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Der Erbauer des Dresdner Bärenzwingers, Eberhard Pfau, wird 70

Der Erbauer des Dresdner Bärenzwingers, Eberhard Pfau, wird 70

Immer wenn ich den Jubilar in seinem Architekturbüro besuche, werde ich überrascht mit neuen Kreationen, die sich gerade im Stadium der ersten Entwurfsgedanken befinden.

Meist sind es Arbeitsmodelle, Skizzen oder Zeichnungen. Die Ausstellung zum Lebenswerk des Jubilars im Dresdner Haus der Architekten, die von seinen Mitarbeitern zusammengetragen wurde, hat gezeigt, welch interessante und beeindruckende Planungen und Bauten und welche Fülle wunderbarer Reise- und Porträtskizzen Eberhard Pfau bisher geschaffen hat.

Schon in den Zeiten der DDR überraschte Eberhard Pfau die Fachwelt mit dem Bau der Theaterwerkstätten für die Semperoper an der Ostraallee. Dieser Bau ragte in seiner architekto- nischen Gestaltung bei Einsatz vorge- fertigter Fassadenelemente aus Beton weit über das allgemeine Niveau im Bauwesen der DDR hinaus und war ein großer Erfolg des damals noch jungen Architekten im VEB Gesellschaftsbau Dresden. Zuvor schon hatte er nach einem studentischen Wettbewerbssieg den Studentenklub Bärenzwinger an der Brühlschen Terrasse gebaut und erregte damit vor allem unter der Studentenschaft großes Aufsehen.

Kurz nach der Wiedervereinigung gründete er sein eigenes Büro und damit begann eine außerordentlich intensive und schöpferische Tätigkeit für den "Berufsanfänger im höheren Lebensalter", wie er mit einer gewissen Ironie immer sagt. Doch Pfau hat eine stattliche Anzahl von Bauten geschaffen, die weit über Dresden hinaus Anerkennung fanden.

Viele Aufträge resultierten aus Wettbewerbserfolgen. Auf diesem Gebiet hat sich Eberhard Pfau immer wieder dem Risiko des Erfolges oder Misserfolges unterworfen. Aber sein Werkverzeichnis wäre ohne dieses risikoreiche Engagement bedeutend kleiner. Neben reinen Neubauten, u.a. dem Autohaus Pattusch, den Gründer- und Gewerbezentren in Dresden-Löbtau und Freital (z. Zt. im Bau), dem Grenzabfertigungsgebäude Schmilka, hat er mit seinen hoch engagierten Mitarbeitern eine stattliche Anzahl von Rekonstruktionen, Modernisierungen und Erweiterungen historischer Bauwerke realisiert. Dazu gehören die evangelische Akademie St. Afra in Meißen, das Hotel Martha Hospiz, das Hotel Königshof, das Ausstellungszentrum der Hochschule für Bildende Künste, der Glockenspielpavillon des Dresdner Zwingers, das Gründer- und Gewerbezentrum in Dresden-Neustadt, das Kreuzgymnasium und das Schloss Rochlitz.

Während die Arbeiten für die evan- gelische Akademie St. Afra sich über viele Jahre erstreckten und Bauabschnitt um Bauabschnitt einer sorgfäl- tigen und einfühlsamen Planung unterworfen wurde, musste das Ausstellungszentrum der Hochschule für Bildende Künste in einem Jahr realisiert werden. Beide Aufgaben waren große Herausforderungen. Besonders beim Ausstellungszentrum entwickelte der Architekt eine Philosophie des Nebeneinanders und der Konfrontation von alter kriegsversehrter Bausubstanz mit den Gestaltungsmöglichkeiten moderner Architektur. Schon viele Jahre, bevor David Chipperfield diese Prinzipien bei der Rekonstruktion des Neuen Museums in Berlin zur Anwendung brachte, zelebrierte sie Eberhard Pfau in Dresden. In beiden Fällen entbrannte ein heftiger Meinungsstreit, aber die Zeit danach brachte immer mehr Verständnis auf für diese Gestaltungsprinzipien, die ohne die Zerstörungen im zweiten Weltkrieg nicht denkbar wären. Auch bei der Rekonstruktion des Kurländer Palais ist man diesen Weg gegangen, und das Ergebnis ist überzeugend.

Der in Weimar geborene Architekt begab sich nach dem Abitur zum Architekturstudium nach Dresden und hat die Stadt nie wieder verlassen. Im Jahr 1967 beendete er sein Studium und promovierte schließlich nach Jahren wissenschaftlicher und praktischer Tätigkeit im Jahr 1974 zum Dr.-Ing. Parallel zu seiner Tätigkeit als freier Architekt hat sich Eberhard Pfau in ehrenamtlichem Engagement, unter anderem beim Aufbau des Bundes Deutscher Architekten, große Verdienste erworben.

Eine Besonderheit, die ihn auszeichnet, ist die Entfaltung und Wahrung sehr wichtiger Traditionen bei der Führung seines Architekturbüros. Das tägliche gemeinsame Frühstück mit Gedankenaustausch zu den Problemen des Tages und die legendären jährli- chen Exkursionen in ferne Städte und Länder auf den Spuren historischer und moderner Architektur prägen den Teamgeist unter seinen Mitarbeitern. Viele von ihnen schwärmen noch nach Jahren von der schönen Zeit, die sie mit ihm verbringen durften. Dass sei- ne Frau Karin, als Sekretärin und gleichsam als Seele des Büros, für eine wohltuende Atmosphäre sorgt, genießen Mitarbeiter und Gäste gleichermaßen.

Ein Zeichen des Vertrauens und der gegenseitigen Wertschätzung ist sein Verhältnis zu seinen Bauherren. Mit vielen ist er noch nach Jahren freundschaftlich verbunden.

Alle, die seinen Lebensweg begleiteten, wünschen ihm zu seinem heutigen Geburtstag noch viele Jahre erfolgreichen Schaffens bei geistigem und körperlichem Wohlbefinden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.07.2012

Manfred Zumpe

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