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Der Dresdner Musiker, Komponist, Kritiker und Klavierpädagoge Hermann Werner Finke wurde vor 100 Jahren geboren

Der Dresdner Musiker, Komponist, Kritiker und Klavierpädagoge Hermann Werner Finke wurde vor 100 Jahren geboren

Durch die Ausstellung über Rudolf Kempe im Konzertsaal-Foyer der Dresdner Musikhochschule wird der Rang der früheren Orchesterschule der Sächsischen Staatskapelle (OSK) verdeutlicht.

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Hermann Werner Finke

Neben so prägenden Dirigenten wie Kempe und Herbert Kegel zählten zahlreiche, auf hohem Niveau tätige Musiker zu den Absolventen. Hermann Werner Finke (1911-1988) gehört zu ihnen. Er wuchs in Zeithain bei Riesa auf und kam in Dresden auf dem König-Georg-Gymnasium so nachhaltig mit der Musik in Berührung (u.a. durch Paul Aron), dass er sich später umfassend an der OSK in den Fächern Klavier, Violoncello, Komposition und Dirigieren ausbilden ließ.

In dreierlei Hinsicht zeigte Hermann Werner Finkes Tätigkeit eine spürbare Breitenwirkung: als Pianist (vor allem als begehrter Begleiter), als Musikkritiker und als Klavierpädagoge: zunächst an der OSK, dann am Konservatorium der Landeshauptstadt, nach 1945 an der Akademie für Musik und Theater sowie an der Kirchenmusikschule der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, schließlich an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber. (Intermezzo blieb die Tätigkeit an der Leipziger Musikhochschule und der Palucca Schule). Mehrere Generationen Dresdner Musiker hat Finke am Klavier betreut. Aber nicht nur dies: Über Jahrzehnte schrieb er Rezensionen, vor allem und bis zuletzt in den Sächsischen Neuesten Nachrichten, in einer der ehemals vier Dresdner Tageszeitungen, die regelmäßige Musikkritiken veröffentlichten. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die Kritikerkollegen Kurt von Rudloff, Gottfried Schmiedel und Hans Böhm. Letzterer erinnerte sich Finkes "steter Freundlichkeit, nobler Gesinnung, Haltung", ja brachte stets Wissen und Können mit ihm in Verbindung.

Wilhelm Hübner, wie Finke Komponist, ausübender Musiker und Rezensent in persona, hat ihm Originalität, vor allem in kleineren Formen, bescheinigt - "von bald deftig vordergründigem, bald ironisch-spöttischem, auch kauzig-skurilem Humor". Zwischen Satie und Hindemith habe er sein eigenes Idiom gefunden, was ihn nicht abhielt, sich gelegentlich der Zwölftontechnik zu bedienen.

Vor allem in Kammerabenden der Staatskapelle und in Musikhochschul-Konzerten kamen Werke Finkes zur Aufführung, darunter folgende: "Drei Capriccios" für Harfe, "Der Regenpfeifer" für Flöte, die Piano-music-Suite, "Gesang zwischen den Stühlen" - Zyklus nach Erich Kästner, "Die Zwitschermaschine" nach Paul Klee für zwei Flöten, Cembalo, Kontrabass, Xylophon und Violine sowie Lieder nach Ringelnatz, Morgenstern und Bobrowski.

Auch der Dresdner Romantik fühlte sich Finke eng verbunden. Über zwanzig Jahre veranstaltete er in der Hosterwitzer Keppmühle Konzerte, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Sie standen unter dem Stern Carl Maria von Webers, der an diesem Orte einst Zerstreuung suchte, ja musizierte und komponierte.

Wenn sich heute zahlreiche Mitglieder des Lehrkörpers der Musikhochschule an Hermann Werner Finke erinnern, dann vielleicht in dem von Rektor Ekkehard Klemm formulierten Sinne: "Der User WatchBlueSkies hat Bettina Ottos wundervolle Einspielung von Hermann Werner Finkes 'Fantasie für Klavier' aus dem Jahr 1968 vor einigen Monaten bei YouTube ins Netz geladen: Eine merkwürdige Pointe Dresdner Musikgeschichte, dass von diesem wundervollen Menschen, hochinteressanten Komponisten, kundigen Musikkritiker, humorvollen Lehrer und sensiblen Begleiter kaum eine Notiz sich findet.

Die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber erinnert sich seiner in großer Dankbarkeit und tiefem Respekt. Ein vielgestaltiges Werk, ungezählte Schriften und Texte künden vom wachen Geist seines Schöpfers, zahlreiche Schülerinnen und Schüler aber verehren Finke als Pädagogen, der so manchem Musiker das gefürchtete 'Pflichtfach Klavier' zum inspirierenden Termin gemacht hat - Die im Netz zu hörende Fantasie hingegen mahnt geradezu, das Werk Finkes genauer zu studieren und musikgeschichtlich aufzuarbeiten - ein hochinteressantes, modernes, ernstes Werk voller Schönheit und Tiefe."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.12.2011

Matthias Herrmann

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