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Der "Felix Krull"-Stoff Thomas Manns als Einakter im Societaetstheater

Der "Felix Krull"-Stoff Thomas Manns als Einakter im Societaetstheater

Vielleicht sogar schon zu gut. Der Dresdner Regisseur und Dramaturg Jan Böde hat eine Theaterfassung des Mannschen Felix Krull-Stoffes erstellt, die es in sich hat.

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Intensiv, dicht, sogar amüsant: Philipp Otto als Felix Krull.

Quelle: Detlef Ulbrich

Gut. Auch wer den unvollendet gebliebenen Roman gut kennt, brauchte bei der Premiere im Societaetstheater einige Zeit, um das Konzept des Einpersonenstückes zu verstehen. Philipp Otto, umtriebiger Bühnen-, Film- und TV-Schauspieler, ebenfalls aus Dresden, ist jener Hochstapler Felix Krull. Ist zugleich aber auch dessen Pate, Vater, Mutter, Chef - jeglicher Gegenpart der gut gewählten Szenen, die die Hochstapler-Karriere illustrieren.

Die anfänglichen Schwierigkeiten mögen daher rühren, dass Böde den Stoff nicht nur von hinten aufrollt, sondern noch einen Schritt über das Ende des Romans hinausgeht. Im Mann-Text erkennt Krull nur in einem einzigen Satz, dass er nicht nur bei der Tochter, sondern auch bei Frau jenes Professor Kuckuck in Lissabon Chancen hätte, auf der Bühne wird genau diese Situation noch ausgemalt. Und die daraus resultierenden Entscheidungsqualen: Das Doppelgänger-Leben aufgeben und mit einer der Frauen ein geruhsames Leben führen oder weiter als Marquis de Venosta um die Welt ziehen?

Letzendlich läuft es für Krull auf die Frage hinaus: "Wann zeigt das Glühwürmchen seine wahre Gestalt?" Eine der existentiellen Fragen für alle Theaterleute, darf man annehmen...

Das verwöhnte, bewunderte Kind, die rauschenden Fest in der elterlichen Villa, der schwächliche, scheiternde Vater: Philipp Otto lässt die Jahre im Spiegelkabinett, mit gut dosiertem Einsatz von Musik und Licht (Bühne ebenfalls: Jan Böde) Revue passieren, arbeitet schon hier wunderbar das Witzige des Stoffes heraus. Dann das Highlight des Romans, des Films, jeder szenischen Lesung: die Musterungsszene. Großartig, wie Otto zwischen dem überforderten Arzt und dem schlitzohrigen Krull wechselt, in Sekundenbruchteilen Mimik und Gestik, Wortwahl und Betonung ändert.

Von Anfang an zeigt Otto Mut zur Hässlichkeit, wenn er seine Anzugjacke über der nackten Brust trägt; beim Vorstellungsgespräch in Paris wird das dann auf die Spitze getrieben. Als honoriger Hoteldirektor entkleidet er sich bis auf die Unterhose und stellt den Bauch zur Schau. So entbehrt es auch nicht einer zusätzlichen Ironie, wenn der gleich darauf von der schwäbischen Fabrikantengattin Verführte als Hermes tituliert wird, die bedürftige Frau seine jugendliche Schönheit preist. Höchst amüsant!

Die einzige Szene, in der man ein wenig Länglichkeit empfindet, ist diejenige, in der der Rollentausch mit dem Marquis vorbereitet wird. Hatte man anfangs eher zu wenige Ansatzpunkte, um in die Geschichte hineinzufinden, so weiß hier wohl auch der Stoff-Unkundige sehr schnell, auf was es hinauslaufen wird - und im Vergleich zu den anderen Episoden bietet die Szene auch nicht so viel Amusement. Obwohl Otto als Original-Marquis - verwandelt mithilfe des einzigen Requisits, eines weißen Schals - auch wieder überzeugt.

Es ist ein Stück, das man Schauspiel-Schülern nur empfehlen kann: Wie sparsam kann mit solchen Mitteln umgehen, welche Rolle kommt hingegen Mimik, Gestik, Sprache zu. Welche riesigen Möglichkeiten gibt es hier... Philipp Otto zeigt es, das Premieren-Publikum würdigt es: anhaltender, begeisterter Applaus nach 90 Minuten konzentrierten Spiels. Beate Baum

nächste Aufführungen: 28. & 31.10., jeweils 20 Uhr

www.societaetstheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.10.2012

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