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Der Dresdner Künstler Peter Makolies wird 75 - Ausstellung im Leonhardi-Museum

Der Dresdner Künstler Peter Makolies wird 75 - Ausstellung im Leonhardi-Museum

Sie liegen auf Feldern, wurden einst an deren Rändern aufgeschichtet, erneut untergepflügt oder verbaut. Ihre Schönheit wird erst offenbar, wenn sie gesäubert und angeschliffen sind.

Das tut Peter Makolies seit zehn Jahren. Seine "Feldsteine" zeigen Gesicht. Ob klein oder groß, sie inspirieren ihn, ihnen archetypisch anmutende Züge abzugewinnen: Augen, offen oder geschlossen, Nasen, schmal oder breit, ebenso die Münder. Manchmal kommt eine Bruchkante "dazwischen". So erscheinen die "Feldsteine" verletzt - durch Willkür oder die Zeit. Jeder ist anders, ist sein Erscheinungsbild doch wesentlich von der vorgefundenen Form bestimmt. Sie inspiriert, setzt dem Künstler aber auch Grenzen. Daraus sowie aus der ihnen von ihm "eingeschriebenen" In-sich-Gekehrtheit gewinnen die "Feldsteine" eine spirituelle Anmutung. Es war somit kein Zufall, dass Peter Makolies in einem von ihnen die Anlage des eindrucksvollen "Schmerzensmanns" (2005) sah, der sich nun in der Dorfkirche Liepe (Usedom) befindet.

Man kann diese Werkgruppe wohl guten Gewissens als Quintessenz der Erfahrung eines langen Bildhauerlebens betrachten. So ist es ganz folgerichtig, wenn die am Freitag eröffnete, den heutigen 75. Geburtstag des Künstlers flankierende Ausstellung im Dresdner Leonhardi-Museum diesem Schaffenskapitel gewidmet ist, zumal man davon den Bogen zurück zu den konzeptionell bedeutenden Werken der 1960er Jahre schlagen kann. Erinnert sei etwa an den "Trauernden Mann" (1962). Mit solchen an Archaik und Zeichenhaftigkeit orientierten, blockhaften Skulpturen setzte Makolies einen ersten Schaffenshöhepunkt, mit dem er sich zugleich bewusst von der üblichen Herangehensweise abgrenzte.

Neben Inspirationen durch Überlieferungen der Sumerer und alten Ägypter hatte wohl auch die Freundschaft mit Ralf Winkler (Penck), mit dem er in einem Atelier arbeitete, ihren Anteil daran, hatte dieser doch dazumal mit seinen Figurenzeichen und den "Weltbildern" begonnen. Überhaupt ist die Verankerung des am 21. November 1936 in Königsberg geborenen Makolies im Freundeskreis um Jürgen Böttcher (Strawalde), zu dem auch Peter Graf, Peter Herrmann und Winfried Dierske gehörten, nicht zu unterschätzen. Von Letzterem ist übrigens ein kleines, anrührendes Bild des genannten Ateliers in der Löbauer Straße überliefert.

Anfänglich hatte Makolies wie mancher andere spätere Dresdner bei Carl Michel in Zwickau einen Zeichenkurs besucht. Im Jahr 1953 begann er dann eine Steinmetzlehre in der Zwingerbauhütte. Im Kreis der Freunde formte sich wohl sein künstlerisches Interesse an der Bildhauerei. Und vielleicht waren die frühen Figuren aus hartem Diabas auch ein Gegenpol zur restauratorischen Arbeit an den barocken Sandsteinskulpturen von Zwinger und Hofkirche, an deren Heilung er unter anderem lange teilhatte. So wie er sich hier Meisterschaft erwarb (1964 Meisterprüfung als Steinbildhauer), entwickelte sich zugleich die Suche nach der freien künstlerischen Form.

In den späten 1970ern führte sie zu ungewöhnlichen, schwellenden "Erdteilen" aus Kunstmarmor (heute im Albertinum ausgestellt), deren unterschwellige Erotik schließlich in einer "Frühen Venus" (1979) signifikant wurde. Dies weist in eine neue Richtung, die gewiss ihre individuellen Hintergründe hat, zugleich aber wohl auch untersetzt ist durch Interesse an der Antike. Paare, vor allem aber der weibliche Körper, bestimmen fortan das Schaffen - oft als Torso, gar reduziert auf schwellende Brüste oder stelenhaft verschlankt.

Zum besonderen "Kick" wurde - möglich dank der Teilnahme an der Biennale in Venedig 1984 und der Vermittlung Martin Schmettaus - die wiederholte Arbeit im Studio Nicoli in Carrara (bis 1989), wo große Skulpturen wie "Judith und Holofernes" (1984) oder eine "Bathseba" (1986) entstanden. In den 1990ern schuf Makolies zudem Bronzen, sowie Holz- und auch Sandsteinskulpturen - etwa für das Kulturrathaus. 2000, bei einem Symposium in Ostritz, entstand eine "Salomé" (Standort Sächsische Landesärztekammer). Damals auch entdeckte er beim befreundeten Kollegen Lothar Beck abgelagerte Steine. Unter seinen Händen wurden sie zu "Pagodensteinen" - kleine weibliche Torsi, angedeutete Paarkonstellationen, viele Köpfe -, an denen manches bewusst rudimentär blieb.

Peter Makaolies kann auf 50 Jahre freies bildhauerisches Schaffen - man sollte nicht vergessen, dass die Arbeit am Stein eine fordernde physische Komponente hat - zurückblicken. Seine Werke zeigen eine unzweifelhaft eigene Handschrift, lassen dabei eine innere Logik erkennen, eng verbunden mit dem eigenen Leben und der Reflektion darüber. Makolies hat viele Spuren hinterlassen: als Restaurator und mit seinem freien Werk, das außer im privaten und öffentlichen Raum auch in vielen Museen präsent ist. Es möge noch mancher, ihn anregender Feldstein am Wege liegen!

Bis 12. Februar 2012, Di-Fr 14 bis 18 Uhr, Sa/So 10 bis 18 Uhr, Leonhardi-Museum Dresden, Grundstraße 26

Tel: 0351/268 35 13

Katalog 20 Euro (im Buchhandel 25 Euro)

Peter Makolies

1936 in Königsberg/Ostpreußen geboren

1953 Beginn der Steinmetzlehre in der Zwingerbauhütte Dresden; eigene künstlerische Arbeiten

seit 1965 freier Bildhauer in Dresden

1984 Teilnahme an der Biennale Venedig, erster Arbeitsaufenthalt in Carrara

1985 Studienreise durch China

1986 & 1989 Arbeit in Carrara, Italien

2001 Beginn der Arbeit an den Feldsteinen

lebt und arbeitet in Dresden und Warthe (Liepe) auf Usedom

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.11.2011

Lisa Werner-Art

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