Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 14 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Der Kabarettist Florian Schroeder gastierte in der Dresdner Comödie

Der Kabarettist Florian Schroeder gastierte in der Dresdner Comödie

Zunächst einmal sei angemerkt, dass Florian Schroeder unbedingt in die Schublade der Optimisten gehört. Das macht nämlich Sinn, weil er tatsächlich eine absolute Frohnatur ist.

Voriger Artikel
Eine Ausstellung mit 200 Werken im Dresdner Lipisiusbau würdigt Will Grohmann
Nächster Artikel
Dresdner Festspielhaus Hellerau erhält 100.000 Euro aus Denkmalschutz-Sonderprogramm

Optimist in allen Lebenslagen: Florian Schroeder (links) war mit seinem dritten Programm in der Comödie Dresden zu Gast.

Quelle: W. Zimmermann

Einer, dem nicht gleich die Kinnlade herunterklappt, wenn die Stuhlreihen da unten im Saal gerade mal zu einem Drittel besetzt sind. Einer, der nicht gleich damit droht, den Veranstalter wegen unzureichender Werbung zu verklagen. Vor allem aber ist er einer, der nicht die Besucher wegen der leeren Plätze in Haftung nimmt. Ganz im Gegenteil; er nimmt sein Publikum von der ersten Sekunde an für voll. Es gibt weder irgendwelche Entschuldigungsversuche noch doppelbödige Beschimpfungen. Im Komödiantenfach auf jeden Fall von Vorteil. Schroeder spielte sein Programm mit einem solchen Pfiff und einem solchen Tempo, als würde er nicht in der Dresdner Comödie, sondern beispielsweise in der ausverkauften Essener Gruga-Halle auftreten.

Zum Zweiten fällt auf, dass Florian Schroeder sich weder in die Schublade des politischen Kabarettisten noch in die des Humoristen sperren lässt. Er gibt sich sowohl als auch. Vor wenigen Tagen konnte der in Lörrach geborene Florian Schroeder seinen 33. Geburtstag feiern. Eine Bühne betrat er aber erstmals schon vor 19 Jahren, im zarten Alter von gerade einmal 14 Jahren. Da durfte er in der Kultsendung "Schmidteinander" des Duos Harald Schmidt/Herbert Feuerstein immerhin 30 Sekunden lang parodieren. Wie auch immer, diesen kurzen Spot wertete Florian Schroeder als seine ganz persönliche Initialzündung. Konsequent blieb er am Ball; sein erstes abendfüllendes Programm trug den beziehungsvollen Titel "Auf Ochsentour", das zweite nannte er "Du willst es doch auch!". Mit beiden Shows war er auf den Kleinkunstbühnen Deutschlands unterwegs und erarbeitet sich dabei einen ziemlich guten Ruf.

In der "Comödie"-Dresden trat er nun mit seinem dritten Programm auf. Dem hat er den schönen Titel "Offen für alles - und nicht ganz dicht" gegeben, und er serviert darin eine klug ausgewogene Melange zwischen Politik- und Politikerschelte und den alltäglichen zwischenmenschlichen (Un-)Möglichkeiten. Dabei kommen sowohl die große internationale Politik als auch das größtenteils kleingeistige Geschwätz der deutschen Provinzpolitiker zu Ehren. Da schießt sich Schröder mit dem wunderbar askierenden Satz "Ein Steuerflüchtling will Präsident werden!" auf Obamas Herausforderer Mitt Romney im Kampf um das Präsidentenamt in den USA ein.

Da verweist er auf das neue Erscheinungsbild des deutschen Außenministers Guido Westerwelle, indem er feststellt "Westerwelle trägt jetzt eine Christian-Wulff -Gedächtnisbrille!" Da lässt er die Kanzlerin bedeutungsschwer sagen: "Wenn's drauf ankommt, sage ich mit aller Entschiedenheit - mal sehn!" Da entschuldigt sich Florian Schroeder auch beim Publikum für das Agieren der Koalitionspolitiker Philip Rösler, Daniel Bahr und Kristina Schröder. Und da wagt er auch eine Aussage über die Zusammensetzung der Regierung nach der nächsten Bundestagswahl, indem er eine "schwarz-grüne Koalition" prognostiziert. Denn "Das hatten wir noch nie, ergo sollte man es mal ausprobieren!"

Florian Schroeder kennt sich in den Fluren der großen Politik aus, weiß aber auch um die Sorgen von Otto Normalverbraucher. Sich selbst ordnet er ein als geradezu "klassischen Aufschieber", denn "Ich nehme mir morgens etwas vor und mache es dann nicht!". Und so gnadenlos wie er sich mitunter selbst zur Ader lässt, so filtert er auch die Gründe für menschliches Versagen heraus: "Ich bin groß geworden unter Kohl, da gab's keine Möglichkeiten!"

Die gängigste Ausrede der Gegenwart hat Florian Schroeder ebenso definieren können. Sie lautet: "Es ist schlecht kommuniziert worden!" Aus zahlreichen ganz locker miteinander verwobenen Themen bastelt Florian Schroeder sein Programm zusammen. Auf die Art grenzt er niemanden im Publikum aus, jeder fühlt sich irgendwann irgendwie angesprochen. Und viele Formulierungen Schröders kann man einfach nur dick unterstreichen. Darunter auch die folgende: "Toleranz ist die Gleichgültigkeit unserer Zeit!" Wie wahr! W. Zimmermann

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.09.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr