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Der Dresdner Kammersänger und frühere Operndirektor der Semperoper Rolf Wollrad wird 75

Der Dresdner Kammersänger und frühere Operndirektor der Semperoper Rolf Wollrad wird 75

So kennt man ihn, bei Premieren, in Konzerten: das weiße Haar mit den leicht wehenden Wellen, der freundliche Blick, offen, ein wenig verschmitzt auch, im Gespräch, selbst wenn es kritisch wird, sachlich, kollegial, humorvoll.

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Rolf Wollrad als Rocco in "Fidelio".

Quelle: Erwin Döring

Rolf Wollrad, Bachpreisträger, Kammersänger seit 1975, seit 1964 fast zehn Jahre im Ensemble der Landesbühnen, dann der Staatsoper Dresden, er zieht mit um in die neu erbaute Semperoper, übernimmt 1989 die Funktion des Operndirektors und wird 2003 als Ehrenmitglied verabschiedet. Abschied von der Bühne nimmt er nicht, er ist gefragter Gast, wenn es darum geht in der Spieloper, in der Operette oder im Musical, den Typen seines Faches charaktervolle Gestalt zu verliehen. Sei es der Oberst Ollendorf in "Der Bettelstudent", Dr. Pangloss in Bernsteins "Candide" oder als Paraderolle an der Staatsoperette und anderswo der tragikomische Dorfschullehrer Baculus in "Der Wildschütz" von Albert Lortzing. Da kann der Sängerdarsteller Lebenserfahrungen einbringen wie kaum ein anderer. Da sei er, so der Kritiker Dieter David Scholz anlässlich der Premiere 2005, ein Erzkomiker, eine "Dresdner Institution des Musiktheaters jenseits allen Chargierens." Inzwischen ist eine der schönsten Rollen des großen Musicals dazu gekommen, in Lübeck wurde Rolf Wollrad als Tewje in "Anatevka" gefeiert. Der Mann ist ein "Glücksfall singschauspielerischer Rollenverwirklichung", so die Kritik.

Ich erinnere mich an die erste Begegnung, Ende der 70-er Jahre, Harry Kupfer hatte seinen grandiosen "Fidelio" auf die Bühne des Großen Hauses übertragen. Rolf Wollrad als Rocco - man mochte ihm ob seiner lavierenden Haltung nicht böse sein, er hat sich eingerichtet in seiner kleinbürgerlichen Welt hinter Mauern und schafft es auch unter neuer Herrschaft, den Mantel rechtzeitig richtig wehen zu lassen. Er war nicht der orgelnde Bass, der Stimmprotz, da war immer etwas Leichtigkeit, vor allem die Musikalität des Spielerischen. Der kleine Mann, der seine Haut retten und etwas abhaben will vom großen Kuchen.

Manchmal wurde er zum Schwejk in der Oper. Das hat er ausgekostet und das Publikum kam auf seine Kosten, wenn er z.B. als Leporello, als Bartolo, als Don Pasquale oder Dulcamara auf den Opernbühnen stand. Er stand ja nicht, bei ihm gingen Spiel und Gesang immer ineinander über. Und da hatte er auch die größere Dimension, als Pimen in "Boris Godunow" oder auch als schon gefährlicherer Typ, wenn er der Daland in "Der Fliegende Holländer" war.

Das Repertoire ist groß, manchmal waren es kleinere Partien, die aber im Gedächtnis bleiben, so auch die in den Aufnahmen mit berühmten Kolleginnen und Kollegen, "Dreigroschenoper" mit Jane Henschel, "Ariadne auf Naxos" unter Kurt Masur mit Jessy Norman, Edita Gruberova und Julia Varady, oder mit Theo Adam in der Titelrolle in Herbert Kegels Einspielung von Alban Bergs "Wozzeck".

Als Operndirektor wurde er geschätzt, die Zeiten nach 1989 waren nicht einfach, der damalige Intendant Christoph Albrecht spricht voll höchster Anerkennung von "seinem" Operndirektor. Er kannte eben den Beruf des Sängers und wusste um die nötige Sensibilität, um in einer solchen Funktion den Ausgleich zu finden, Fordern und Fördern in Einklang zu bringen.

Heute vor 75 Jahren wurde Rolf Wollrad in Döbeln geboren, studiert hat er in Leipzig und Sofia, Dresden wurde zur künstlerischen Heimat, hier trifft man ihn gern und man macht sich gerne auf den Weg, um dabei zu sein, wenn der 75 Jahre junge Künstler auf der Bühne steht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.02.2013

Boris Michael Gruhl

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