Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Der Dresdner Stephan Groth musiziert mit Faun beim Vorentscheid des Eurovision Songcontests

Der Dresdner Stephan Groth musiziert mit Faun beim Vorentscheid des Eurovision Songcontests

Die Band Faun zählt zu den bekanntesten Pagan-Folk-Bands in Deutschland und tritt im März zum Vorentscheid des Eurovision Songcontests an. Sollte sie als Sieger hervorgehen, wird sie am 23. Mai für Deutschland im internationalen Wettbewerb starten.

Voriger Artikel
Sven Regener von Element of Crime über die unbändige Freude, Metaphern zu reiten
Nächster Artikel
Anna Mateur: Auf dem Weg zur monatlichen Dresdner Kultshow

Stefan Groth mit seinem bevorzugten Instrument, der Drehleier.

Quelle: Anja Schneider

Zu den Bandmitgliedern kam im vergangenen Jahr eher durch Zufall ein neuer Musiker: der Dresdner Stephan Groth. Der Drehleierspieler hat sich vom Stadtmusiker zum Tourneespieler entwickelt und genießt seine zwei völlig unterschiedlichen Leben.

Groth ist mit viel Musik aufgewachsen. "Ich hörte schon damals gern Ost-Rock und Folkmusik", berichtet er. Diese Zeit sei durchaus stilprägend gewesen. Nach seinem Abitur am Gymnasium in Hainichen begann er ein Akustik-Studium. "Der Studiengang wies ein bisschen in die musikalische Richtung, aber es ging dort eher um technisch-architektonische Inhalte", so Groth. Während des Studiums gründete er die regionale Mittelalter-Band "Liederlicher Unfug". 2008 schloss er sein Studium ab und arbeitete drei Jahre als Ingenieur in einem Akustikbüro. "Während dieser Zeit habe ich immer mehr gemerkt, dass die Musik einfach zu meinem Leben dazugehört", sagt der 31-Jährige. Er entschied sich, nur noch drei Tage im Büro zu arbeiten und die restliche Zeit der Musik zu widmen.

2012 gab ein überraschendes Telefonat dem Leben des Dresdners eine neue Wendung: Faun-Chef Oliver Pade informierte Stephan Groth über einen Mitgliederwechsel in seiner Band. "Die Gruppe suchte einen neuen Drehleier-Spieler und ist durch meine kleine Band und im Internet auf mich aufmerksam geworden", so Groth. "Ich war sofort begeistert." Er kannte die Band aus der Szene und wusste um deren Erfolg. Drehleierspieler und Bandchef trafen sich auf einem Mittelalter-Festival, musizierten zusammen. "Der Funke ist sofort übergesprungen, wir haben gespielt wie in Trance."

Pade wollte den Dresdner Musiker gern in die Gruppe aufnehmen. Für Stephan Groth stand eine schwere Entscheidung bevor: "Ich musste wirklich mit mir ringen, meinen gut bezahlten Ingenieur-Beruf aufzugeben", erzählt er. Aber Musizieren in dieser Form war genau das ist, was er gern machen wollte. "Ich habe es bis heute keine Sekunde bereut."

Nun ist er seit über einem Jahr mit der Band unterwegs und hat auch an den Alben "Von den Elben" und "Luna" mitgearbeitet. Neben der Drehleier, einem historischen Instrument aus dem zehnten Jahrhundert, beherrscht Groth auch einige andere Musikinstrumente. "Eigentlich interessiere ich mich für alles, was Töne produziert", sagt er. "Multiinstrumentalismus" nennt er das. Außerdem singt er, am liebsten a cappella. "Ich würde sagen, ich habe den Schalk in die Band gebracht", lächelt der Musiker.

Derzeit ist Groth ziemlich im Stress, da der Auftritt für den Eurovision Songcontest am 5. März vorbereitet werden muss. Einen Tag später startet die sechswöchige "Luna Tour" der Band. In Bezug auf den Auftritt im NDR, der live übertragen wird, ist Stephan Groth schon ziemlich aufgeregt. "Es ist einfach etwas anderes, im Fernsehen aufzutreten." Er spricht von einer einmaligen Chance. Als Exot unter den Kandidaten erhofft er für Faun einen Erfolg. Zwei Songs wird die Band performen, wenn alles gut geht. Denn nur wer von den Zuschauern im Telefonvoting weiter gewählt wird, darf einen zweiten Song performen. Faun wird die Lieder "Hörst du die Trommel" und "Abschied" zum Besten geben. "Wir haben die Stücke extra für den Eurovision Songcontest aufgepeppt und neu arrangiert", erklärt Groth. So sei das erste ein treibendes Stück mit düsterer Stimmung, das zweite hingegen sehr romantisch und balladenhaft. Natürlich wird die Band in ihren typisch mittelalterlichen Kleidern auftreten.

Über einen Sieg denkt der Dresdner noch nicht nach. "Der Vorentscheid an sich ist schon eine große Sache für uns", so der 31-Jährige. Die Band hoffe auf ihre Fans. Natürlich wäre es spannend, mit dieser Art von Musik tatsächlich für Deutschland beim internationalen Wettbewerb anzutreten.

So lebt der Vollblutmusiker in zwei Paralleluniversen, wie er sagt. Auf der einen Seite hat er zu Hause eine Familie mit einem zweijährigen Sohn. Auf der anderen Seite tourt er mit seiner Band durch ganz Deutschland. "Es ist manchmal sehr schwierig, sich Freiräume zu schaffen.". Aber der Spagat gelinge ihm gut. Nach den Touren, die ihm sehr viel Spaß bereiten, freue er sich dann doch wieder sehr auf seine Familie.

Für die Zukunft wünscht sich der Dresdner, dass die Folk-Musik wieder mehr in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. "Man weiß heutzutage leider nie, ob die Band mit ihrem besonderen Stil auf der Erfolgswelle bleibt oder das alles wieder abflacht", erklärt Stephan Groth. Aber er hoffe, dass die Band noch lange so besteht. "Am wichtigsten ist mir, dass ich noch lange Musik machen kann!"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.02.2015

Juliane Just

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr