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Der Klang der Schönen Aussicht - Meisterkonzerte der Dresdner Musikhochschule

Der Klang der Schönen Aussicht - Meisterkonzerte der Dresdner Musikhochschule

Mehr geht wohl kaum: Zu live gezeichneten Bildern wird eine frisch erschienene CD präsentiert, und gleichzeitig bestreiten zwei der beteiligten Musiker ihre Examenskonzerte.

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CD-Cover "Willkommen" von Zur schönen Aussicht

Quelle: Christian Juppe

Nach Jahren des Diplomstudiums und der Meisterklasse an Dresdens Musikhochschule haben sich Paul Berberich und Joachim Wespel sowohl ihrer professoralen Jury als auch dem Publikum gestellt.

Der Saxofonist und Flötenspieler Paul Berberich ist in der Nachwuchsszene des Jazz schon längst kein Unbekannter mehr. Er mischt in diversen Formationen mit und erheischt sich gebotene Aufmerksamkeit. Junge Künstler (nicht nur im Jazz) sind zu ideenreichen Aktionen verpflichtet, wenn sie vorankommen wollen. Gemeinsam mit Joachim Wespel an der Gitarre und dem Schlagzeuger Florian Lauer musiziert er in seiner Band "Zur Schönen Aussicht", mit der er wieder und wieder wachsendes Virtuosentum und essentielle Spielfreude unter Beweis gestellt hat.

Die nun beim Kölner Label JazzHausMusik entstandene CD trägt den Allerweltstitel "Willkommen" und verspricht alpinurbanen Jazz. Das kann man sich bei Nummern wie "Waldlöwenjagd" oder "Ein Gartenstuhl, der wackelt" in etwa so vorstellen, dass die drei Burschen ihre eher ländliche Herkunft mit aufregend neuer Umgebung nicht etwa in Einklang zu bringen versuchen, sondern nach spannenden Reibungspunkten abtasten. Da gerät die Idylle "Zur Schönen Aussicht" rasch ins Wanken, wird überrollt von nassforschem Klang, wobei impulsives Treiben sich immer mal wieder abwechselt mit vorsichtig ruhigem Suchen. Als würde dem Idyll nicht getraut? Oder wollte man es absichtlich zerkratzen? Schließlich gilt es, sich neue Wege aufzutun, das sollte dann auch bitte gehört werden.

Gerade durch die teils experimentellen Spielformen gelingt das recht gut. Im Gegensatz zu den noch etwas unausgereift wirkenden Ansagen des nun in die künstlerische Freiheit entlassenen Musikers klingt der Sound der "Schönen Aussicht" ausnahmslos professionell. Soli und Sets im Ensemble gehen da Hand in Hand - besser: Ton in Akkord in Dissonanz in Rhythmik - stimmungsvolle Verbindungen ein. Im Konzert wie auf der CD fällt angenehm auf, dass hier keine Draufgänger am Werk sind, dafür sind sie (noch) zu jung; hier wird zwar frisch gewagt, doch jedes Austasten geschieht mit Vorsicht und Respekt. So werden weder die eigenen Fertigkeiten noch das unbekannte Publikum überfordert.

In den Räumen des Kukulida e.V. auf der Luther-Str. 1 sollte die Hörerschar, darunter eben auch die Hochschuljury, die am selben Tag fast eine Handvoll solcher und ähnlicher Projekte abzunehmen hatte, vor allem von der Raffinesse und Eigenständigkeit der beiden Bands überzeugt werden. Der Ort war vielen Gästen eher unbekannt, die Zeit am späten Nachmittag gewagt früh, die zeichnerischen Projektionen wirkten zwar ablenkend, schufen aber eine zusätzliche Ebene zum Gehörten. Doch die mitunter etwas rocklastigen Klänge, vorgetragen mit Verve und mit Witz, fokussierten alle Aufmerksamkeit wieder auf das, worum es ging. Der Kern der freien Musik.

www.zurschoenenaussicht.info www.lederkoralle.com

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.06.2014

Aldo Lindhorst

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