt uns jene, die wir besonders mögen, die das Leben ein Stück besser machen, die unersetzbar und unvergessbar sind.

Volker Mixsa ist am 29. August in Dresden im Alter von 72 Jahren gestorben. Wer ihm vielleicht auch nur einmal begegnet ist, wird sich daran erinnern. Und das nicht allein nur, weil er von imposanter Gestalt war. Diesen Mann konnte man einfach nicht übersehen, mit seinem Rauschebart, seinen buschigen Augenbrauen. Und dazu dieser so besondere Blick. Voller Güte und Aufmerksamkeit. Einer von den Guten, lebensbejahend, unverfälscht, nachdenklich, tatkräftig. Ein Freund, ein Künstler. Bei dem es besonders weh tut, wenn er nicht mehr da ist.

Noch im August war in der Galerie Budissin vom Bautzner Kunstverein e.V. eine Ausstellung mit Werken von Volker Mixsa gemeinsam mit den liebenswert begrünten keramischen Objekten von Luise Kallweit sowie Arbeiten der Zeichnerin und Grafikerin Elisabeth Richter zu erleben. Da Mixsa aus gesundheitlichen Gründen schon nicht mehr beim Aufbau und der Eröffnung mit dabei sein konnte, hatte Elisabeth Richter zuvor Porträts von ihm gezeichnet. Eines davon war dann stellvertretend in der Galerie auf der Schloßstraße im historischen Altstadtkern der Stadt zu sehen; man konnte es gleich beim Betreten des Raumes entdecken. Die Zeichnung zeigt ihn als fast schon biblische Erscheinung, mit einem mehr nach Innen gerichteten Blick, der Ahnung, dem Wissen…

Mixsa hatte zur Ausstellungseröffnung für die Begrüßungsworte einige Gedanken aufgeschrieben, die er bezeichnenderweise als die „Umschreibung der Mitte“ charakterisierte. Diese sei dem Göttlichen vorbehalten. „Meine Skulpturen umkreisen diese Mitte, sie besetzen sie nicht. Sie sind Ausdruck des Lebensreigens in seiner unendlichen Vielfalt und suchen darin ihren Platz.“ Im Russischen, so bemerkte er weiter, gebe es für eine besonders gelungene Arbeit den Ausdruck, sie sei „fast schön“. Was besagen will: „So schön wie es möglich ist unter diesen, den irdischen Verhältnissen.“

Geboren wurde Hans-Volker Mixsa 1944 in Meiningen. Anfang der sechziger Jahre begann er eine Ausbildung zum Werkzeugmacher, übersiedelt 1962 nach Dresden, schloss die Ausbildung ab und arbeitete bei dem bedeutenden Kunstschmied Karl Bergmann, war einbezogen in Restaurierungen und Neugestaltungen. Damals lernte er auch den Bildhauer Friedrich Press kennen und begann ein Abendstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden bei Professor Walter Arnold. Gleichzeitig hat er seine Meisterprüfung abgelegt; das Meisterstück, ein figürliches Altarbild nach eigenem Entwurf, befindet sich in der Bartholomäuskirche in Berlin.

Schon 1984 begann die gemeinsame Arbeit mit seinem Sohn Martin, der 1991 die Meisterprüfung ablegte, und überhaupt arbeitete er immer wieder auch mit anderen Künstlern zusammen, zum Beispiel dem Dresdner Maler Michael Hofmann. Wie er auf verschiedenste Weise stets ein Gebender und Nehmender war, einer, der angeregt, ermutigt hat und sich selbst ebenso vom Können und den Ideen anderer inspirieren ließ. „Mixsa ist ein langsam Gewachsener, kein Stürmer und Drängler, wohl aber ein unbestechlicher und solide fundierter Geist, ein Verläßlicher.“ Das schrieb Diether Schmidt 1998 im Katalog vom Ernst-Rietschel-Kulturring e. V.

Wenn der Wind im Freien launig mit seinen so oder so bewegten Geschöpfen aus Stahl spielt, dann spürt man sehr genau, dass er bei allem handwerklichen Können ebenso ein Zauberer gewesen ist. Der Ahnungen hatte, wie er es machen kann, und Vorstellungen, was er machen will. Und dabei so Verblüffendes schaffte wie beispielsweise diese „Dresdner Spirale“ (1989) aus Edelstahl, die als irre Drahtskulptur über der Terrassengasse hinter der Brühlschen Terrasse jeglichen überraschen kann. Und nicht selten narrt er uns auch. Wir ahnen die Bewegung, aber sie ist in der Form quasi schon inbegriffen.

Am Freitag fand im engsten Familienkreis die Beerdigung statt. Und nichts ist mehr so, wie es einmal war. Man wird ihm leibhaftig nicht mehr begegnen können. Irgendwo in einer Ausstellung, einem Buchladen, auf dem Weihnachtsmarkt in Quohren, beim Wandern oder im verwunschenen Garten und Atelierhaus, wo er und Luise Kallweit so wunderbare Gastgeber waren. Aber mitten unter uns ist er schon. Vor allem auch mit seiner Familie und Freunden, seinen so besonderen Arbeiten, die viel von ihm erzählen und an diversen Orten in Deutschland zu finden sind. In Kirchen und Bildungseinrichtungen, gestalteten Innen- und Außenräumen. Mann muss sie nur suchen und für sich entdecken.

Von Gabriele Gorgas

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