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Der Dresdner Schauspieler Hanns-Jörn Weber wird 70

Der Dresdner Schauspieler Hanns-Jörn Weber wird 70

Wenn man aufgehört hat, sich zu wundern, dass ein Schauspieler mit solch jugendlicher Ausstrahlung doch tatsächlich schon das Rentenalter erreicht hat, beginnt man sich zu erinnern, womit er einen besonders beeindruckt hat.

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Hanns-Jörn Weber

Quelle: HL Böhme

Mir fällt da sofort sein König Philipp ein, zweimal hat Horst Schönemann in Schillers "Don Karlos" ihn mit dieser Rolle betraut, 1987 und - zum ersten Mal 1982 -, da spielte er noch den Tempelherrn in Lessings "Nathan der Weise", und alles rief "Hanns-Jörn ist doch noch viel zu jung für diese Rolle." Aber Schönemann wusste schon, was er tat, und Hanns-Jörn Weber hat diese Herausforderung angenommen und gemeistert. Er gab den Philipp unväterlich, weltmännisch elegant, als einen auf der Höhe der Macht stehenden Politiker, der dennoch voller quälender Zweifel ist, der am Endes den Infanten aus Staatsraison scheinbar eiskalt an die Inquisition ausliefert.

Das Gegenteil von elegant, eher unbekümmert ordinär war sein Fondrak in Heiner Müllers "Umsiedlerin", ein versoffener Kerl aus dem Volk, den Weber mit wenigen prägnanten Strichen mit prallem Leben erfüllte. Zu dieser Zeit war er längst in Dresden ein "gestandener Darsteller". Nach der Bühnenreifeprüfung 1963 hatte er am Harzer Bergtheater, in Quedlinburg, Schwerin und Magdeburg Theater gespielt, ab 1970 gehörte er zum Ensemble des Staatsschauspiels Dresden, und hier stand er immer in der ersten Reihe. Daneben gab es zahlreiche Film- und Fernsehrollen, außerdem arbeitete Hanns-Jörn Weber auch als Hörspielsprecher.

In seiner Darstellungspalette war der Bogen weit gespannt: Könige, Proletarier, zerrissene Figuren, die Skala reicht vom Mörder Jack in Wedekinds " Lulu" über den Geschichtsprofessor George in Edward Albees "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" über Parsival in Christoph Heins "Die Ritter der Tafelrunde" bis zum Peachum in Brechts "Dreigroschenoper" und bis zum strahlenden Tenor, über den durften sich die Zuschauer mehrfach freuen, unter anderem in "Ein Schuss, 10 Pfennig oder raus mit den Männern aus dem Reichstag". Den Tenor musste er nicht spielen, der war er einfach. Mit seiner schönen Stimme hätte er ohne weiteres auch seinen Weg an der Oper machen können.

Seine Auftritte in Dresden sind nun leider seltener geworden, das ist schade für das hiesige Publikum, aber er ist ja noch immer mit dem Oldtimerbus in Sachen Viktor Klemperer unterwegs, macht engagiert und in ungewöhnlicher Lesung mit dem Leben des großen Philologen bekannt; "Ich will Zeugnis ablegen" steht seit 1997 ununterbrochen auf dem Spielplan des Dresdner Schauspiels, eine seltene Erfolgsgeschichte!

Und schließlich verkörpert er in Wolfgang Engels Inszenierung des "Turm" nach Uwe Tellkamps Roman den Ludwig von Arbogast, einen nicht ganz unbekannten Dresdner Wissenschaftler.

Mögen noch viele schöne, interessante neue Rollen folgen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.12.2011

Inge Mätje

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