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Der Familie Popolski gastierte im Alten Schlachthof in Dresden

Der Familie Popolski gastierte im Alten Schlachthof in Dresden

Pawel Popolski nimmt im Alten Schlachthof kein Blatt vor den Mund, schließlich war es sein Opa Piotrek Popolski, der seinerzeit im Plattenbau von Zabrze ganze 128 000 Top-Ten-Hits schrieb, die ihm von einem windigen polnischen Gebrauchtwarenhändler gestohlen und auf dem Schwarzmarkt an die Popstars im Westen verhökert und dann "verhunzt" wurden.

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Ein Gläschen Wudka in Ehren kann niemand verwehren - erst recht keiner von Der Popolskis.

Quelle: Andreas Weihs

Endlich kommt "der ganze Wahrheit" ans Tageslicht: So gut wie alle Hits der vergangenen Jahrzehnte sind geklaut! Die eigentlichen Urheber sind Mitglieder einer völlig unbekannten und verarmten Musikerfamilie aus Polen: Der Familie Popolski! Sie sind der wahre Erfinder der Popolski-Musik oder kurz: Pop-Musik!

Das will sich die Familie nicht länger gefallen lassen. Wie zum Beweis singt Bruder Danusz Popolski gleich einmal die Originalversion eines Liedes namens "Hello Again" - natürlich aus der Feder von Opa Popolski und kein Vergleich zu dem Lied, das wir aus dem Radio kennen. Da wird schon mal fleißig mitgesungen.

Die "Pops", rein äußerlich im Outfit der 1950er stecken geblieben, spielen mit den gängigen Klischees, kaum etwas wird ausgelassen. Besonders am Herzen liegt Mastermind Pawel die Wudka-Pause, die gewerkschaftlich vorgeschrieben ist. Da eine Nichteinhaltung zu unangenehmen Konsequenzen führen würde, wird das Publikum also erst einmal eingewiesen: Es gibt Wudka für alle, das Ritual ausgiebig erklärt und die leeren Gläser kollektiv nach hinten geworfen. Wudka, so erfahren die Zuhörer, enthält das wichtige Vitamin W, für Wachstum und Wohlbefinden. Diese "Bestechung" des Publikums erscheint kaum notwendig, denn längst hat sie das Polka-Virus erfasst. Die Zuhörer sind die Wissenden, denen muss keiner erklären, dass die Hits von Michael Jackson, Madonna oder Queen vor 100 Jahren im Plattenbau von Zabrze, dem früheren Hindenburg, entstanden sind. Für Pawel ist es leicht, die Leute zum Einhaken und Schunkeln zu animieren sowie mitsingen zu lassen. Und er ist sich ihrer Aufmerksamkeit sicher, wenn er die historischen Zusammenhänge ins rechte Licht rückt - oder wussten sie, dass der "King" vor vielen Jahren nach Polen kam, bei den Popolskis klingelte, die zwölf Etagen zu Fuß wie im Fluge und anschließend die Tochter "nahm" und dabei einen unehelichen Sohn zeugte? Doch das ist der Wahrheit und zum Beweis kommt Elvec mit der Familie auf der Bühne und singt herzzerreißend "Suspicious Minds" und - ganz der Tradition folgend - "Polka Face".

"Get the Polka started" ist ein an Höhepunkten reiches Programm: Der Auftritt der zauberhaften Kusinetschka Dorota Popolski, dem "Material Girl" der Familie, das in knappen Kleidern und mit laszivem Augenaufschlag die Originalversion von "Dance With Somebody" und "Du hast mich 1000 Mal belogen" singt. Oder das von "der trubste Tasse in der Familie, der jungste Bruder" Janusz Popolski im Alter von drei Jahren geschriebene Lied "Cheri Lady" über eine junge Frau, der auf der Markt von Zabrze der Kirschen verkauft. Dazu das traurigste Stimmungslied der Welt "Ein bisschen Spaß muss sein" mit einer herzzerreißend melancholischen Trompete. Krönung des Abends ist aber die Aufführung der Polka-Opera "Janusz und der Wolf" - natürlich in der Originalversion - mit vielen überraschenden Wendungen.

Mitnehmen nach diesem zweistündigen Exkurs durch die Geschichte der populären Musik kann man zwei Dinge: Einerseits das Wissen um der Wahrheit und andererseits - der Ursprung allen Liedgutes ist die Polka. Damit gibt es die "PÜV"-Prüfplakette für Der Familie Popolski!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.11.2011

Andreas Weihs

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